ZÀhe Winterkorn-Befragung zur DieselaffÀre - KlÀgeranwÀlte unzufrieden
27.02.2024 - 15:05:03Mit den bisherigen Antworten des 76-JĂ€hrigen sei man nicht glĂŒcklich, weil er bestimmte AblĂ€ufe nicht plausibel genug schildere, sagte Anwalt Axel Wegner am Dienstag in Braunschweig. Winterkorn reagierte auf den Vorwurf nicht und beantwortete weiter geduldig die Fragen der KlĂ€gerseite. "Wenn Sie mich so konkret fragen, muss ich doch weiter ausholen", sagte er in einem Fall.
Die Befragung des frĂŒheren Konzernbosses zu den Abgasmanipulationen beim Wolfsburger Autobauer dauerte bereits den dritten Verhandlungstag an. Als "mittlerweile sehr zĂ€h" beschrieben die wenigen Beobachter den Verlauf. Mit "Wie meinten Sie das genau?" oder "Ich kann das nicht nachvollziehen", sollte Winterkorn teils schon getĂ€tigte Aussagen immer wieder erneut aufgreifen.
Der als "Mr. Volkswagen DE0007664039" bekannte gewordene Topmanager ist als Zeuge in dem Zivilverfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig geladen. In dem Prozess nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMug) wird seit 2018 ĂŒber möglichen Schadenersatz fĂŒr Investoren verhandelt, die nach dem Auffliegen des Skandals Kursverluste erlitten hatten. Derzeit geht es um rund 4,4 Milliarden Euro. MusterklĂ€gerin ist dabei die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Investment, die Beklagten sind die Volkswagen AG und die Dachholding Porsche SE DE000PAH0038.
Der Skandal kostete VW mehr als 30 Milliarden Euro und Winterkorn 2015 den Job. Die Verantwortung fĂŒr die Manipulationen hatte der 76-JĂ€hrige zu Beginn der Vernehmung in der Braunschweiger Stadthalle bereits klar von gewiesen. "Ich halte diese VorwĂŒrfe fĂŒr unzutreffend", sagte er in einem Eingangsstatement Mitte Februar. Er bezog sich dabei auf die beiden Strafverfahren, die ebenfalls in Braunschweig gegen ihn anhĂ€ngig sind.
Auf die Einleitung eines Anwalts "Ich muss sie noch einmal behelligen" reagierte am Dienstag sogar Richter Christian JĂ€de barsch. "Stellen Sie doch einfach Ihre Frage", forderte er. Teils fragte Winterkorn selbst zurĂŒck: "Was ist denn eigentlich die Frage?" Oder er leitete seine Antwort ein mit: "Ich kann mich nur wiederholen." Daneben blieb der Verhandlungstag geprĂ€gt von juristischem Detailstreit der Parteien.
Der VW-Konzern wiederholte am Dienstag seine Sicht auf die zentralen Fragen des Verfahrens. "Wir sind ĂŒberzeugt, dass die Volkswagen AG jederzeit ihre kapitalmarktrechtlichen Pflichten erfĂŒllt hat", sagte ein Sprecher. Aus Unternehmenssicht bestĂ€tigen die laufende Beweisaufnahme und die Zeugenbefragungen das. "Volkswagen hĂ€lt die anhĂ€ngigen Anlegerklagen fĂŒr unbegrĂŒndet", sagte der Sprecher. Die Vernehmung Winterkorns soll am Mittwoch (10.00 Uhr) den vierten Tag fortgesetzt werden.

