ROUNDUPAngriff, Kauf

WidersprĂŒchliche US-Signale zu Grönland

07.01.2026 - 06:35:11

Im Streit um das zum Königreich DĂ€nemark gehörende Grönland sendet die US-Regierung widersprĂŒchliche Signale: Das Weiße Haus schließt einen MilitĂ€reinsatz ausdrĂŒcklich nicht aus, wĂ€hrend der Außenminister Berichten zufolge von einem Kauf der autonomen Arktisinsel spricht.

Die US-Regierung hat ihre Drohungen in der Sache zuletzt massiv verstĂ€rkt - sehr zum Ärger der europĂ€ischen Nato-Partner.

PrĂ€sident Donald Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklĂ€rte zum amerikanischen Anspruch auf Grönland am Dienstagabend (Ortszeit): "Der PrĂ€sident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverstĂ€ndlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-MilitĂ€rs jederzeit als Option zur VerfĂŒgung."

Trump soll neuen Plan zum Ankauf Grönlands verlangt haben

Außenminister Marco Rubio, der aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jĂŒngsten Drohungen keine militĂ€rische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das "Wall Street Journal" und die "New York Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Sitzung fand am Montag statt.

Unter Berufung auf Beamte berichtete die "New York Times" weiter, dass PrĂ€sident Donald Trump seine Mitarbeiter um die Vorlage eines aktualisierten Plans fĂŒr einen Erwerb der Insel gebeten habe. Trump hatte einen solchen Plan bereits wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht.

DĂ€nemark und EuropĂ€er wehren sich gegen US-VorstĂ¶ĂŸe

DĂ€nemark hat den US-Anspruch auf Grönland und die militĂ€rischen Drohungen entschieden zurĂŒckgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: "Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf." Das wĂ€re das Ende des westlichen VerteidigungsbĂŒndnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.

In einer gemeinsamen ErklĂ€rung machten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und DĂ€nemark am Dienstag klar: Grönland gehört den GrönlĂ€ndern. "Es ist allein Sache DĂ€nemarks und Grönlands, ĂŒber Angelegenheiten zu entscheiden, die DĂ€nemark und Grönland betreffen", hieß es in der auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten ErklĂ€rung. Auch die Regierung in Grönland, wo nur rund 57.000 Menschen leben, lehnt die Begehrlichkeiten der US-Regierung ab.

Gegenwind auch im US-Kongress

Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im AuswĂ€rtigen Ausschuss, teilten mit: Wenn DĂ€nemark und Grönland klarstellten, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, mĂŒssten die USA ihre Vertragsverpflichtungen einhalten und die SouverĂ€nitĂ€t des Königreichs DĂ€nemark respektieren.

Trump verweist bei seinen Grönland-BesitzansprĂŒchen immer wieder auch auf China und Russland. Wenn man sich Grönland entlang der KĂŒste anschaue, sehe man ĂŒberall russische und chinesische Schiffe, meint er. Es gehe nicht um Mineralien oder Öl, davon hĂ€tten die USA selbst genug. Die USA brĂ€uchten Grönland fĂŒr ihre nationale Sicherheit, argumentiert er. Trumps jĂŒngste Äußerungen dazu folgten auf den US-MilitĂ€reinsatz in Venezuela und die weltweite Sorge, er könnte seinen Blick nun auch auf weitere Regionen werfen.

Klimawandel verstÀrkt Bedeutung Grönlands

Die grĂ¶ĂŸte Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend fĂŒr die zivile und militĂ€rische Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Seltene Erden stecken in allerlei tĂ€glichen GebrauchsgegenstĂ€nden wie Smartphones, Laptops und Fernsehern.

Trump hatte bereits 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geĂ€ußert und wollte die Insel fĂŒr die USA kaufen. Die DĂ€nen hatten zunĂ€chst an einen Scherz geglaubt. Seitdem hat der US-PrĂ€sident seine AnsprĂŒche auf die Arktisinsel mehrfach erneuert und dabei auch militĂ€rische Gewalt nicht ausgeschlossen, um Grönland unter seine Kontrolle zu bringen.

USA unterhalten in Grönland MilitĂ€rstĂŒtzpunkt

Die USA haben schon jetzt weitgehende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen - unter anderem durch ein Verteidigungsabkommen von 1951. Im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk, betreibt das US-MilitĂ€r seit langem einen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt. Dieser unterstĂŒtzt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und WeltraumĂŒberwachungsmissionen.

Grönland war bis 1953 eine Kolonie DĂ€nemarks, hat aber seit 1979 immer grĂ¶ĂŸere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter DĂ€nemark - durch die Anbindung an das Königreich ist Grönland auch Teil der Nato.

@ dpa.de