Regeln, Krankenhaus-Entlassungen

KI und neue Regeln revolutionieren Krankenhaus-Entlassungen

10.01.2026 - 21:00:12

Die ersten Tage des Jahres 2026 markieren eine Zeitenwende für die Krankenhauslogistik. Eine Kombination aus strengeren Regeln und bahnbrechender Künstlicher Intelligenz soll den größten Flaschenhals der Patientenversorgung beseitigen: die chaotische und langsame Entlassung von Patienten. Von den USA bis Deutschland treiben neue Gesetze und digitale Werkzeuge die Transformation voran.

Die größte Aufmerksamkeit erregte die Ankündigung von OpenAI am 8. Januar. Der KI-Pionier stellte eine spezielle Version für das Gesundheitswesen vor. Ihr Herzstück: Vorlagen, die Entlassungszusammenfassungen und Patienten-Anweisungen automatisch generieren. Diese Dokumente kosten Ärzte und Pflegekräfte bisher Stunden wertvoller Zeit und verzögern oft die eigentliche Entlassung.

Erste Nutzer wie das Boston Children’s Hospital berichten, dass die KI in Sekunden einen vollständigen Bericht erstellen kann – inklusive Medikamentenliste und Folgeempfehlungen. Die finale Kontrolle bleibt beim medizinischen Personal. Parallel startete das britische Gesundheitssystem NHS am 9. Januar ein eigenes Pilotprojekt mit „KI-assistierten Entlassungsbriefen“. Das Ziel ist klar: Betten in Notaufnahmen schneller freizubekommen.

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USA zwingen Versicherungen zu schnellen Entscheidungen

Während die KI das interne Tempo erhöht, setzen neue Regeln die Krankenkassen unter Druck. In den USA trat am 1. Januar eine wichtige Regel der Behörde CMS in Kraft. Sie betrifft die Genehmigung von Folgebehandlungen, etwa in Reha-Kliniken.

Die neue Vorschrift ist eindeutig: Versicherer müssen über beschleunigte Anträge innerhalb von 72 Stunden entscheiden. Für Standardanträge gilt eine Frist von sieben Tagen. Bislang konnten sich solche Prozesse über Wochen hinziehen – während der Patient ein dringend benötigtes Krankenhausbett blockierte. Die Regel soll Transparenz schaffen und die durchschnittliche Verweildauer deutlich senken.

Deutschland setzt auf Milliarden-Fonds und digitale Identität

Auch hierzulande bewegt sich viel. Seit dem 1. Januar können Kliniken Gelder aus dem Krankenhaus-Transformationsfonds abrufen. Bis 2035 stehen bis zu 50 Milliarden Euro bereit, um Strukturen zu modernisieren – auch digitale Entlassungsprozesse sind förderfähig.

Diese Finanzspritze kommt zur rechten Zeit. Parallel wird die physische Gesundheitskarte (eGK) schrittweise durch die digitale „Health ID“ ersetzt. Sie soll die Patientenidentifikation und den Datentransfer bei der Entlassung erheblich vereinfachen. Zudem gewinnt die elektronische Patientenakte (ePA) an Bedeutung. Seit 2025 gilt sie als Opt-out-Lösung. Nun werden neue „Servicegruppen“ für Kliniken mit digitalen Qualitätskriterien verknüpft. Das erhöht den Druck, kompatible Systeme einzuführen, die Entlassungsdaten direkt in die ePA speisen.

Eine globale Lösung für ein milliardenschweres Problem

Die zeitliche Gleichschaltung dieser Entwicklungen ist kein Zufall. Sie zeigt eine globale Erkenntnis: Die Entlassung ist kein bürokratisches Anhängsel, sondern eine Schlüsselstelle für die Effizienz des gesamten Systems. Das sogenannte „Bed Blocking“ – das Blockieren von Betten durch entlassungsfähige Patienten – kostet Gesundheitssysteme weltweit Milliarden und führt zu überfüllten Notaufnahmen.

Experten sehen in den neuen Tools einen doppelten Angriff auf das Problem: Die CMS-Regel bekämpft die externe Reibung durch langsame Versicherungen, während die KI-Tools die interne Reibung durch aufwändige Dokumentation beseitigt.

Doch der KI-Einsatz wirft auch Fragen auf. Wie sicher sind automatisch generierte medizinische Zusammenfassungen? Beide Projekte von OpenAI und dem NHS betonen daher das „Human-in-the-Loop“-Prinzip: Die KI unterstützt, aber der Arzt trägt die finale Verantwortung und muss jeden Bericht freigeben.

Was kommt als Nächstes?

Das erste Quartal 2026 wird weitere Schritte bringen. Der Markt erwartet eine Welle von Partnerschaften zwischen Anbietern von Krankenhaussoftware (EHR) und KI-Firmen. In den USA wird sich zeigen, welche Versicherer die neuen 72-Stunden-Fristen einhalten können.

In Europa liegt der Fokus auf der praktischen Umsetzung: Wie effektiv fließen die Gelder aus dem deutschen Transformationsfonds? Kann das NHS-Pilotprojekt die Wartezeiten in den Notaufnahmen spürbar reduzieren? Sollte das gelingen, könnte es zum Vorbild für andere Länder werden. Eins zeichnet sich bereits ab: 2026 wird das Jahr, in dem der „digitale Ausgang“ aus der Klinik genauso wichtig wird wie die digitale Aufnahme.

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