Klagen von FluggÀsten belasten Gerichte zunehmend
15.03.2026 - 07:24:33 | dpa.deBei den 19 Gerichten an Standorten mit gröĂeren FlughĂ€fen in Deutschland gab es im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Richterbundes mehr als 121.000 EntschĂ€digungsfĂ€lle von Reisenden. Das waren 44 Prozent (rund 37.000 Klagen) mehr als fĂŒnf Jahre zuvor, wie es hieĂ.
Die Verfahren von FluggĂ€sten machen nach den Angaben an vielen Gerichten inzwischen deutlich mehr als die HĂ€lfte aller ZivilfĂ€lle (etwa 60 Prozent) aus. Bei dem fĂŒr den Hauptstadtflughafen BER zustĂ€ndigen Amtsgericht Königs Wusterhausen liegt deren Anteil sogar bei 93 Prozent. Die steigenden Zahlen stellten das Gericht "dauerhaft vor erhebliche Herausforderungen", teilte ein Sprecher mit.
Deutliche Zunahme in Brandenburg und Frankfurt
19.239 EntschÀdigungsklagen von Reisenden landeten laut Richterbund 2025 bei dem Gericht in Brandenburg - rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Im bundesweiten Vergleich landete das Gericht damit auf Platz drei. An der Spitze lag das Amtsgericht Köln 2025 mit 22.491 FÀllen (2024: knapp 41.300 Klagen), gefolgt vom Amtsgericht Frankfurt mit 19.374 Klagen (2024: rund 16.000 FÀlle).
Trotz RĂŒckgangs Köln an der Spitze
WĂ€hrend es in der hessischen Metropole im Vergleich zum Vorjahr etwa 21 Prozent mehr FĂ€lle gab, ging die Anzahl in Köln fast um die HĂ€lfte zurĂŒck. Der deutliche RĂŒckgang dĂŒrfte aus Sicht des Richterbundes darauf zurĂŒckzufĂŒhren sein, dass die Lufthansa DE0008232125 verstĂ€rkt auĂergerichtliche Einigungen anstrebt. Zudem hat die Airline fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025 von einem wesentlich pĂŒnktlicheren Betrieb berichtet, bei dem in der Folge weniger EntschĂ€digungsfĂ€lle entstanden seien. Europas gröĂter Luftverkehrskonzern hat in der Domstadt mit dem Flughafen Köln-Bonn seinen juristischen Firmensitz.
Vor allem der starke RĂŒckgang beim Amtsgericht Köln hat nach EinschĂ€tzung des Richterbundes dazu gefĂŒhrt, dass es im Jahr 2025 bundesweit fast 10.000 weniger Klagen von Passagieren gab (2024: etwa 131.000 FĂ€lle)
FluggĂ€ste haben nach Justizangaben die Wahl, ob sie am Sitz der Gesellschaft oder am Abflugort vor Gericht ziehen. Zunehmend nutzen Menschen Portale, um ihre AnsprĂŒche schnell und einfach durchsetzen können.
Nicht genug KI-UnterstĂŒtzung
Die Justiz ist aus Sicht des Richterbundes dafĂŒr nicht ausreichend gewappnet. "KI-gestĂŒtzte Richterassistenzsysteme, die eine schnellere Bearbeitung dieser gleichförmigen MassenfĂ€lle ermöglichen, befinden sich weiterhin in der Testphase", sagte BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Rebehn der Deutschen Presse-Agentur. Es fehle eine fertige Standardsoftware, die FĂ€lle in Sekundenschnelle erfasse, mit Urteilen vergleiche, AnsprĂŒche herausfiltere und EntscheidungsvorschlĂ€ge mache. "Diese KI-Assistenz wĂŒrde Verfahren vereinfachen und die Gerichte spĂŒrbar entlasten", so Rebehn.
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