DÀnemark könnte im Grönland-Ernstfall Beistand verlangen
15.01.2026 - 20:05:27Das stellte eine Sprecherin der EU-AuĂenbeauftragten Kaja Kallas jetzt nach den ergebnislos verlaufenen GesprĂ€chen ĂŒber die aus europĂ€ischer Sicht ungerechtfertigten US-BesitzansprĂŒche auf die Arktisinsel in Washington klar.
Grönland sei Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs DĂ€nemark und fiele daher grundsĂ€tzlich unter die gegenseitige SolidaritĂ€tsklausel in Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags, sagte die Sprecherin gegenĂŒber der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte sie, dass sich die Frage einer Anwendung derzeit nicht stelle. GrundsĂ€tzlich gilt eine militĂ€rische Konfrontation als sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mĂ€chtigsten MilitĂ€rmacht der Welt anlegen wĂŒrde.
Deutliche Ansage nach langem Schweigen
Brisant ist die öffentliche Festlegung dennoch. Zuvor waren EU-Vertreter der Frage lange ausgewichen, ob DĂ€nemark im Fall einer gewaltsamen Einverleibung Grönlands durch die USA theoretisch den Beistand anderer Mitgliedstaaten anfordern könnten. Als Grund gilt unter anderem, dass die GrönlĂ€nder 1982 in einem Referendum fĂŒr den Austritt aus der damaligen EuropĂ€ischen Gemeinschaft (EG) gestimmt hatten. Zugleich ist Grönland aber weiterhin Teil des Königreichs DĂ€nemark. Unter Juristen wird zum Teil auch die Auffassung vertreten, dass die SolidaritĂ€tsklausel vermutlich nicht fĂŒr Grönland gilt.
In ihr heiĂt es konkret: "Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und UnterstĂŒtzung (...)."
Auf Nato kann DÀnemark im Streit nicht zÀhlen
Artikel 42 Absatz 7 ist damit noch schĂ€rfer formuliert als Artikel 5 der Nato. Nach diesem liegt es im Ermessensspielraum der BĂŒndnisstaaten, wie sie im Fall eines Angriffs Alliierten zu Hilfe kommen. Den Nato-BĂŒndnisfall könnte DĂ€nemark zudem ohnehin nicht ausrufen, weil dazu auch die USA zustimmen mĂŒssten.
Die Klarstellung erfolgte kurz nach erfolglos geendeten Grönland-GesprĂ€chen am Mittwoch in Washington. Bei diesen hatten der dĂ€nische AuĂenminister Lars LĂžkke Rasmussen und die fĂŒr AuĂenpolitik zustĂ€ndige grönlĂ€ndische Ministerin Vivian Motzfeldt versucht, den Amerikanern klarzumachen, dass die USA keinen Anspruch auf Grönland haben und dass die gröĂte Insel der Welt nicht zum Verkauf steht.
Trump lÀsst nicht locker
Schon direkt vor dem Treffen mit US-AuĂenminister Marco Rubio und VizeprĂ€sident JD Vance hatte US-PrĂ€sident Donald Trump noch einmal deutlich gemacht, dass er nicht daran denke, sein Interesse an dem rohstoffreichen Grönland aufzugeben. Er verwies dabei erneut auf strategische Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten, die sich angeblich nicht ĂŒber die Nato schĂŒtzen lieĂen.
FĂŒr Aufsehen und Beunruhigung sorgt Trumps ĂuĂerungen vor allem, weil er bislang auch militĂ€rischen Zwang nicht ausschlieĂt, um Kontrolle ĂŒber Grönland zu erlangen. Die Insel ist zu vier FĂŒnfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groĂ wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.
Rasmussen konstatierte nach dem Austausch mit Rubio und Vance "fundamentale" Meinungsverschiedenheiten. Als Zeichen der SolidaritĂ€t mit DĂ€nemark und Grönland haben Deutschland und andere EU-Staaten eine MilitĂ€rmission fĂŒr das Land angekĂŒndigt. Die Bundeswehr beteiligt sich mit 13 Soldaten an dem mehrtĂ€gigen Erkundungseinsatz auf der Arktisinsel.

