Keyless-Go-Diebstähle: ADAC-Test zeigt massive Sicherheitslücke
18.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deEine neue Welle von Autodiebstählen erschüttert Deutschland. Täter überlisten die Keyless-Go-Systeme moderner Fahrzeuge mit einfachen Signalverstärkern. Aktuelle Fälle in Bayern und Baden-Württemberg zeigen: Die Gefahr ist real und allgegenwärtig.
Aktuelle Serie: Audi und BMW im Visier der Diebe
In der Nacht auf den 13. März stahlen Unbekannte im Landkreis Neumarkt zwei Audi-Modelle – einen Q7 und einen S6. Die Polizei bestätigt: Die Diebe überwanden die Keyless-Systeme völlig gewaltfrei. Der Schaden liegt jeweils im mittleren fünfstelligen Bereich. Der gestohlene Q7 tauchte später nach einem Unfall in Bad Kötzting wieder auf – ein Indiz für geplante Überführungen ins Ausland.
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Bereits am 10. März wurde in Erbendorf ein grauer Audi gestohlen, ein Versuch in Kemnath scheiterte. In Baden-Württemberg entwendeten Täter am 5. März einen Audi A5 und einen BMW 525. Die Polizei Sachsen nahm kurz darauf einen 24-jährigen Tatverdächtigen auf der A4 bei Görlitz fest. Er fuhr den gestohlenen BMW in Richtung Polen.
ADAC-Test: 85 Prozent der Autos sind unsicher
Warum sind diese Diebstähle so einfach? Ein aktueller ADAC-Bericht liefert die alarmierende Antwort. Der Club testete seit 2016 insgesamt 816 Fahrzeuge mit Keyless-Systemen. Das Ergebnis: Rund 85 Prozent – 693 Modelle – ließen sich mit einfachen Funkverlängerern öffnen und stehlen.
Die Technik der Täter ist simpel. Ein Team arbeitet zusammen: Ein Dieb fängt mit einem Empfänger das Signal des Schlüssels nahe der Haustür ab. Ein Komplize überträgt es per Sender direkt zum Fahrzeug. Das Auto denkt, der Schlüssel sei in der Nähe, und entriegelt. Der Motor startet per Knopfdruck – das Fahrzeug ist in Sekunden weg.
UWB-Technologie könnte Schlüsselproblem lösen
Viele Hersteller rüsten nur zögerlich nach. Laut ADAC schützt derzeit vor allem eine Technologie zuverlässig: Ultra-Wide-Band (UWB). Diese Chips im Schließsystem messen die genaue Laufzeit der Funksignale. Künstlich verlängerte Signale der Diebe erkennt das System sofort – die Türen bleiben zu.
Eine andere Methode sind Bewegungssensoren im SchlĂĽssel. Liegt dieser still, schaltet sich das Signal nach einiger Zeit ab. Der ADAC fand solche Sensoren in 112 getesteten Modellen. Experten halten diesen Schutz jedoch fĂĽr lĂĽckenhaft. In den Minuten vor der Abschaltung ist das Auto weiter angreifbar.
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So schĂĽtzen Sie sich vor Relay-Angriffen
Die Polizei gibt klare Handlungsempfehlungen. Bewahren Sie Keyless-Schlüssel niemals in der Nähe von Außentüren oder Fenstern auf. Je tiefer im Hausinneren, desto besser.
Spezielle Schutzhüllen oder metallische Schlüsselboxen können als Faraday'scher Käfig fungieren und die Funkwellen blockieren. Testen Sie die Wirksamkeit aber unbedingt selbst: Versuchen Sie, das Auto mit dem abgeschirmten Schlüssel zu öffnen. Bleibt es verschlossen, wirkt der Schutz.
Bei vielen Modellen lässt sich die Keyless-Funktion auch deaktivieren – per Doppelklick auf die Verriegelungstaste oder über den Bordcomputer. Im Zweifel hilft eine Fachwerkstatt. Der wirksamste Schutz bleibt eine verschlossene Garage.
Druck auf die Automobilindustrie wächst
Die anhaltenden Diebstähle setzen die Hersteller unter Druck. Die Forderung nach flächendeckender UWB-Technologie wird lauter. Bislang ist diese sichere Variante oft nur Oberklasse- oder neuen Elektromodellen vorbehalten.
Ein Hoffnungsschimmer sind digitale Autoschlüssel im Smartphone. Diese nutzen meist standardmäßig die sicherere UWB-Technik. Experten sehen hier eine Chance, die Diebstahlzahlen zu senken – vorausgesetzt, die Cybersicherheit hält Schritt. Bis dahin bleiben Abschirmhüllen und wachsame Schlüsselaufbewahrung die beste Verteidigung.
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