Gier, Doku

'Gier ist gut': Doku zeigt Windkraft-BetrĂŒger Holt

04.04.2026 - 09:50:32 | dpa.de

Jung, ehrgeizig - und unersĂ€ttlich: Er war noch nicht einmal Mitte 30, da wurde der aus dem emslĂ€ndischen HaselĂŒnne stammende Hendrik Holt vom Landgericht OsnabrĂŒck in mehreren Verfahren zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt.

BandenmĂ€ĂŸiger Betrug, Bestechung, UrkundenfĂ€lschung - da kam einiges zusammen.

Er verkaufte an auslĂ€ndische Stromkonzerne angeblich existierende Windparks, die es in Wahrheit gar nicht gab, er bestach auslĂ€ndische Diplomaten, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger immun zu machen. "Nur als Witz" schmĂŒckte er sich mit einem frei erfundenen Doktortitel. Rund zehn Millionen Euro haben er, ein MittĂ€ter und Familienangehörige mit der Firma Holt Holding ergaunert. Und Hendrik Holt war der Kopf des Ganzen.

Ermittler und Wegbegleiter

Nun nĂ€hert sich die Haft dem Ende, und die ARD zeigt ĂŒber den verurteilten Windkraft-BetrĂŒger den Dokumentarfilm "Holt - Der Windkraft-Schwindler" (8. April, 23.05 Uhr im Ersten; schon in der ARD-Mediathek).

In dem Film von Jan Peter, Sandra Naumann sowie den Produzenten Alexander Bickenbach und Manuel Bickenbach (SWR, HR und NDR) kommen Holt, Familienangehörige, frĂŒhere Mitarbeiter, Ermittler von Staatsanwaltschaft und Polizei sowie Journalisten zu Wort.

Holt gibt sich als jemand, der gerne im Mittelpunkt steht und es seit den Kindertagen gewohnt ist, zu bekommen, was er will. Er liebt - daran lĂ€sst er keinen Zweifel - den großen Auftritt: Nach wie vor trĂ€gt er gerne maßgeschneiderte AnzĂŒge mit Einstecktuch. Als er noch auf freiem Fuß war, hatte er einen Fuhrpark von 18 Luxuswagen in der Garage stehen, beschĂ€ftigte drei Fahrer und zeigte sich mit unĂŒbersehbarem Siegelring am Finger und einer teuren Luxusuhr am Handgelenk.

GeschÀftstÀtigkeit nur Fassade

Die Filmaufnahmen mit ihm entstanden in der JVA im brandenburgischen Heidering und auf FreigĂ€ngen. Er stellt sich als "Unternehmer und Abenteurer" dar, der in eine Situation gekommen sei, in der er sich entscheiden musste, ob er oder "die anderen" gewinnen. Er habe sich moralisch vielleicht falsch entschieden, "aber faktisch nicht falsch. Ich sehe mich ganz klar als Gewinner, ganz eindeutig". Dem Zuschauer dĂŒrfte sich indessen die Frage stellen, wo in dem Film der Unternehmer Holt zu sehen sein soll.

Bei Holts Firmen sei es nicht so gewesen, dass es im Zuge einer normalen GeschĂ€ftstĂ€tigkeit zu UnregelmĂ€ĂŸigkeiten gekommen sei, erklĂ€ren die zu Wort kommenden StaatsanwĂ€lte. "Es waren alles nur GesellschaftshĂŒllen zur Begehung von Straftaten", sagt Staatsanwalt Nils Leimbrock.

"Wille zur Macht"

Seine Kunden waren auslĂ€ndische Energiekonzerne, denen er mit gefĂ€lschten Dokumenten baureife ProjektflĂ€chen vorgaukelte. Seine Mutter und seine Geschwister halfen dabei, Unterschriften und Behördenschreiben zu fĂ€lschen. Hochbezahlten WirtschaftsprĂŒfern fiel offensichtlich vor der Vertragsunterzeichnung nicht auf, dass Holt keine Windparks, sondern nur heiße Luft verkaufte.

"Man muss den Willen zur absoluten Macht haben und auch den gewissen Killerinstinkt", sagt Holt in dem Film ĂŒber sich. Großes Vorbild war sein Großvater, der in HaselĂŒnne ein Bauunternehmen besaß. Andere Menschen habe dieser wie ein General beim MilitĂ€r herumkommandiert. Der Großvater habe ihm schon sehr frĂŒh vermittelt, dass er privilegiert sei. "Ich war immer der Juniorchef und von daher immer gewohnt, mit großer Höflichkeit und Achtung angesprochen zu werden."

Absturz nach Insolvenz der Familien-Firma

Als Hendrik Holt 12 Jahre alt war, starb der Großvater im Jahr 2003. Kurze Zeit spĂ€ter ging das Bauunternehmen in die Insolvenz, die Familie musste ihre HĂ€user verkaufen. Das weitere Leben in der Kleinstadt HaselĂŒnne empfand Holt seiner eigenen ErzĂ€hlung nach als nicht besonders schön. Es sei auch ihm als Kind angelastet worden, dass die VĂ€ter der MitschĂŒler ihre Arbeit bei Holt verloren hatten.

Die Schulzeit in der zehnten Klasse sei fĂŒr ihn "desillusionierend" gewesen, erzĂ€hlt er. Die eine HĂ€lfte seiner MitschĂŒler habe Lehrer werden wollen, die andere Angestellte. Er habe das als engstirnig und kleingeistig empfunden: "Ich wollte immer den Weg des Grandiosen gehen."

Großmutter bestĂŒrzt

Reflexionen darĂŒber, etwas Unrechtes getan zu haben, kommen Holt nicht ĂŒber die Lippen. Es ist seine Großmutter, Oma Margaretha, die den moralischen Kontrapunkt verkörpert. Sie zeigt sich bestĂŒrzt ĂŒber Hendriks Verhalten und fragt, was in der Erziehung ihres Enkels schiefgelaufen sei.

In der Familie sei viel gebetet worden, das hĂ€tten auch die Enkelkinder mitbekommen, erzĂ€hlt die streng katholisch erzogene Frau. "Was nicht Dein ist, das lass liegen", das sei ihr beigebracht worden. Hendrik sei als Kind ein lieber und netter Junge gewesen. "Aber man hĂ€tte ein bisschen strenger sein sollen." Die Erziehung ihres Enkels sei "antiautoritĂ€r" gewesen: "Er hörte fĂŒr keine zwei Pfennig."

FĂŒr Mitarbeiter ein Ende im Desaster

Dass er mit seinen kriminellen Machenschaften auch gutglĂ€ubige Mitarbeiter, die nichts von den BetrugsfĂ€llen ahnten, ins UnglĂŒck stĂŒrzte, kommt in der Gedankenwelt Holts ebenfalls nicht vor. Davon erzĂ€hlt aber sein damaliger PR-Berater Holger Keuper: Nach der Verhaftung Holts in einer Luxus-Suite des Berliner Hotels Adlon seien seine Konten gesperrt gewesen und er habe sein Haus verloren, das Holt gehörte. Seine Ehe und Familie seien darĂŒber zerbrochen.

"Ein Desaster", sagt Keuper. Er habe den Eindruck gehabt, dass alles fĂŒr Holt nur eine Art Spiel war und er sich ĂŒber die Auswirkungen auf andere keine Gedanken gemacht habe.

MĂ€chtigster Mann der Welt als Vorbild

Holt habe viele gute Eigenschaften, aber auch schlechte, sagt Staatsanwalt Leimbrock. Gier sei die allerschlechteste. Holt selbst sagt: "Gier ist gut." Man kann sich vorstellen, was seine fromme Oma Margaretha davon hĂ€lt, dass ihr Enkelkind einer der sieben TodsĂŒnden verfallen ist.

Am Ende des Films verkĂŒndet Hendrik Holt, fĂŒr ihn gebe es nur Freund oder Feind - und nennt ein Vorbild: "Wenn ein Donald Trump gezeigt hat, dass er amerikanischer PrĂ€sident werden kann, mit einer Vorstrafe, und zum mĂ€chtigsten Mann der Welt wird, dann kann ich alles werden. Dann ist alles möglich."

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