Nato-Manöver und Trump: 'Auf Arbeitsebene merkt man nichts'
29.01.2026 - 15:29:25Die AtmosphÀre im Truppentransporter A400M liege ihm, erzÀhlt er auf dem Flug.
Gerhartz kommandiert aktuell das gröĂte Nato-Manöver des Jahres. Im MilitĂ€rhafen Rota besucht der frĂŒhere Luftwaffenchef eine TeilĂŒbung davon. Das Thema US-PrĂ€sident Donald Trump reist mit.
"Abschreckung potenzieller Aggressoren"
Bei dem Manöver geht es darum, der Ăffentlichkeit und damit auch potenziellen Angreifern von Nato-Gebiet zu zeigen, dass das BĂŒndnis innerhalb Europas schnell Truppen zusammenziehen und von SĂŒden und Westen nach Norden und Osten verlegen kann. Gedacht ist das Ganze als "FĂ€higkeitsdemonstration zur Abschreckung potenzieller Aggressoren", wie es bei der Bundeswehr genannt wird. "Steadfast Dart 26" (in etwa: standfester Pfeil) heiĂt die GroĂĂŒbung, die drauĂen auf dem Meer stattfindet, aber auch fĂŒr viele BĂŒrger sichtbar werden könnte.
Verlegung und Logistik
Tausende Soldatinnen und Soldaten, Material und MilitĂ€rfahrzeuge aus verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern werden nach Deutschland verlegt: Kriegs- und Frachtschiffe kommen in deutschen HĂ€fen an, entladen MilitĂ€rfahrzeuge, Tankwagen, Jeeps und Material. Konvois rollen aus Italien oder Tschechien nach Deutschland. Truppen werden aus der TĂŒrkei und Griechenland eingeflogen. Mehr als 1.500 MilitĂ€rfahrzeuge, darunter Kampfpanzer und Raketenwerfer und mehr als 20 Flugzeuge und Kampfjets kommen laut Nato zum Einsatz.
"Speerspitze der Nato" im Einsatz
Bestritten wird das GroĂmanöver von der sogenannten Allied Reaction Force (ARF) der Nato, einer schnellen rund 40.000 Soldaten starken Eingreiftruppe, die stĂ€ndig in Bereitschaft ist - die "Speerspitze der Nato" (Bundeswehr). Elf Nato-LĂ€nder nehmen bis MĂ€rz an der Ăbung teil, mit rund 10.000 Soldaten.
In Rota sammeln sich zunĂ€chst sechs Schiffe aus Spanien und der TĂŒrkei, von dort geht es in den kommenden Tagen Richtung Kiel. Weitere Schiffe aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Polen stoĂen spĂ€ter hinzu. Unterwegs wird auch die Sicherung des Konvois durch LuftunterstĂŒtzung geĂŒbt, denn im Konfliktfall wĂŒrde ein Gegner höchstwahrscheinlich versuchen, solche Truppenverlegungen zu stören.
Deutschland liegt in der Mitte
Bei dem Manöver geht es insbesondere um die Rolle Deutschlands als sogenannter Drehscheibe. Warum Drehscheibe? Im Konfliktfall mit Russland etwa im Baltikum wĂ€re Deutschland aufgrund seiner geografischen Lage Basis und Transitland. Mit sehr kurzer Vorlaufzeit mĂŒssten gegebenenfalls bis zu 800.000 Soldaten, Material und Waffensysteme aus verschiedenen Nato-Staaten ĂŒber Deutschland nach Osten verlegt werden. Der Transport ĂŒber StraĂen, BrĂŒcken, Schienen, Verpflegung, Treibstoff, medizinische Versorgung, technische UnterstĂŒtzung mĂŒssen sichergestellt sein. De facto fĂŒhrten alle Nachschubwege ĂŒber Deutschland, hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, gesagt.
Das laufende Nato-Manöver besteht aus einer Verlegungs- und einer Ăbungsphase. Ein zentraler Schauplatz soll im Februar der niedersĂ€chsische TruppenĂŒbungsplatz in Bergen in der LĂŒneburger Heide werden - einer der gröĂten TruppenĂŒbungsplĂ€tze in Europa. Aber auch an anderen Orten wird geĂŒbt, etwa an der OstseekĂŒste in Schleswig-Holstein. Am TruppenĂŒbungsplatz Putlos etwa will das MilitĂ€r eine amphibische Landung demonstrieren.
Ăbung ohne USA
Die USA sind bei der Ăbung nicht dabei. Das hat nach Angaben der Nato keinen politischen, sondern einen anderen Hintergrund: Die beteiligten Nationen in der ARF wechseln immer wieder durch. Anwesend sind die USA trotzdem - als GesprĂ€chsthema.
Kann man sich auf das Land, dessen PrĂ€sident die Nato-Partner immer wieder vor den Kopf stöĂt, noch verlassen? Gibt es noch normale Zusammenarbeit unter Trump? Ja, wird einhellig betont. "Auf der Arbeitsebene spĂŒrt man nichts", sagt Gerhartz, der zu den ranghöchsten GenerĂ€len der Nato gehört beim Besuch auf dem spanischen Flagschiff "Castilla". Die Arbeit mit seinen amerikanischen Kollegen auf der Nato-FĂŒhrungsebene lĂ€uft demnach reibungslos. "Das sind meine Freunde", sagt er. Die USA wĂŒrden in der Nato bleiben, da gebe es auf seiner Ebene - er habe tĂ€glich mit den Amerikanern zu tun - keine Zweifel.
"FĂŒr die Politik sind andere zustĂ€ndig"
In der tĂ€glichen Zusammenarbeit habe sich nichts geĂ€ndert, sagt auch Juan Bautista PĂ©rez Puig, Chef der spanischen Marine auf der "Castilla" am Rande einer VorfĂŒhrung zur Verladung von MilitĂ€rfahrzeugen. Die einfachen Soldaten auf dem Schiff, die bald Richtung Deutschland in See stechen, beschĂ€ftigt das Thema Trump nach eigener Aussage weniger. "Wir tun unseren Dienst, fĂŒr die Politik sind andere zustĂ€ndig", sagt ein Matrose. Andere Ă€uĂern sich Ă€hnlich.

