Polen, AlleingÀnge

Polen gegen europÀische AlleingÀnge bei Atom-Abschreckung

19.02.2026 - 17:47:03 | dpa.de

In der Debatte ĂŒber eine europĂ€ische nukleare Abschreckung hat sich Polen gegen AlleingĂ€nge ohne die USA ausgesprochen.

"Alle Entscheidungen sollten gemeinsam getroffen werden. Wir sind in einem BĂŒndnis mit den USA, mit Frankreich, mit Deutschland und Großbritannien", sagte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz in einem gemeinsamen Interview der Deutschen Presse-Agentur, der PAP und AFP. Die Nato sei ein Organismus, diesen gelte es durch transatlantische Zusammenarbeit zu stĂ€rken, nicht zu schwĂ€chen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz gesagt, dass er mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron GesprĂ€che ĂŒber eine gemeinsame europĂ€ische Abschreckung fĂŒhre. Die atomare Abschreckung der Nato basiert derzeit hauptsĂ€chlich auf den US-Atomwaffen, von denen SchĂ€tzungen zufolge noch etwa 100 in Europa stationiert sein sollen.

Polens Staatschef Nawrocki will eigene Atombombe

Polens rechtskonservativer PrĂ€sident Karol Nawrocki hatte sich am Montag fĂŒr ein eigenes Atomwaffenprogramm seines Landes ausgesprochen. "Der Weg zu einem polnischen Atompotenzial - bei allem Respekt fĂŒr internationale Regelungen - ist der Weg, den wir gehen sollten", sagte Nawrocki in einem Fernsehinterview.

Kosiniak-Kamysz sagte dazu mit Blick auf den Atomwaffensperrvertrag, sein Land sei in dieser Hinsicht an internationale Abkommen gebunden. Man sei aber im Rahmen der nuklearen Teilhabe bereit zur Zusammenarbeit mit allen Nato-Staaten. "In diesen Formaten sollte Polen seinen Platz finden." Bereits im FrĂŒhjahr 2024 hatte der damalige PrĂ€sident Andrzej Duda gesagt, Polen sei bereit fĂŒr die Stationierung von US-Atomwaffen, sollte die Nato dies fĂŒr nötig halten. Aus der Nato hieß es damals, eine Ausweitung der Atomwaffen-Stationierung sei nicht geplant.

Keine Konkurrenz zwischen EU und Nato

Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz sprach sich außerdem dagegen aus, der EU mehr militĂ€rische Entscheidungskompetenz einzurĂ€umen. "Ich lasse den Gedanken einer Konkurrenz zwischen EU und Nato nicht zu", sagte der Politiker. Die Nato habe eine militĂ€rische Mission, die EU dagegen eine Entwicklungs- und Wirtschaftsmission. Aufgabe der EU sei es unter anderem, sich um die RĂŒstungsproduktion und die Finanzierung der Armeen ihrer Mitgliedsstaaten zu kĂŒmmern.

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