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DAVOS / ROUNDUP / Vor Trump-Rede beim WEF: EuropÀer bereiten das Terrain

20.01.2026 - 07:35:03

Im Streit mit den USA um Grönland können die EuropÀer beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorlegen.

Bei der Jahrestagung sollen am ersten Tag des offiziellen Programms unter anderem EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron sprechen. Nicht nur viele der etwa 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dĂŒrften gespannt darauf warten, ob und wie die Spitzenpolitiker sich auf der zentralen BĂŒhne des WEF (World Economic Forum) zu den AnnexionsgelĂŒsten von US-PrĂ€sident Donald Trump Ă€ußern.

Trump wird am Mittwoch in dem Schweizer Alpenort erwartet, wo er ebenfalls eine Rede halten will. Er hatte gegen Deutschland und mehrere andere europĂ€ische LĂ€nder neue Zölle zum 1. Februar angekĂŒndigt, falls sie der US-Übernahme von Grönland weiter im Wege stehen sollten.

Die grĂ¶ĂŸte Insel der Erde gehört zum Königreich DĂ€nemark. Sowohl die Regierung in Kopenhagen als auch die von Grönland weisen Trumps BesitzansprĂŒche zurĂŒck. US-Finanzminister Scott Bessent, der schon in Davos weilt, warnte die EU vor Vergeltung. Er soll heute Nachmittag beim WEF von einer Reporterin des Trump-nahen Senders Fox Business Network öffentlich befragt werden.

Ist es zielfĂŒhrend, immer cool zu bleiben?

Der GeneralsekretĂ€r des Europarats, Alain Berset, Ă€ußerte im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur Zweifel, ob es fĂŒr Europa wirklich zielfĂŒhrend sei, "immer zu versuchen, cool zu bleiben" und nicht hart zu reagieren. Möglicherweise mĂŒsse man auch mal dagegenhalten und sagen: "Nein, so geht es nicht." Man mĂŒsse auf Augenhöhe sprechen können und dĂŒrfe nicht einfach alles akzeptieren. In einem Gastbeitrag in der "New York Times" betonte er: "Das Völkerrecht ist entweder universell oder bedeutungslos. Grönland wird zeigen, wofĂŒr wir uns entscheiden."

In ZĂŒrich, knapp drei Stunden Zugfahrt von Davos entfernt, demonstrierten am Montagabend SchĂ€tzungen zufolge etwa 2.000 Menschen gegen Trump und das WEF. Im Anschluss an die Kundgebung kam es zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei, die Wasserwerfer einsetzte.

Motto: "Im Geiste des Dialogs"

Die WEF-Jahrestagung steht dieses Mal unter dem Motto "Im Geiste des Dialogs". Erwartet werden zahlreiche Spitzenpolitiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz, der am Donnerstag eine Rede halten soll, sowie Hunderte Topmanager. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sagte seine Teilnahme wegen einer schweren ErkĂ€ltung ab, der iranische Außenminister Abbas Araghtschi wurde wegen des brutalen Vorgehens der autoritĂ€ren FĂŒhrung seines Landes gegen Demonstranten ausgeladen.

Auch der kanadische Regierungschef Mark Carney sowie der chinesische Vizepremier He Lifeng sollen heute in Davos sprechen. Zudem gibt es Dutzende kleinere und grĂ¶ĂŸere GesprĂ€chsrunden, bei denen unter anderem Microsoft-Chef Satya Nadella und Alex Karp vom US-Analysesoftware-Hersteller Palantir dabei sind.

Topmanager so pessimistisch wie lange nicht

Die globalen Krisen drĂŒcken aufs GemĂŒt. Insgesamt sehen Topmanager, eine gewichtige Gruppe beim WEF, so pessimistisch auf das eigene Unternehmen wie lange nicht. Das Vertrauen der Firmenbosse in die Umsatzaussichten ist auf ein FĂŒnfjahres-Tief gesunken, wie aus einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter rund 4.450 Unternehmenschefs in 95 LĂ€ndern und Regionen hervorgeht.

Demnach sind nur drei von zehn Vorstandschefs zuversichtlich, dass der Umsatz ihres Unternehmens in den nÀchsten zwölf Monaten wachsen wird - vor vier Jahren waren es noch mehr als die HÀlfte.

Was ein Top-Berater sagt

Dagegen sieht der Chef der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman trotz Handelskonflikten, Zöllen und geopolitischer Spannungen keinen RĂŒckzug der globalen Wirtschaft. "Viele haben gesagt: Das ist der Beginn oder die Fortsetzung der Deglobalisierung. Aber das sehe ich nicht so", sagte Nick Studer am Rande der WEF-Tagung der dpa. "Ich sehe eine konstante, sich weiterentwickelnde Globalisierung."

Studer rĂ€umte aber ein, dass wirtschaftliche Beziehungen nicht mehr automatisch und dauerhaft funktionierten. Unternehmen mĂŒssten Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, ob neue Handelshemmnisse dauerhaft Bestand hĂ€tten. Falls ja, seien Anpassungen unvermeidlich. "Dann muss man darĂŒber nachdenken, neue MĂ€rkte zu erschließen oder neue Lieferketten aufzubauen", sagte Stuber. Und das sei "phĂ€nomenal schwierig".

Unternehmen mĂŒssten daher wieder stĂ€rker auf WiderstandsfĂ€higkeit setzen. "Man braucht mehr AgilitĂ€t, mehr Puffer und mehr Möglichkeiten, Schocks abzufedern", sagte der Oliver-Wyman-Chef. Insgesamt mĂŒssten sich Unternehmen darauf einstellen, dass Unsicherheit zum Dauerzustand werde. Gefragt seien flexible Strukturen, die auch unter wechselnden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragfĂ€hig blieben.

@ dpa.de