ROUNDUP, Abgrund

Was geht noch ohne die USA?

20.11.2025 - 15:52:30 | dpa.de

JOHANNESBURG/BERLIN/SINGAPUR - Der G20-Gipfel im sĂŒdafrikanischen Johannesburg wird ohne den wirtschaftlich und militĂ€risch stĂ€rksten Mitgliedsstaat stattfinden.

(neu: BestÀtigung der Absage aus deutschen Regierungskreisen und weitere Details)

JOHANNESBURG/BERLIN/SINGAPUR (dpa-AFX) - Der G20-Gipfel im sĂŒdafrikanischen Johannesburg wird ohne den wirtschaftlich und militĂ€risch stĂ€rksten Mitgliedsstaat stattfinden. Die USA unter PrĂ€sident Donald Trump werden das Treffen der fĂŒhrenden Industrie- und SchwellenlĂ€nder am Samstag und Sonntag komplett boykottieren - ein Novum in der Geschichte der G20-Gipfel, die 2008 mit dem ersten Treffen in Washington begann.

Den Boykott hatte US-PrÀsident Trump schon vor Wochen angedroht. Jetzt wurde in deutschen Regierungskreisen bestÀtigt, dass am Tagungstisch in Johannesburg ein Stuhl fehlen wird. "Ich bedauere, dass die Amerikaner nicht dabei sind. Das ist eine Entscheidung, die die Amerikaner getroffen haben", sagte Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil bei einem Besuch in Singapur.

Neben Trump fehlen auch Xi und Putin

Mit dem chinesischen PrĂ€sidenten Xi Jinping und dem russischen Staatschef Wladimir Putin haben zwei weitere HochkarĂ€ter angekĂŒndigt, dem Treffen fernbleiben zu wollen. Sie schicken aber immerhin Vertreter. FĂŒr Xi kommt die Nummer zwei im Staat, MinisterprĂ€sident Li Qiang.

Putin stuft die russische PrĂ€senz noch deutlich weiter herunter und lĂ€sst sich vom stellvertretenden Leiter der PrĂ€sidialverwaltung, Maxim Oreschkin, vertreten. In den vergangenen Jahren war immerhin noch Außenminister Sergej Lawrow dabei.

Außerdem werden auch Argentinien, Saudi-Arabien und Mexiko nicht auf Chefebene vertreten sein. Von 19 Staats- und Regierungschefs, die Mitglied der G20 sind, werden also nur 13 kommen.

Trump hatte zunĂ€chst geplant, VizeprĂ€sident JD Vance zu schicken. Dann drohte er aber mit einem Total-Boykott des Gipfels. Der Grund sind die VorwĂŒrfe Trumps gegen die sĂŒdafrikanische Regierung, dass weiße Farmer verfolgt und getötet wĂŒrden sowie ihr Land beschlagnahmt werde. Ohne Belege zu nennen, schrieb er vor zwei Wochen auf der Plattform Truth Social: "Solange diese Menschenrechtsverletzungen andauern, wird kein Vertreter der US-Regierung teilnehmen." Trump bezeichnete es als Schande, dass der G20-Gipfel in SĂŒdafrika stattfindet.

Was wird aus den Themen Ukraine, Nahost, Zölle?

Die Frage ist, was bei dem Gipfel inhaltlich ĂŒberhaupt noch zu erreichen ist.

* Beispiel Ukraine-Krieg: Die USA gelten weiterhin als einziger wirklicher Vermittler in dem Konflikt. Ohne Trump, Putin und dessen wichtigstem VerbĂŒndeten Xi kommt man bei dem Thema nicht weiter.

* Beispiel Nahost: Der Friedensprozess basiert auf einem unter US-Vermittlung ausgehandelten Plan. Auch hier geht ohne die USA nichts.

* Beispiel Zölle: Bei den von den USA ausgelösten weltweiten Handelskonflikten ist die Suche nach Lösungen ohne den Verursacher kaum zielfĂŒhrend.

LĂ€ngste Dienstreise des Kanzlers Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) macht sich trotzdem auf den langen Weg nach SĂŒdafrika. Es wird seine bisher lĂ€ngste Dienstreise als Kanzler: Vier NĂ€chte, zwei davon im Flugzeug, und drei Tage wird er unterwegs sein. Nach dem G20-Gipfel macht er noch einen Abstecher nach Angola, wo der EU-Afrika-Gipfel stattfindet.

Er wolle die Reise ungeachtet der Absagen vor allem nutzen, um mit den afrikanischen Staaten einen "vertieften Dialog" zu fĂŒhren. "Die afrikanischen Staaten suchen nach Partnerschaften. Und deswegen werde ich, ganz unabhĂ€ngig davon, wie viele Absagen es gibt, in jedem Falle nach Johannesburg reisen."

Die Afrikaner sind es aber auch, die sich durch den wahrscheinlichen Boykott der USA besonders vor den Kopf gestoßen fĂŒhlen. Die Afrikanische Union (AU) war erst beim Gipfel 2023 in Neu-Delhi als G20-Mitglied aufgenommen worden. Damit ist die Gruppe, der davor schon 19 fĂŒhrende Industrie- und SchwellenlĂ€nder sowie die EuropĂ€ische Union angehörten, nun faktisch eine G21. Es ist auch das erste Mal, dass ein G20-Gipfel auf dem afrikanischen Kontinent ausgerichtet wird.

NĂ€chster Gipfel quasi bei Trump zu Hause

Die Abwesenheit der USA bedeutet auch, dass es keine G20-AbschlusserklĂ€rung geben wird. Die USA haben nach Angaben deutscher Diplomaten darauf bestanden, dass die Absage wie eine Ablehnung zu werten ist. Nun könnte es allenfalls noch eine gemeinsame ErklĂ€rung der Übriggebliebenen geben - und selbst das ist unklar.

Sicher ist dagegen, dass die USA nÀchstes Jahr wieder dabei sind. Dann ist Trump nÀmlich der Gastgeber. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Heimspiel aus seinem Vorsitz machen. Als Gipfelort hat er sich eines seiner Luxus-Golfressorts ausgesucht, das "Doral" bei Miami in Florida.

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