ROUNDUP, Bahn

Bahn verkleinert FĂŒhrung - Kleine Schritte bei PĂŒnktlichkeit

11.12.2025 - 14:16:31

Im kommenden Jahr wird sich bei der Deutschen Bahn vieles verÀndern - voraussichtlich bleibt es aber noch bei sehr vielen VerspÀtungen im Fernverkehr.

Konzernchefin Evelyn Palla stellt fĂŒr 2026 in Aussicht, dass mindestens 60 Prozent der FernzĂŒge ohne grĂ¶ĂŸere VerspĂ€tungen ankommen werden. Das ist zwar etwas besser als in den vergangenen Monaten, als nahezu jeder zweite ICE und IC verspĂ€tet unterwegs war.

Von einem zuverlÀssigen Bahnverkehr kann mit diesem Ziel aber weiter keine Rede sein. "Wir können die Schiene nicht von heute auf morgen besser machen", sagte Palla am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Konzepts zur Neuaufstellung des bundeseigenen Unternehmens.

Zwar werde die Bahn auch im nĂ€chsten Jahr mehr als 20 Milliarden Euro in die ErtĂŒchtigung des ĂŒberalterten und ĂŒberlasteten Schienennetzes investieren. "Aber die Sanierung der Schiene wird nicht ĂŒber Nacht erfolgen können", bekrĂ€ftigte die Managerin.

Sofortprogramme sollen Fahrerlebnis verbessern

"Wir hatten auch im Jahr 2025 einen deutlich sinkenden Trend bei der PĂŒnktlichkeit insbesondere im Fern- und Regionalverkehr", sagte Palla. "Es gilt nun, diesen fallenden Trend zu stabilisieren." An dem von der Bundesregierung vorgegebenen Ziel einer PĂŒnktlichkeitsquote von mindestens 70 Prozent bis Ende 2029 hĂ€lt Palla fest.

Trotz der anhaltend schlechten ZuverlĂ€ssigkeit auf der Schiene verspricht sie den FahrgĂ€sten konkrete Verbesserungen: Mit drei Sofortprogrammen will sie dafĂŒr sorgen, dass sich die Sauberkeit und Sicherheit in den ZĂŒgen und auf den Bahnhöfen verbessert und auch die Bordbistros zuverlĂ€ssiger funktionieren. Außerdem mĂŒssten die Kundeninformationen besser werden. Hier sollen die Reisenden schon im kommenden Jahr positive VerĂ€nderungen spĂŒren.

Palla will Bahnkonzern neu aufstellen

Palla will zudem die Rahmenbedingungen Ă€ndern, unter denen die Verantwortlichen bei der Bahn versuchen, die Situation auf der Schiene zu verbessern. DafĂŒr hat die Chefin ein Konzept zur Neuaufstellung des Konzerns vorgestellt, das ab dem 1. Januar umgesetzt werden soll und am Mittwoch vom Aufsichtsrat bestĂ€tigt wurde.

Es sieht vor allem in der Zentrale und auf den FĂŒhrungsebenen eine radikale Verschlankung vor. Von rund 3.500 Stellen in der sogenannten Konzernleitung sollen rund 30 Prozent abgebaut werden, sagte Palla. Allein auf der Ebene unterhalb des Konzernvorstands werden rund die HĂ€lfte von derzeit 43 FĂŒhrungsposten gestrichen.

Mehr Verantwortung in der FlÀche

Bei den Töchtern DB Regio und DB Fernverkehr werden die VorstÀnde verkleinert. Auch im Vorstand des Gesamtkonzerns sind bereits zwei Posten abgebaut worden.

Mehr Verantwortung will Palla dafĂŒr in die FlĂ€che verlagern. Die regionalen Managerinnen und Manager sind kĂŒnftig fĂŒr die QualitĂ€t des Verkehrs verantwortlich und sollen dafĂŒr sorgen, dass die Kennzahlen eingehalten werden. Eine zentrale, koordinierende Steuerungseinheit soll es zwar noch geben. Sie ist direkt an Pallas Vorstandsressort angebunden. Wie die regionalen Einheiten die Ziele aber erreichen, bleibt ihnen ĂŒberlassen.

Das muss Palla im nÀchsten Jahr auch noch schaffen Vier Generalsanierungen

Gleich vier Strecken sollen im kommenden Jahr fĂŒr mehrere Monate komplett gesperrt und in dieser Zeit grundlegend saniert werden: Hagen-Wuppertal-Köln, NĂŒrnberg-Regensburg (beide 6. Februar bis 10. Juli), Obertraubling-Passau (10. Juni bis 11. Dezember) und Troisdorf-Wiesbaden (10. Juli bis 11. Dezember). Nach einer sogenannten Generalsanierung verspricht die Bahn einen deutlich flĂŒssigeren Verkehr auf den Strecken. Zudem werden mehrere Jahre Baufreiheit versprochen - bereits jetzt ist aber absehbar, dass dieses Versprechen nicht in allen FĂ€llen eingehalten werden kann.

Tausende weitere Baustellen

Im laufenden Jahr zĂ€hlte die Bahn in ihrem Netz 26.000 Baustellen - und nĂ€chstes Jahr sollen es noch mal mehr werden. In einem Interview mit der "SĂŒddeutschen Zeitung" sprach die Bahnchefin kĂŒrzlich von voraussichtlich mehr als 28.000 Baustellen im Jahr 2026.

Wirtschaftliche StabilitÀt

Nicht nur im Betrieb auf der Schiene liegt bei der Bahn viel im Argen, auch finanziell hat der bundeseigene Konzern zu kÀmpfen. Im ersten Halbjahr fuhr die Bahn unterm Strich einen Verlust von 760 Millionen Euro ein.

Palla geht davon aus, dass der Konzern schon in diesem Jahr zumindest im operativen GeschĂ€ft (Ebit) wieder schwarze Zahlen geschrieben hat. "Das wollen wir im nĂ€chsten Jahr selbstverstĂ€ndlich noch einmal anheben." Unterm Strich dĂŒrfte aber in beiden Jahren voraussichtlich weiter ein Minus stehen.

Gewerkschaft zuversichtlich

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) befĂŒrwortet Pallas Neuaufstellung. Es sei gut, dass sie direkt handele und mit Hilfe von Sofortprogrammen den Kunden in den Mittelpunkt stelle, sagte EVG-Chef Martin Burkert. "Die noch zu entwickelnden Details fĂŒr den anstehenden Konzernumbau werden wir uns genau ansehen." Sollte sich der Umbau am Ende als Sparprogramm und Arbeitsplatzabbau herausstellen, werde Palla in der EVG einen starken Gegner finden.

@ dpa.de