Techbranche und BDI fordern vor Gipfel mehr Reformtempo
17.11.2025 - 06:09:57Einen Tag vor dem Gipfeltreffen mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron dringen der deutsche Startup-Verband sowie Partnerorganisationen aus Frankreich, Italien, Polen, Tschechien und RumĂ€nien auf einheitliche Regeln in der EU und bessere Bedingungen fĂŒr mehr Wachstum.
"Europa muss lernen, seine besten Ideen gemeinsam groĂ zu machen - ĂŒber Grenzen hinweg", sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands. Das bedeute mehr Investitionen in europĂ€ische Technologien, faire Wettbewerbsbedingungen fĂŒr Start-ups sowie ein stĂ€rkerer europĂ€ischer Binnenmarkt, der Innovation beschleunigt.
Beim Digitalgipfel stehen am Dienstag Themen wie technologische UnabhĂ€ngigkeit, Digitalisierung und WettbewerbsfĂ€higkeit Europas im Mittelpunkt - auch angesichts der Konkurrenz amerikanischer Techkonzerne, die riesige Summen in KĂŒnstliche Intelligenz (KI) investieren. Bei dem Treffen geht es darum, wie Europa verhindern kann, dass etwa sensible Firmendaten in Clouds auĂereuropĂ€ischer Unternehmen abgespeichert werden mĂŒssen.
Industrie dringt auf Reformen
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dringt auf politische Reformen, damit europĂ€ische Unternehmen ihren RĂŒckstand aufholen können. Europa sei bei KĂŒnstlicher Intelligenz (KI), Mikroelektronik sowie bei Lösungen fĂŒr Cybersicherheit und die digitale Infrastruktur technologisch abhĂ€ngig, sagte BDI-PrĂ€sident Peter Leibinger der Deutschen Presse-Agentur. Die Botschaft, die von dem Treffen ausgehen mĂŒsse, laute: "Europa erkennt seine SchwĂ€chen und wird sie strategisch angehen."
Gleichzeitig mĂŒssten vorhandene StĂ€rken ausgebaut werden. Nur dann könne Europa technologisch souverĂ€n und wettbewerbsfĂ€hig werden. Es gehe nicht darum, sich abzuschotten, betonte Leibinger, sondern darum, selbstbestimmt zu handeln und die richtigen Partner zu wĂ€hlen.
Schneller und gröĂer
Um die Geschwindigkeit bei der Entwicklung neuer Technologien zu steigern und vielversprechende Start-ups in der Wachstumsphase in Europa zu halten, brauche es vor allem schnellere Genehmigungen und eine fundamentale Reduktion der "Ăberregulierung" rund um KI und Daten, fordert der BDI-PrĂ€sident. Die Industrie sei bereit zu investieren und entwickle innovative Technologien - "jetzt muss die Politik die Blockaden beseitigen".
Zentrale Themen des Gipfels zur EuropÀischen Digitalen SouverÀnitÀt sind DatensouverÀnitÀt, Cloud-Lösungen, KI und Innovation durch europÀische Start-ups. Zu den Teilnehmern zÀhlen neben Politikern aus zahlreichen EU-Staaten auch Vertreter aus Wirtschaft und Forschung.
"Europa kann gröĂte Innovationsmaschine der Welt sein"
Um globale Tech-Champions hervorzubringen, brauche Europa neue Regeln, die grenzĂŒberschreitende Fusionen und Investitionen erleichtern, schreiben die TechverbĂ€nde in einem Papier, das der dpa vorliegt. Ein gemeinsamer europĂ€ischer Kapitalmarkt sei zudem zentral, um Kapital fĂŒr Wachstum zu mobilisieren. Die herrschende Fragmentierung habe dazu gefĂŒhrt, "dass viele vielversprechende, aber isolierte Start-ups nebeneinander existieren".
"Flickenteppich statt Binnenmarkt"
Die digitale Autonomie der EU hĂ€nge auch von einem Rechtsrahmen ab, der Innovationen fördere. Derzeit bildeten 27 unterschiedliche Regelungen hohe Eintrittsbarrieren gerade fĂŒr kleine Unternehmen. Start-ups sollten durch eine einheitliche europĂ€ische Rechtsform leichter in allen EU-Staaten wachsen können. Zugleich dĂŒrften Errungenschaften wie die EU-Gesetze ĂŒber digitale Dienste (DSA) und digitale MĂ€rkte (DMA) nicht geschwĂ€cht werden.
"Europa hat das Potenzial, die gröĂte Innovationsmaschine der Welt zu sein - aber wir machen uns das Leben selbst schwer", sagt Pausder. "27 Gesellschaftsrechtsformen, 35 Börsen, 200 HandelsplĂ€tze - das ist kein Binnenmarkt, das ist ein Flickenteppich."
Die VerbĂ€nde fordern zudem, dass öffentliche Stellen bei Ausschreibungen kĂŒnftig europĂ€ische digitale Lösungen bevorzugen dĂŒrfen - von der Hardware bis zu Anwendungen.

