Berichte: Jerusalem soll weiter ins Westjordanland reichen
16.02.2026 - 12:35:02 | dpa.deKonkret sollen Hunderte neue Wohneinheiten in der NĂ€he einer 1967 von Israel eroberten und spĂ€ter annektierten Siedlung in Ost-Jerusalem gebaut werden, wie unter anderem die israelische Nachrichtenseite "ynet" berichtete. "Dies ist das erste Mal seit 1967, dass Jerusalem in das Westjordanland ausgeweitet wird", teilte die israelische Organisation Peace Now mit. Sie sprach von einer "de facto Annexion durch die HintertĂŒr".
Offiziell sieht der Plan israelischer Behörden laut den Berichten und Peace Now vor, dass ein GelĂ€nde bebaut wird, das sich in relativer NĂ€he zu einer israelischen Siedlung im Westjordanland namens Adam befindet. Das Bauvorhaben werde offiziell als Erweiterung dieser Siedlung dargestellt, obwohl es keine rĂ€umliche Verbindung mit dieser Ortschaft gebe. Gebaut werde in der Praxis in unmittelbarer NĂ€he der israelischen Siedlung Neve Jaakov, die - anders als Adam - zu Ost-Jerusalem gezĂ€hlt wird. Sie liegt auĂerhalb der grĂŒnen Linie, die zwischen dem israelischen Kernland und den im Sechstagekrieg von Israel eroberten Gebieten verlĂ€uft. In der Praxis bedeutet der Plan Peace Now zufolge "die Entstehung eines neuen Jerusalemer Stadtviertels".
US-Regierung lehnt Annexion des Westjordanlands ab
Weiter hieĂ es in einer Stellungnahme der Organisation, die sich fĂŒr eine Zweistaatenlösung zur Beilegung des Konflikts zwischen Israel und den PalĂ€stinensern einsetzt: "Da eine formale Ausdehnung der Jerusalemer Stadtgrenzen in das Westjordanland einer offiziellen Annexion gleichkĂ€me, wurde der Plan so konzipiert, dass er als "Viertel" der Siedlung Adam und offiziell nicht als Teil Jerusalems eingestuft wird."
In der Koalition von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu sind mehrere Hardliner, die eine Annexion des Westjordanlands fordern. Die US-Regierung lehnt dies jedoch ab. Kritiker sehen aber immer mehr Schritte in Richtung einer faktischen Annexion des PalÀstinensergebiets.
Geplant sind 2.700 Wohneinheiten
Laut der "Times of Israel" und Peace Now sollen insgesamt mehr als 2.700 Wohneinheiten gebaut werden. Die Nachrichtenseite "ynet" sowie Peace Now berichteten, dass dort Ultraorthodoxe untergebracht werden dĂŒrften. Das Bauvorhaben könnte demnach bereits innerhalb weniger Jahre umgesetzt werden. In der Gegend befinden sich auch zwei palĂ€stinensische Orte.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen PalĂ€stinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.
Israels rechtsreligiöse Regierung treibt den Siedlungsausbau stetig voran. Zuletzt hat sie laut Medienberichten auch israelischen Siedlern den Erwerb von Land im Westjordanland erleichtert. Scharfe Kritik daran kam unter anderem aus Deutschland.
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