Heimbetreiber in Schieflage? Mehrere BundeslÀnder betroffen
02.04.2026 - 14:34:58 | dpa.deIn Laatzen bei Hannover wurde am Mittwoch ein Standort von Ambiente Care durch die Heimaufsicht kurzfristig geschlossen und die Patienten verlegt, wie die Regionsverwaltung mitteilte. Auch von einem Standort in Nordrhein-Westfalen sind Probleme bekannt. Zuvor hatten mehrere Medien darĂŒber berichtet.
"Wir dementieren ausdrĂŒcklich die GerĂŒchte einer Insolvenz", teilte das MĂŒnchener Unternehmen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die ArbeitsverhĂ€ltnisse der Angestellten seien nicht gekĂŒndigt worden. Auch beim zustĂ€ndigen Gericht in MĂŒnchen ergab die Suche nach einem Insolvenzantrag zunĂ€chst keinen Treffer.
Bewohner mĂŒssen Heim plötzlich verlassen
In Laatzen hatte die Heimaufsicht den Betrieb des Pflegeheims bis auf weiteres untersagt, nachdem am Mittwochmorgen lediglich drei PflegekrĂ€fte und einige Reinigungs- und KĂŒchenkrĂ€fte zum FrĂŒhdienst erschienen waren. Laut Regionsverwaltung habe die Gefahr bestanden, dass ab 16.00 Uhr kein Personal mehr im Haus sei. Die Heimbewohner seien daraufhin im Laufe des Tages auf 18 verschiedene Pflegeeinrichtungen verteilt worden. FĂŒr die weitere Unterbringung seien sie nun wieder selbst verantwortlich.
Laut Ambiente Care wurden 59 Bewohnerinnen und Bewohner verlegt. Das habe bis 21.30 Uhr gedauert. "Nach unserer EinschĂ€tzung wurde uns die Möglichkeit verwehrt, im Rahmen dieses Prozesses alle zur VerfĂŒgung stehenden Optionen zur Vermeidung von Verlegungen auszuschöpfen", teilte das Unternehmen mit. UnabhĂ€ngig von der Situation in Laatzen stehe das Ambiente Care im Austausch mit den Heimaufsichten seiner weiteren HĂ€user, um die Versorgung sicherzustellen.
Bereits in der Vorwoche habe die Heimaufsicht Hinweise erhalten, wonach das Februargehalt bisher nicht ausgezahlt worden sei und Lieferfirmen sich weigern wĂŒrden, Verbrauchsmaterialien zu liefern. Zwölf Bewohner seien zu dem Zeitpunkt bereits vorsorglich verlegt worden, hieĂ es. Der Betreiber habe eine Ăberweisung der GehĂ€lter bis Mittwochmorgen zugesagt. Ob die Frist eingehalten wurde, ist nicht bekannt.
Kritik von der Deutschen Stiftung Patientenschutz
FĂŒr Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund ist all dies ein Unding. Der Stiftungsvorstand sagte, er vermisse einen Aufschrei in Gesellschaft und Politik. Bei MĂ€ngeln und MissstĂ€nden in KrankenhĂ€usern werde Alarm geschlagen - im Falle von Pflegeeinrichtungen jedoch passiere nichts, betonte er.
"Dabei geht es fĂŒr die Menschen dort ja um ihre Wohnung, ihren Lebensraum", sagte Brysch der Deutschen Presse-Agentur. "Es wundert mich, dass alle Landesminister die Dinge so passieren lassen. Es gibt nicht einmal ein Monitoring." Dabei sei dies dringend notwendig.
Betrieb in Unna bis Ostermontag gesichert
Im nordrhein-westfĂ€lischen Unna bei Dortmund ist zumindest die Pflege am Ambiente-Standort bis Dienstagvormittag gesichert, wie die Heimaufsicht mitteilte. Es hĂ€tten sich genĂŒgend Mitarbeiter gefunden, die zur Arbeit kĂ€men. An dem Standort hĂ€tten Angestellte bisher nur einen Teil ihres Februargehaltes bekommen. In den vergangenen Tagen habe sich die Lage weiter zugespitzt, schilderte eine Sprecherin des Kreises. Angehörigen werde geraten, sich Alternativen zu suchen. Ein Teil der 42 Bewohner sei bereits ausgezogen, ĂŒber die Osterfeiertage sollen weitere folgen.
Am Standort in Velbert laufe der Betrieb. Die Heimaufsicht habe bislang nicht eingreifen mĂŒssen, sagte ein Sprecher des zustĂ€ndigen Kreises Mettmann.
Keine Probleme in Sachsen und Brandenburg
Die Seniorenresidenz von Ambiente Care in Neuenhagen in Brandenburg ist nach Angaben der Leiterin nicht betroffen von einer SchlieĂung. "Neuenhagen bleibt eine Pflegeeinrichtung", sagte die Einrichtungsleiterin Birgit Heinze. "Wir versuchen, unsere Pflegeeinrichtung aufrechtzuerhalten." In Sachsen sei der Heimaufsicht nichts ĂŒber geplante SchlieĂungen oder Probleme der beiden Einrichtungen in Dresden bekannt, hieĂ es auf Anfrage.
Der einzige bayerische Standort in Gröbenzell bei MĂŒnchen wurde zu Mittwoch geschlossen. Das zustĂ€ndige Landratsamt FĂŒrstenfeldbruck teilt dazu mit: "Der TrĂ€ger hat dem Landratsamt mitgeteilt, die Einrichtung zum 01.04.2026 zu schlieĂen. Gestern ist die letzte Bewohnerin aus dem Heim ausgezogen und der Betrieb somit faktisch eingestellt."
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