13,3 Millionen Menschen in Deutschland gefÀhrdet
03.02.2026 - 14:45:50Dies teilte das Statistische Bundesamt mit. Als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht galten 2025 sogar 17,6 Millionen Menschen oder 21,2 Prozent der Bevölkerung. Linke, BSW und SozialverbÀnde warnten angesichts der Zahlen vor Einschnitten ins soziale Netz.
Die Statistiker werteten fĂŒr die neuen Zahlen den Mikrozensus aus. DafĂŒr wurden nach Angaben des Bundesamts 47.444 Haushalte und 81.255 Menschen ab 16 Jahren zu Einkommen und Lebensbedingungen befragt. Armut wird in der Statistik im Vergleich zum Wohlstand der gesamten Bevölkerung gemessen.
Hohes Armutsrisiko bei Alleinlebenden
Als armutsgefĂ€hrdet gilt nach Definition der EuropĂ€ischen Union eine Person, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung hat. Bei Alleinlebenden lag diese Grenze bei netto 1.446 Euro im Monat (2024: 1.381 Euro). FĂŒr Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag sie bei 3.036 Euro (2024: 2.900). Grundlage ist das Jahreseinkommen.
Singles haben laut Statistik ein hohes Armutsrisiko: Laut Bundesamt lag bei Haushalten von Alleinlebenden die GefÀhrdungsquote bei 30,9 Prozent. Bei Alleinerziehenden waren es 28,7 Prozent. Die höchste Quote von ArmutsgefÀhrdung haben laut Statistik Arbeitslose mit 64,9 Prozent. Bei Menschen im Ruhestand sind es 19,1 Prozent.
Die Kategorie "von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht" ist weiter gefasst. Laut EU-Definition gilt dies, wenn mindestens eine von drei Bedingungen zutrifft: wenn das Einkommen unterhalb der ArmutsgefÀhrdungsgrenze liegt, wenn ein Haushalt von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen ist oder die Person in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung lebt. Es geht also auch darum, ob Menschen genug Geld haben, am sozialen Leben teilzunehmen. Der Anteil war 2025 mit 21,2 Prozent der Bevölkerung praktisch genauso hoch wie ein Jahr zuvor (21,1 Prozent).
"Nicht nur eine abstrakte Zahl"
Der ParitĂ€tische Gesamtverband Ă€uĂerte sich besorgt. "Armut ist nicht nur eine abstrakte Zahl", erklĂ€rte GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Katja Kipping. "FĂŒr die Betroffenen bedeutet Armut: Kinder ohne Winterjacke, Familien, die bei der Heizung sparen mĂŒssen, Menschen, die den Zahnarztbesuch aufschieben." Armut bedeute ExistenzĂ€ngste. Die Zahlen seien deshalb der Auftrag an die Regierung, Armut abzubauen und nicht zu verschĂ€rfen.
Ăhnlich Ă€uĂerte sich der Sozialverband Deutschland. "Die Zahlen zeigen deutlich, wie unverzichtbar ein starker Sozialstaat ist", sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier. "Statt ĂŒber KĂŒrzungen zu sprechen, braucht es eine gerechte Besteuerung hoher Vermögen und verlĂ€ssliche soziale Absicherung."
Frauen "nicht zufÀllig" betroffen
Darauf drangen auch die Oppositionsparteien Linke und BSW. Die Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner wies darauf hin, dass Armut nicht zufĂ€llig vor allem Frauen treffe, die in Teilzeit erwerbstĂ€tig seien und zusĂ€tzlich unbezahlte Sorgearbeit leisteten. "Wer diese Arbeit leistet, zahlt dafĂŒr noch immer einen zu hohen Preis", sagte Schwerdtner. "Die neuen Zahlen zeigen klar und deutlich, was wir brauchen: ein bezahlbares Leben durch existenzsichernde Löhne, verlĂ€ssliche Leistungen und Mieten, die sich die Menschen leisten können."
Der Bundesvorsitzende des BĂŒndnisses Sahra Wagenknecht, Fabio De Masi, nannte die Zahlen ein Armutszeugnis fĂŒr die Bundesregierung und kritisierte die Sozialstaatsdebatte. "Wir brauchen keine VorschlĂ€ge, die das Land in Vor-Bismarck-ZustĂ€nde versetzt, wenn sogar der Zahnarztbesuch privatisiert werden soll", meinte De Masi. Nötig sei eine Politik, die die Wirtschaft in Gang bringe und Aufstieg organisiere.

