Zinsentscheidung, EZB

Ökonomen-Stimmen zur Zinsentscheidung der EZB

11.09.2025 - 16:12:45

In politisch unsicheren Zeiten lÀsst die EuropÀische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im Euroraum unverÀndert.

Der fĂŒr Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die EZB in Frankfurt mitteilt. Schon im Juli hatte die EZB die Leitzinsen nicht angetastet. EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde sprach von einem ausgewogeneren Wachstumsausblick. Ökonomen erwarten zunĂ€chst keine weiteren Leitzinssenkungen.

EinschĂ€tzungen von Ökonomen zu den geldpolitischen Entscheidungen im Überblick:

Jörg KrÀmer, Chefvolkswirt Commerzbank

"Auf der heutigen Pressekonferenz dĂ€mpfte EZB-PrĂ€sidentin Lagarde verbliebene Zinssenkungshoffnungen, etwa indem sie auf das ĂŒberraschend hohe Wirtschaftswachstum hinwies oder die unter 2 Prozent liegende langfristige Inflationsprognose herunterspielte. Alles in allem bleibt das Szenario eines unverĂ€nderten Einlagensatzes von 2,0 Prozent das wahrscheinlichere Szenario."

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank

"Der Zentralbankrat hat Offensichtliches festgestellt: Die Leitzinsen sind auf lĂ€ngere Zeit hin angemessen. Die Inflationsrate ist wieder auf 2 Prozent gesunken und bei den Verbrauchern kein Thema mehr. Die Geldmenge entwickelt sich moderat. Kredite sind zugĂ€nglich und nicht zu teuer fĂŒr Investitionen. Damit die EZB die Zinsen nochmal senkt, mĂŒsste schon ein Konjunktureinbruch oder ein gravierendes Ereignis her. Die Aufregungen um Staatsanleihen in Europa dagegen sind ein Thema der Finanzpolitik in Frankreich, kein Thema der Geldpolitik in Frankfurt."

Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust

"Die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus lag nahe und ist der derzeitigen Lage angemessen. Zum einen war die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Halbjahr klar aufwĂ€rtsgerichtet und zum anderen liegt die Inflation leicht ĂŒber dem Ziel der PreisniveaustabilitĂ€t. Das ließ eine Politik der ruhigen Hand erwarten. Der Sturz der französischen Regierung wĂ€re kein Anlass gewesen, die Zinsen zu senken, denn er lĂ€sst die Staatsverschuldung und die Preise in Frankreich schneller steigen als es bei einem Kompromiss in der Haushaltspolitik der Fall gewesen wĂ€re. Und das sollte die Geldpolitik nicht sanktionieren."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

"Weitere Zinssenkungen könnten (...) erst im Falle einer deutlichen wirtschaftlichen SchwĂ€che ausgehend von einer geringeren privaten Nachfrage auf der Agenda stehen. Dies lĂ€sst sich derzeit nicht ableiten. Wichtige KonjunkturfrĂŒhindikatoren sind auf einen moderaten Erholungskurs eingeschwenkt. Bleibt dies so, werden mittelfristig wieder Zinserhöhungen zu erwarten sein."

Eckhard Schulte, Vorstandsvorsitzender MainSky Asset Management

"Mit dem Hinweis auf nun ausgeglichenere Wachstumsrisiken und ein Ende des Disinflationsprozesses in der Eurozone hat PrĂ€sidentin Lagarde heute ganz klar signalisiert, dass die EuropĂ€ische Zentralbank mit dem derzeitigen Zinsniveau sehr zufrieden ist und bis auf Weiteres keinen Handlungsbedarf sieht. Der Markt hat die Nachricht verstanden und jetzt weitgehend alle weiteren Zinssenkungen ausgepreist. FĂŒr 2025 stimmen wir zu, aber im kommenden Jahr sollte bei den derzeit sehr schwachen monetĂ€ren Entwicklungen - insbesondere der schwachen Kreditnachfrage sowie Geldmengenentwicklung - noch etwas Luft fĂŒr weitere Zinssenkungen bestehen."

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