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KORREKTUR / ROUNDUP / MFE: ProSiebenSat.1 soll TV-KerngeschÀft vom Rest abspalten

21.03.2024 - 18:25:31

(Im letzten Satz wurde die Bezeichnung der PPF Group korrigiert.

Die PPF Group ist eine Investmentfirma)

MAILAND/AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der ProSiebenSat.1-GroßaktionĂ€r DE000PSM7770 Media For Europe (MFE) aus Italien fordert die Aufspaltung des Medienkonzerns. Das wichtige Entertainment-FernsehgeschĂ€ft solle von den "RandaktivitĂ€ten" E-Commerce und Dating separiert werden, um den Fokus auf das KerngeschĂ€ft zu lenken, teilte der MailĂ€nder Medienkonzern am Donnerstag mit. In diesem Zuge plĂ€diert das Unternehmen um die Berlusconi-Familie auch fĂŒr die Aufnahme eines auf Fusionen und Übernahmen spezialisierten Experten in den Aufsichtsrat. An der Börse langten Anleger krĂ€ftig zu: Die ProSiebenSat.1-Aktie verteuerte sich am Vormittag um 6,7 Prozent und lag damit an der Spitze des SDax DE0009653386.

Eine Abspaltung wĂŒrden zu zwei börsennotierten Unternehmen fĂŒhren. Einen entsprechenden Vorschlag will MFE auf der ProSiebenSat.1-Hauptversammlung am 30. April einbringen. FĂŒr den "Beschluss zur Vorbereitung eines Abspaltungs- und Übernahmevertrags" ist die Zustimmung von mindestens 75 Prozent des bei der Beschlussfassung vertretenen Grundkapitals vonnöten.

"Der ProSiebenSat.1-Vorstand hat wiederholt seine Absicht zur Separierung der Segmente geĂ€ußert, insoweit aber bislang keine wesentlichen Fortschritte erzielt", begrĂŒndete der GroßaktionĂ€r sein Anliegen. Bislang stand die schrittweise Trennung der ZusatzgeschĂ€fte auf der Agenda. Dabei wollten ProSiebenSat.1-Chef Bert Habets und Finanzchef Martin Mildner ihre PortfoliostĂŒcke aber nicht unter Wert verkaufen. Eine Anfrage zum MFE-Vorschlag bei ProSiebenSat.1 blieb zunĂ€chst unbeantwortet.

Der Medienkonzern nahe MĂŒnchen ist in drei Segmente gegliedert: Das Entertainment-GeschĂ€ft mit dem HerzstĂŒck Joyn war 2023 fĂŒr zwei Drittel des Konzernumsatzes verantwortlich, vor allem durch Werbung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rund 80 Prozent des um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnisses (Ebitda) kommen aus dem KerngeschĂ€ft. Mit einer Abspaltung wĂŒrde ProSiebenSat.1 seine Perle offenlegen, wĂ€hrend MFE einer möglichen Übernahme nĂ€her kommen wĂŒrde.

Ein Dorn im Auge sind MFE dagegen die Dating-Sparte (ParshipMeet Group) sowie das E-Commerce-GeschĂ€ft mit Unternehmen wie Flaconi, Verivox und Jochen Schweizer Mydays - von all diesen soll sich ProSiebenSat.1 nach dem Willen von MFE verabschieden. Dabei waren es genau diese, die den Medienkonzern in der Corona-Pandemie ĂŒber Wasser gehalten hatten, als es mit Erlösen durch Werbekunden immer schwieriger wurde.

Erst am Mittwoch hatte der ProSiebenSat.1-Aufsichtsratschef Andreas Wiele fĂŒr einen schnellen Konzernumbau mit Fokus auf das Fernsehen und Streaming plĂ€diert. "Ein Mischkonzern, der in vielen Bereichen tĂ€tig ist, hat noch nie funktioniert, vor allem nicht im MediengeschĂ€ft", sagte Andreas Wiele im Interview mit der "SĂŒddeutschen Zeitung". Dabei betonte der Manager, dass eine Zerschlagung nicht Gegenstand der derzeitigen Strategie sei. Auch von dem nun vorgeschlagenen Weg in Richtung zweier börsennotierter Unternehmen war nicht die Rede.

Seit Jahren wird darĂŒber spekuliert, wie stark sich MFE in die TV-GeschĂ€fte von ProSiebenSat.1 einbringen will und wie viel Einfluss das Unternehmen auf Unterföhring haben darf. Chef des MailĂ€nder Medienkonzerns ist Pier Silvio Berlusconi, Sohn des frĂŒheren italienischen MinisterprĂ€sidenten Silvio Berlusconi. MFE betreibt unter anderem TV-GeschĂ€fte in Italien und Spanien.

MFE schlug ferner am Donnerstag einen "unabhĂ€ngigen" M&A- und Kapitalmarktexperten fĂŒr die Wahl in den Aufsichtsrat vor. Zudem solle das seit 2015 im Gremium vertretene Aufsichtsratsmitglied Rolf Nonnenmacher durch einen "unabhĂ€ngigen, erfahrenen WirtschaftsprĂŒfer" ersetzt werden.

Seit vergangenem Jahr vertritt die MFE-Managerin Katharina Behrends die Interessen der MailĂ€nder in Unterföhring. Laut Website von ProSiebenSat.1 hĂ€lt MFE rund 26 Prozent der Anteile. Die Investmentfirma PPF Group hat alszweitgrĂ¶ĂŸter ProSiebenSat.1-AktionĂ€r Klara Brachtlova in den Aufsichtsrat entsandt.

@ dpa.de | DE000PSM7770 PRODUKTION/ABSATZ