GESAMT-ROUNDUP: Was plant Trump mit Grönland?
07.01.2026 - 14:10:39Grönland mit seinen rund 56.000 Einwohnern ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum Königreich DÀnemark.
Die dĂ€nische Regierung weist den Anspruch von US-PrĂ€sident Donald Trump Amerikas, den er mit nationalen Sicherheitsinteressen begrĂŒndet, entschieden zurĂŒck - ebenso die militĂ€rischen Drohungen. Regierungschefin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende der Nato, sollten die USA Grönland angreifen.
GröĂte Insel der Welt mit strategischer Bedeutung
Grönland, die gröĂte Insel der Welt, ist etwa sechsmal so groĂ wie Deutschland. Es liegt strategisch wichtig zwischen den USA, Russland und Europa. Auch der GroĂteil der GrönlĂ€nder lehnt einen Anschluss an Amerika ab.
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklĂ€rte zu den US-PlĂ€nen: "Der PrĂ€sident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige auĂenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverstĂ€ndlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-MilitĂ€rs jederzeit als Option zur VerfĂŒgung."
Trump soll neuen Plan zum Ankauf Grönlands verlangt haben
AuĂenminister Marco Rubio, aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jĂŒngsten Drohungen keine militĂ€rische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das "Wall Street Journal" und die "New York Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Unter Berufung auf Beamte berichtete die "New York Times" weiter, dass Trump um einen aktualisierten Plan zum Kauf der Insel gebeten habe. Trump hatte die Idee bereits wÀhrend seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht.
DĂ€nemark und EuropĂ€er wehren sich gegen US-VorstöĂe
Der dĂ€nische AuĂenminister Lars LĂžkke Rasmussen sagte nach einer Krisensitzung im dĂ€nischen Parlament: "Es ist besorgniserregend, dass wir einen amerikanischen PrĂ€sidenten haben, der eine solche Ambition hat." Er fĂŒgte an: "Unsere Aufgabe ist es, dafĂŒr zu sorgen, dass sie nicht wahr wird." Fraglich ist allerdings, wie DĂ€nemark konkret dafĂŒr sorgen will.
Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, GroĂbritannien und DĂ€nemark sowie die nordischen LĂ€nder hatten sich am Dienstag in gemeinsamen ErklĂ€rungen mit Grönland solidarisiert. Abzuschrecken scheint das Trump und seine Regierung nicht. In DĂ€nemark werden nun Rufe nach einer Vermittlung durch Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte laut.
Trump verweist auf chinesische und russische Schiffe
Trump verweist bei seinen BesitzansprĂŒchen unter anderem darauf, dass entlang der grönlĂ€ndischen KĂŒste viele russische und chinesische Schiffe unterwegs seien. Es gehe ihm nicht um die BodenschĂ€tze dort, davon hĂ€tten die USA selbst genug. Amerika brauche Grönland fĂŒr seine nationale Sicherheit.
Experten verweisen dagegen darauf, dass die USA durch mehrere Abkommen mit DĂ€nemark schon jetzt weitgehende Rechte haben, die Insel militĂ€risch zu nutzen. In Pituffik, rund 1500 Kilometer nördlich von Nuuk, betreibt das US-MilitĂ€r einen StĂŒtzpunkt, der Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und WeltraumĂŒberwachungsmissionen unterstĂŒtzt.
DĂ€nischer Forscher: Sollten die USA angreifen, heiĂt es "Game Over"
Sollten die USA Grönland tatsĂ€chlich angreifen, stĂŒnde das Nato-Mitglied DĂ€nemark allein da, prognostiziert der Forscher Peter Viggo Jakobsen von der dĂ€nischen Verteidigungsakademie. "Niemand wird militĂ€risch einen Finger fĂŒr Grönland rĂŒhren", sagte Jakobsen dem dĂ€nischen Rundfunk. Falls die Amerikaner angreifen, heiĂe es "Game Over". "Und dann mĂŒssen sich die GrönlĂ€nder damit abfinden, dass es einen neuen Hausmeister gibt."
Bei den Bewohnern der Arktisinsel wĂ€chst angesichts der verschĂ€rften Drohungen die Sorge um die Zukunft des Landes. "Die letzten Tage waren sehr, sehr schwierig - und emotional aufwĂŒhlend", sagte Pitsi Karolussen in der Hauptstadt Nuuk dem dĂ€nischen Fernsehen. "Andererseits versuche ich auch, ruhig zu bleiben, weil wir nicht wissen, was passieren wird." Sie wolle sich sicher in ihrem Land fĂŒhlen können.
Grönland war bis 1953 eine Kolonie DĂ€nemarks, hat aber seit 1979 immer gröĂere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Ăber Bereiche wie AuĂen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter DĂ€nemark - durch die Anbindung an DĂ€nemark ist Grönland auch Teil der Nato.
Gegenwind auch im US-Kongress
Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im AuswĂ€rtigen Ausschuss, teilten mit: Wenn DĂ€nemark und Grönland klarstellten, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, mĂŒssten die USA ihre Vertragsverpflichtungen einhalten und die SouverĂ€nitĂ€t DĂ€nemarks respektieren.
USA haben schon lange ein Auge auf Grönland geworfen
Trump ist nicht der erste US-PrĂ€sident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-VorstoĂ zum Kauf, der aber scheiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg boten die USA 100 Millionen Dollar fĂŒr Grönland - und in den 1970ern soll VizeprĂ€sident Nelson Rockefeller laut US-Medien erneut mit Kaufgedanken gespielt haben.

