Frankfurt-News, Ausverkauf

Börse Frankfurt-News: Ausverkauf bei Immobilienfonds (Fonds)

11.07.2024 - 15:46:06 | dpa.de

Im Fondshandel an der Börse Frankfurt ist der Jahreszeit entsprechend tendenziell etwas weniger los als sonst.

FĂŒr das Segment der Immobilienfonds gilt das aber nicht. Hier sehen sich die HĂ€ndler mit massiven Abgaben konfrontiert.

11. Juli 2024. Matthias PrĂ€ger, Fonds-HĂ€ndler bei der Baader Bank, berichtet von relativ verhaltenen UmsĂ€tzen und fĂŒhrt dies auf fehlende Impulse an den MĂ€rkten sowie den Ferienbeginn in mehreren BundeslĂ€ndern zurĂŒck. Im Handel sieht er "tendenziell eher VerkĂ€ufe, wie fast immer". Ein Grund dafĂŒr könnte seiner Meinung nach sein, dass die Fondsbesitzer gerne die Vorteile des Börsenhandels nutzen, wo sie sich an den fortlaufend gestellten Kursen orientieren können und bei der OrderbestĂ€tigung sofort wissen, wie hoch die Gewinne (oder Verluste) ihres Investments ausgefallen sind.

Gewinnmitnahmen bei Aktienfonds

GrĂ¶ĂŸere VerkĂ€ufe sieht PrĂ€ger im Bereich der Aktienfonds Deutschland und Europa im FF - European Growth AD (LU0048578792) sowie im UBS (D) EF - Small Caps Germany (DE0009751651), wĂ€hrend der Comgest Growth Europe AC (IE0004766675) eher gesucht wird. Überdurchschnittlich hohe UmsĂ€tze weisen fĂŒr die Region Asien der JPMorgan Pacific Equity (LU0052474979) und der JPM Pacific Equity A (LU0217390573) aus. Bei den beiden gerade auf neue Jahreshochs gestiegenen Fonds kommt es vermehrt zu Gewinnmitnahmen.

Relativ viel los ist auch im Segment der Edelmetalle, wo Anlegerinnen und Anleger vor allem wÀhrend der laufenden AufwÀrtsbewegung des Goldpreises Papiere wie den DWS Invest Gold and Precious Metals Equities (LU0363470401), den BGF World Gold Fund AC (LU0055631609) oder den NESTOR Gold Fonds (LU0147784465) handeln. "Hier gibt es ordentliche UmsÀtze auf beiden Seiten", ordnet der HÀndler ein.

"Nur Abgaben und nur fallende Kurse"

MĂ€chtig unter Druck stehen momentan die frĂŒher gerne als "renditestarker Festgeldersatz" genutzten offenen Immobilienfonds. "Wir sehen nur Abgaben und nur fallende Kurse", berichtet Frank Wöllnitz von der ICF Bank. Die aktuelle Nachrichtenlage scheine dafĂŒr gesorgt zu haben, dass sehr viele noch investierte Anlegerinnen und Anleger aus diesen Fonds rauswollen. Ein einschneidendes Erlebnis dĂŒrfte dabei fĂŒr viele die Neubewertung des UniImmo: Wohnen (ZBI DE000A2DMVS1) vor knapp drei Wochen gewesen sein.

Am 24. Juni hatte die Union Investment den von der ZBI Zentral Boden Immobilien Gruppe gemanagten Immobilienfonds um fast 17 Prozent abgewertet. Der Grund: Der Wert der Mietwohnungen, in die der Fonds investiert hat, wurde von unabhÀngigen SachverstÀndigen um mehr als 860 Mio. Euro auf knapp 4,3 Mrd. Euro heruntergestuft. Der Kurs des Fonds brach daraufhin entsprechend ein und markierte damit den höchsten Tagesverlust bei Immobilienfonds seit der Finanzkrise im Jahr 2008.

Auch die Institutionellen wollen zunehmen raus

Die Sorge vor Ă€hnlichen Bewertungsanpassungen und der immense Verkaufsdruck fĂŒhren dazu, dass auch viele andere Immobilienfonds weit unter ihrem offiziellen Nettoinventarwert (NAV) gehandelt werden. Beim Deka Immobilien Global (DE0007483612) zum Beispiel weist die Fondsgesellschaft einen NAV von 55,07 Euro aus, wĂ€hrend der Börsenkurs nur bei rund 49 Euro liegt. Wöllnitz spricht von einer "schwierigen Situation", weil die Bewertung der ImmobilienbestĂ€nde fĂŒr Außenstehende kaum möglich sei. "Wir haben hier jetzt einen klassischen Börsenhandel, weil sich die Kurse nur noch in AnsĂ€tzen an dem NAV orientieren". Unter Druck kommen die Notierungen auch deshalb, weil das Verkaufsvolumen zunehmend grĂ¶ĂŸer wird. "Bislang haben wir meist normale Orders gesehen, aber jetzt steigen scheinbar auch institutionelle Anleger vermehrt aus", konstatiert der HĂ€ndler.

Abschlag zum NAV von ĂŒber 20 Prozent

Forciert wird der aktuelle Trend dadurch, dass ein schneller Verkauf seit einiger Zeit ausschließlich ĂŒber die Börse möglich ist. Anlegerinnen und Anleger können Anteile an offenen Immobilienfonds inzwischen nicht mehr tĂ€glich zurĂŒckgeben, sondern mĂŒssen ihren Ausstieg zwölf Monate im Voraus ankĂŒndigen. Besonders viele Abgaben sieht Wöllnitz im grundbesitz europa (DE0009807008), im UniImmo: Deutschland (DE0009805507) und im hausInvest (DE0009807016). Auch bei sonst kaum gehandelten Fonds wie dem Fokus Wohnen Deutschland herrscht aktuell enormer Verkaufsdruck. Hier wird ein NAV von 55,57 Euro ausgewiesen, der Kurs ist auf Monatssicht aber von 52 Euro auf aktuell nur noch rund 44 Euro gefallen. Der Abschlag zum vermeintlich "fairen" Wert betrĂ€gt damit jetzt ĂŒber 20 Prozent.

Von Thomas Koch, 11. Juli 2024, © Deutsche Börse

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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