Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Nur noch ein Bieter fĂŒr das Spekulationsobjekt Holsten-Areal

16.07.2025 - 16:09:13

In die zÀhen Verkaufsverhandlungen um das seit Jahren brachliegende sogenannte Holsten-Areal in Hamburg-Altona kommt Bewegung.

Die Adler Group LU1250154413 als EigentĂŒmerin habe der stĂ€dtischen Wohnungsgesellschaft Saga und dem Immobilienentwickler Quantum die Exklusivrechte fĂŒr den Erwerb des Areals erteilt, teilte Quantum mit. "Im nĂ€chsten Schritt werden die erforderlichen Details verhandelt", hieß es.

Ob der Verkauf gelingt, steht in den Sternen

Ob der Verkauf tatsĂ€chlich gelingt, steht jedoch in den Sternen. Denn das Holsten-Areal gilt als Paradebeispiel fĂŒr GrundstĂŒcksspekulationen: Das rund 86.000 Quadratmeter große GelĂ€nde der ehemaligen Holsten-Brauerei war 2016 von Carlsberg DK0010181759 an die DĂŒsseldorfer Gerchgroup verkauft worden. Anschließend wurde es mehrfach weiterverĂ€ußert, ohne dass auf dem Areal gebaut wurde. Der Preis des GrundstĂŒcks vervielfachte sich .

Nach Angaben der Linken-BĂŒrgerschaftsfraktion hĂ€tte die Stadt das Areal 2016 fĂŒr rund 65 Millionen Euro kaufen können. Stattdessen stand es zwischenzeitlich mit 364 Millionen Euro in den BĂŒchern der Adler Group - ein Preis, der als vollkommen ĂŒberzogen gilt. Zuletzt war von 130 bis 180 Millionen Euro die Rede. Zum Verkauf des GrundstĂŒcks hatte Adler Ende vergangenen Jahres das international tĂ€tige Maklerunternehmen CBRE mit ins Boot geholt. Adler hat seinen rechtlichen Sitz in Luxemburg, operativ tĂ€tig ist das Unternehmen jedoch von Berlin aus.

UrsprĂŒnglich 1.200 Wohnungen geplant

Eigentlich sollten auf dem Holsten-Areal mehr als 1.200 Wohnungen entstehen, darunter rund 365 geförderte Mietwohnungen mit einer Mietpreis- und Belegungsbindung von 30 Jahren. Daneben sollte es unter anderem Kitas, GeschĂ€fte, BĂŒros und einen Handwerkerhof geben. Das GelĂ€nde liegt jedoch seit Jahren brach. Zum Ärger der Anwohner dominieren riesige Bauschuttberge, die die Nachbarschaft einstauben.

SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf sprach von einer guten Nachricht fĂŒr Altona und ganz Hamburg. Mit der Saga sei ein stĂ€dtischer Partner beteiligt, der fĂŒr VerlĂ€sslichkeit stehe. "Jetzt gilt es, zĂŒgig einen belastbaren Verhandlungsabschluss zu erreichen und die nachhaltige Entwicklung des Quartiers im Sinne der Stadt sicherzustellen."

CDU: Planungen mĂŒssen neu bewertet werden

"Ganz Altona wartet sehnsĂŒchtig darauf, dass auf dem Holsten-Areal endlich Wohnraum entsteht", erklĂ€rte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Anke Frieling. Nach Jahren voller Stillstand und enttĂ€uschter Erwartungen biete sich nun eine echte Chance. Doch die Euphorie dĂŒrfe nicht den Blick fĂŒr die Herausforderungen verstellen: "Die bisherigen Planungen passen lĂ€ngst nicht mehr zu den wirtschaftlichen RealitĂ€ten." Nötig seien eine ehrliche Neubewertung, klare PrioritĂ€ten und der politische Wille, mutige Entscheidungen zu treffen. "Das ist kein gewöhnliches Bauprojekt."

In einer Petition des Denkmalvereins und der Holstenareal-Initiative "knallt am dollsten" fordern zahlreiche Unterzeichner wie die UmweltverbĂ€nde BUND und Nabu sowie die VerbĂ€nde Mieter helfen Mietern und Mieterverein zu Hamburg die Stadt auf, ihr Vorkaufsrecht wahrzunehmen und das GelĂ€nde zu einem unabhĂ€ngig ermittelten Verkehrswert zu erhalten. Mindestens zwei Drittel der geplanten Wohnungen sollten zudem gefördert sein. Außerdem mĂŒssten unter anderem geschichtlich bedeutsame Altbauten kurzfristig gesichert und langfristig erhalten werden.

Initiative warnt vor Vorgehen wie bei den Esso-HĂ€usern

Gleichzeitig warnten sie die Saga und Quantum vor einem Vorgehen wie beim Paloma-Viertel an der Reeperbahn. "Wie zuletzt die skandalösen VorgÀnge rund um die ehemaligen Esso-HÀuser (Paloma-Viertel) gezeigt haben, ist von diesem Duo nicht unbedingt Gutes zu erwarten", erklÀrte die Initiative. Hinweisen zufolge planten sie einen Abriss der historischen BrauereigebÀude und eine weitere Verdichtung des geplanten Quartiers. "Dies wÀre der nÀchste Mega-Skandal der Hamburger Stadtentwicklungspolitik."

Mitte November vergangenen Jahres hatten sich die Saga und Quantum mit der Bayerische Hausbau auf die Übernahme des Paloma-Viertels und die ebenfalls seit Jahren brachliegende FlĂ€che am Spielbudenplatz in Hamburg St. Pauli verstĂ€ndigt. Allerdings weichen deren PlĂ€ne zur Überraschung und zum Ärger vieler Anwohner deutlich von den Ideen ab, die in einem viel beachteten Beteiligungsmodell von Interessenvertretern und der Nachbarschaft entwickelt worden waren.

@ dpa.de | DK0010181759 PRODUKTION/ABSATZ