Immobilienmarkt: Baugenehmigungen steigen um 8,4 Prozent
19.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.deDeutschlands Immobilienmarkt zeigt erste Anzeichen der Erholung. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg im Januar überraschend um 8,4 Prozent. Doch die Preisschere zwischen Metropolen und strukturschwachen Regionen klafft weiter auseinander.
Ein Hoffnungsschimmer mit Vorbehalt
Das Statistische Bundesamt meldet 19.500 genehmigte Wohnungen für Januar. Das entspricht einem deutlichen Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders kleinere Gebäude legen zu: Einfamilienhäuser (+12,6%) und Zweifamilienhäuser (+26,1%) verzeichnen starkes Wachstum. Auch der für den Mietmarkt wichtige Geschosswohnungsbau wächst weiter.
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Branchenvertreter reagieren mit vorsichtigem Optimismus. „Entscheidend sind nicht die Genehmigungen, sondern die tatsächlichen Baufertigstellungen“, mahnt Aygül Özkan vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA). Das Wachstum starte von einem historisch niedrigen Niveau aus, ergänzt Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Der massive Wohnraummangel sei damit noch lange nicht behoben.
Deutschland driftet auseinander
Während die Bautätigkeit zunimmt, spaltet sich die Preisentwicklung. Eine aktuelle Analyse zeigt: In wirtschaftsstarken Metropolregionen steigen die Preise für Eigentumswohnungen weiter. Strukturschwache Landkreise müssen hingegen Wertverluste hinnehmen.
Konkret verteuerten sich bestehende Eigentumswohnungen im Februar leicht um 0,27 Prozent. Bestandshäuser bleiben preisstabil. Neubauprojekte stehen dagegen selektiv unter Druck – eine Folge hoher Baukosten und zurückhaltender Bauherren. Für Käufer bedeutet das: Flächendeckende Preisstürze bleiben 2026 unwahrscheinlich. Energieeffiziente Bestandsimmobilien in Top-Lagen sind gefragt, unsanierte Altbauten in Randlagen nicht.
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Bauzinsen pendeln sich ein
Ein zentraler Faktor ist das Zinsumfeld. Bauzinsen für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung liegen derzeit bei durchschnittlich 3,60 Prozent. Nach den massiven Sprüngen der Vorjahre hat sich das Niveau moderat eingependelt – bleibt aber deutlich höher als im vergangenen Jahrzehnt.
Experten verweisen auf leichte Schwankungen. Kurzzeitige Anstiege führen sie auf geänderte Inflationserwartungen zurück, beeinflusst von geopolitischen Spannungen und Energiepreisen. Eine abwartende Haltung kann für Käufer riskant sein. Der Rat: Immobilienkäufe mit solidem Eigenkapital unterlegen und aktuelle Konditionen mit langen Zinsbindungen sichern. Die Planungssicherheit ist heute höher als in den turbulenten Jahren 2023 und 2024.
Politik unter Druck
Um den Aufwärtstrend zu verstetigen, fordert die Immobilienwirtschaft politische Maßnahmen. Die Baukosten sind laut ZIA zwischen 2015 und 2023 um rund 60 Prozent gestiegen und drängen Projekte an die Grenze der Wirtschaftlichkeit.
Die zentrale Forderung: Der Erlass der Grunderwerbsteuer für die erste eigene Wohnimmobilie. Das würde vor allem jungen Familien helfen. Auch eigenkapitalersetzende Staatsbürgschaften werden diskutiert. Der geplante Deutschlandfonds gilt als richtiger Ansatz – wenn er konsequent für den Wohnungsbau geöffnet wird. Gleichzeitig warnen Verbände vor neuen regulatorischen Eingriffen. Weitere Verschärfungen im Mietrecht oder Debatten um Vergesellschaftungen könnten private Investoren verunsichern und dringend benötigtes Kapital vertreiben.
Ein Markt mit zwei Geschwindigkeiten
Was bedeutet das für Käufer und Investoren? Der Markt 2026 bleibt herausfordernd, bietet aber zunehmend planbare Rahmenbedingungen. In Metropolregionen und bei energieeffizienten Bestandsobjekten liegen weiter Chancen, denn der Zuzug in die Städte hält an.
Die entscheidende Frage der kommenden Monate: Werden die Genehmigungen auch in reale Baufertigstellungen umgesetzt? Experten prognostizieren, dass das Bauvolumen 2026 erstmals seit Jahren real wachsen könnte. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sorgfältigen Objektauswahl und einer krisenfesten Finanzierung.
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