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Intesa Sanpaolo Aktie: MPS-Verwaltungsrat lehnt 30,6-Mrd.-Offerte ab

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 02:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Monte dei Paschi weist das 30,6-Milliarden-Euro-Angebot von Intesa Sanpaolo zurĂŒck und kritisiert die Konditionen als unzureichend.

Intesa-Übernahme gescheitert: MPS lehnt Milliardenofferte ab
Eine angespannte, atmosphĂ€rische Szene, die eine wichtige finanzielle Verhandlung im Bankensektor darstellt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Das Übernahmeangebot von Intesa Sanpaolo fĂŒr die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) im Volumen von 30,6 Milliarden Euro wurde vom Verwaltungsrat des Traditionshauses offiziell zurĂŒckgewiesen. Rund 39 Tage nach Vorlage der Offerte kritisierte das Gremium die Konditionen als unzureichend und verwies auf weitreichende strategische sowie regulatorische Risiken.

Verwaltungsrat lehnt Offerte als unzureichend ab

Der Kern der Ablehnung liegt in der Bewertung des Instituts. WĂ€hrend Intesa Sanpaolo einen Aufschlag von etwa 12,5 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage anbietet, fordern die Verantwortlichen von MPS eine PrĂ€mie, die sich am Marktstandard von ĂŒber 30 Prozent orientiert. Neben dem PreisĂ€ußerten die Aufseher Bedenken hinsichtlich der geplanten Zerschlagung des Filialnetzes. Das Vorhaben von Intesa sieht die VerĂ€ußerung von 635 GeschĂ€ftsstellen vor, um wettbewerbsrechtliche HĂŒrden zu nehmen.

Zudem verwies die FĂŒhrung von Monte dei Paschi auf Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem sogenannten „Danish Compromise“ und regulatorischen Fragen bezĂŒglich der Beteiligung an Generali. Der Verwaltungsrat befĂŒrchtet, dass die EigenstĂ€ndigkeit der Bank verloren gehen könnte, ohne dass die AktionĂ€re angemessen entschĂ€digt werden. UnterstĂŒtzung erhĂ€lt Intesa hingegen von Analystenkreisen, die das Synergiepotenzial einer Fusion der beiden Institute grundsĂ€tzlich positiv bewerten.

Politische Bedenken und regionale IdentitÀt

Parallel zum Widerstand aus der Konzernzentrale formiert sich regionaler Protest in der Toskana. Das Vorhaben von Intesa Sanpaolo, Monte dei Paschi zu integrieren, stĂ¶ĂŸt bei der Stadtverwaltung von Siena sowie bei WirtschaftsverbĂ€nden auf Ablehnung. Marco Busini, PrĂ€sident von Confindustria Siena, warnte davor, dass MPS als autonomes Kreditinstitut vollstĂ€ndig verschwinden könnte. Dies hĂ€tte laut Busini negative Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen in der Region, da ein wichtiger unabhĂ€ngiger Wettbewerber wegfallen wĂŒrde.

Um die Wogen zu glĂ€tten, ist fĂŒr den 24. Juli 2026 ein Treffen zwischen Vertretern von Intesa Sanpaolo und dem Verband Confindustria geplant. Auch der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti Ă€ußerte sich zur allgemeinen Lage im Bankensektor und signalisierte, dass die Regierung plane, ihren verbleibenden Anteil von 4,9 Prozent an MPS ĂŒber ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren zu verĂ€ußern. Dies unterstreicht das Bestreben des Staates, sich langfristig aus dem Aktionariat der Banken zurĂŒckzuziehen.

Alternativszenarien und Branchenkonsolidierung

WĂ€hrend die Verhandlungen mit Intesa stocken, rĂŒcken alternative FusionsplĂ€ne in den Fokus. Laut Medienberichten der Nachrichtenagentur Adnkronos arbeiten MPS-Chef Luigi Lovaglio und Mediobanca-PrĂ€sident Vittorio Grilli an einem Plan fĂŒr eine „Kaskadenfusion“. Dieses Szenario sieht einen Zusammenschluss von Monte dei Paschi mit der Banco BPM vor, in den indirekt auch die CrĂ©dit Agricole Italia eingebunden werden könnte. Solche GesprĂ€che zwischen den Spitzen der Institute sollen bereits seit Wochen laufen.

Die europĂ€ische Ebene liefert derweil den regulatorischen Rahmen fĂŒr diese Bewegungen. Die EU-Kommission plant fĂŒr das erste Quartal 2027 Maßnahmen, um politische Einmischungen bei Bankenfusionen zu begrenzen und den Kapitalfluss innerhalb der Union zu erleichtern. Dies könnte bis zu 230 Milliarden Euro an LiquiditĂ€t freisetzen. An der Börse reagierte die Aktie von Intesa Sanpaolo zuletzt mit leichten Abgaben und schloss den Handel am Freitag bei 6,28 €. Damit notiert der Wert rund 1,83 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 6,39 €, das erst am 16. Juli 2026 erreicht worden war. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 5,78 Prozent zulegen.

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