Aktivisten legen Flughafen lahm - hÀrtere Strafen gefordert
24.07.2024 - 15:31:07 | dpa.de(neu: Reaktion NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Krischer)
KĂLN (dpa-AFX) - Nach einer dreistĂŒndigen Blockade des Flughafens Köln/Bonn durch Klimaaktivisten mitten in den Sommerferien sind Forderungen nach hĂ€rteren Strafen laut geworden. "Wer gewaltsam auf FlughĂ€fen eindringt, Rollfelder besetzt und Maschinen blockiert, gefĂ€hrdet Menschenleben", sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Bundestag mĂŒsse nun schnellstens die geplante VerschĂ€rfung des Luftsicherheitsgesetzes beschlieĂen. "Mit der EinfĂŒhrung von Freiheitsstrafen von bis zu 5 Jahren Haft fĂŒr das Eindringen auf FlughĂ€fen geben wir den Richtern ein Instrumentarium an die Hand, um angemessen zu urteilen", so Wissing.
31 FlĂŒge fielen aus, viele andere verspĂ€tet
Klimaaktivisten hatten am Morgen etwa drei Stunden lang den Flugverkehr auf dem Flughafen Köln/Bonn lahmgelegt. Infolgedessen fielen nach Angaben eines Flughafensprechers 31 FlĂŒge aus, davon 15 Starts und 16 Landungen. Sechs FlĂŒge mussten umgeleitet werden. Zudem sei es zu einer nicht genau bekannten Zahl von VerspĂ€tungen gekommen. Erst nachdem die Polizei alle fĂŒnf Aktivisten von dem Rollweg gelöst hatte, auf dem sie sich festgeklebt hatten, konnte der Flugverkehr gegen 9.00 Uhr wieder freigegeben werden.
Es sei Strafanzeige wegen VerstoĂes gegen das Versammlungsgesetz, gefĂ€hrlichen Eingriffs in den Luftverkehr und Hausfriedensbruchs aufgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Ermittelt werden mĂŒsse, wie die Aktivisten konkret auf das GelĂ€nde gekommen seien.
Internationale Protestkampagne gegen fossile Energien
Die Gruppe Letzte Generation teilte mit, dass mehrere Aktivisten einen Zaun durchtrennt und sich in der NĂ€he von Start- und Landebahnen auf dem Asphalt festgeklebt hatten. Ăber das Netzwerk X teilte die Gruppe mit, die Aktion sei Teil einer internationalen Protestkampagne, die einen Ausstieg aus fossilen EnergietrĂ€gern bis 2030 fordert. Der Protest solle gleichzeitig an FlughĂ€fen in mehr als zehn LĂ€ndern stattfinden, hieĂ es.
Der Flughafenverband ADV kritisierte die Aktion als "kriminell". "Jede dieser Aktionen verursacht Flugannullierungen und VerspĂ€tungen- und das wĂ€hrend der Sommerferien", teilte ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerRalph Beisel mit. "Der heutige Vorfall zeigt, dass der Kabinettsbeschluss von letzter Woche schnellstmöglich umgesetzt werden muss. Es braucht ernste strafrechtliche Konsequenzen fĂŒr dieses Handeln."
Bundesregierung hat Gesetz auf den Weg gebracht
Die Bundesregierung will mit einer VerschĂ€rfung des Luftsicherheitsgesetzes radikale KlimaschĂŒtzer und andere Störer von gefĂ€hrlichen Aktionen auf FlughĂ€fen abhalten. Kern der geplanten Reform, ĂŒber die dann noch der Bundestag entscheiden muss, ist die Schaffung einer neuen Vorschrift, die das "vorsĂ€tzliche, unberechtigte Eindringen" unter anderem auf das Rollfeld sowie die Start- und Landebahnen unter Strafe stellt - und zwar dann, wenn dadurch die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs beeintrĂ€chtigt wird.
"Zu lange Klebstoff geschnĂŒffelt"
NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne) sagte der "Rheinischen Post", er begrĂŒĂe, dass die Bundesregierung den Gesetzentwurf eingebracht habe: "Ich hoffe, das schreckt vor solchen gefĂ€hrlichen Eingriffen in den Luftverkehr ab." NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der "Rheinischen Post", unter der Aktion am Mittwochmorgen hĂ€tten viele Tausende Urlauber zu leiden gehabt: "Das Ă€rgert nicht nur, sondern erweist dem Klimaschutz einen BĂ€rendienst." Sahra Wagenknecht schrieb auf "X": "Wer meint, man mĂŒsse Kindern und Familien den Abflug in die #Sommerferien versauen und wir könnten bis 2030 aus fossiler Energie aussteigen, hat nicht nur Klebstoff an den HĂ€nden, sondern vor allem zu lange daran geschnĂŒffelt."
