WDHROUNDUP, Auftrag

WDH / ROUNDUP: 'Habe klaren Auftrag' - Umbau im Bahn-GĂŒterverkehr geht weiter

07.06.2024 - 16:26:43

(Im zweiten Satz wurde prĂ€zisiert, dass der Aufsichtsrat nicht informiert wurde, sondern die PlĂ€ne an das Gremium ĂŒbermittelt wurden.)BERLIN - Mit einem radikalen Umbau will Bahn-VorstĂ€ndin Sigrid Nikutta die GĂŒterverkehrstochter DB Cargo aus der Krise fĂŒhren.

(Im zweiten Satz wurde prĂ€zisiert, dass der Aufsichtsrat nicht informiert wurde, sondern die PlĂ€ne an das Gremium ĂŒbermittelt wurden.)

BERLIN (dpa-AFX) - Mit einem radikalen Umbau will Bahn-VorstĂ€ndin Sigrid Nikutta die GĂŒterverkehrstochter DB Cargo aus der Krise fĂŒhren. Die konkreten PlĂ€ne habe das Unternehmen in dieser Woche an den eigenen Aufsichtsrat ĂŒbermittelt, sagte Nikutta der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Es geht um den Abbau von rund 2000 Stellen vor allem in der Verwaltung und um die Auslagerung ganzer GeschĂ€ftsfelder an Tochterunternehmen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie die BetriebsrĂ€te versuchen seit Monaten, die Ausrichtung in dieser Form zu verhindern. Bisher ohne Erfolg.

Cargo seit Jahren in der Krise

Das Unternehmen fĂ€hrt seit Jahren hohe Verluste ein. Allein 2023 belief sich das Minus aus dem operativen GeschĂ€ft (Ebit) bei DB Cargo auf fast eine halbe Milliarde Euro. Die Kundenzufriedenheit war mittelmĂ€ĂŸig, die PĂŒnktlichkeit laut GeschĂ€ftsbericht bei lediglich knapp 70 Prozent. Der Großteil der Verluste stammt Nikutta zufolge aus dem sogenannten Einzelwagenverkehr.

Dabei werden die Waggons direkt bei den Firmenkunden abgeholt und auf Rangierbahnhöfen zu langen ZĂŒgen zusammengestellt. Am Zielort werden diese dann wieder auseinander gebaut und die Waggons einzeln weiter transportiert. Das ist aufwendig und so teuer, dass damit aus Sicht der Bundesregierung kein Geld verdient werden kann. Sie fördert deshalb den Einzelwagenverkehr, der in Deutschland von DB Cargo dominiert wird, in diesem Jahr und den kommenden mit rund 300 Millionen Euro.

Sorgenkind Kombinierter Verkehr

Doch auch der sogenannte Kombinierte Verkehr gilt bei DB Cargo als Sorgenkind. Das ist vor allem der Containerverkehr von den SeehĂ€fen oder Binnenterminals, der teils mit Schiff, teils mit der Bahn transportiert wird. Das GeschĂ€ftsfeld gilt als Wachstumsmarkt. Nur der Bahn gelingt es nicht, damit Geld zu verdienen. Hier will Nikutta ansetzen: Der Kombinierte Verkehr soll kĂŒnftig an Bahn-Tochterunternehmen wie die Mitteldeutsche Eisenbahngesellschaft (MEG) ausgelagert werden. Auf einen Schlag mĂŒssten dort nun 150 zusĂ€tzliche Stellen entstehen, sagte die VorstĂ€ndin.

"Es geht dabei nicht darum, Personalkosten zu sparen", betonte sie. Schließlich verdienten die MEG-BeschĂ€ftigten zum Teil deutlich mehr als bei DB Cargo. "Es geht vielmehr um die Einsatzbedingungen." Bei DB Cargo sind die Schichten so organisiert, dass ein LokfĂŒhrer am Ende seines Dienstes wieder am Ausgangsort ankommt. Nach der HĂ€lfte der Schicht muss der Zug also von jemand anderem ĂŒbernommen werden. Bei den Töchtern ist dieses System flexibler. Hier sind LokfĂŒhrerinnen und LokfĂŒhrer lĂ€nger unterwegs, auch mal ĂŒber mehrere Tage hinweg.

So sei es auch bei den Bahn-Wettbewerbern geregelt, betont Nikutta. Es ist aus ihrer Sicht ein Grund dafĂŒr, dass die Konkurrenz im Kombinierten Verkehr hĂ€ufig profitabel unterwegs ist und die Bahn nicht.

Weitere Maßnahmen geplant

Die Umstrukturierung bei DB Cargo geht noch weiter: Bisher gemeinsam gefĂŒhrte Transportsegmente wie Stahl, Autos oder Chemieprodukte sollen in separate GeschĂ€ftsfelder aufgeteilt werden mit je einem eigenen Fuhrpark und einer eigenen Belegschaft. So sollen die Leitungsebenen der jeweiligen Segmente besser planen können und die Übersicht behalten bei Kosten und KapazitĂ€ten. Auf KundenwĂŒnsche könne so besser eingegangen werden, sagt Nikutta. "Wir lösen diese gesamthafte Verbundproduktion auf, in der alles mit allem verbunden ist."

Um die Transformation umzusetzen, stellt DB Cargo den eigenen Vorstand neu auf. Er bekommt ein neues Ressort fĂŒr den Kombinierten Verkehr sowie eines fĂŒr die neuen Segmente, die sogenannte Bahnlogistik. Der Aufsichtsrat soll am 20. Juni der Umstellung des Vorstands zustimmen. Zuvor hatte der "Business Insider" berichtet.

Widerstand der BetriebsrÀte und der EVG

Die BetriebsrĂ€te sowie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) versuchen seit Monaten, die Neuausrichtung in der geplanten Form zu verhindern. Sie werfen Nikutta vor, eigene VorschlĂ€ge nicht zu berĂŒcksichtigen und fĂŒrchten vor allem den Wegfall wichtiger ArbeitsplĂ€tze. DB Cargo weist darauf hin, dass der Stellenabbau vor allem die Verwaltung betreffe und nicht mit KĂŒndigungen einhergehe. Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gingen in den nĂ€chsten Jahren in den Ruhestand. Diese Stellen blieben dann einfach unbesetzt.

Dass sie mit ihrem Vorgehen EVG und BetriebsrÀte gegen sich aufbringt, nimmt Nikutta in Kauf. "Ich habe einen klaren Auftrag: Die Rettung der DB Cargo", sagt sie. "Wir werden das im Sinne der BeschÀftigten machen. Es geht am Ende darum, dass Unternehmen wettbewerbs- und zukunftsfÀhig zu machen - und so letztlich zu retten."

@ dpa.de