Krankenstand, Deutschland

Krankenstand: Deutschland streitet über Rekord-Fehlzeiten

13.03.2026 - 00:00:15 | boerse-global.de

Deutschlands Krankenstand verharrt auf historischem Höchststand mit hohen Kosten. Wirtschaftsverbände kritisieren das großzügige Entgeltfortzahlungs-System als Fehlanreiz und fordern Änderungen.

Krankenstand: Deutschland streitet über Rekord-Fehlzeiten - Foto: über boerse-global.de
Krankenstand: Deutschland streitet über Rekord-Fehlzeiten - Foto: über boerse-global.de

Deutschlands Krankenstand bleibt auf Rekordniveau. Wirtschaftsverbände machen das großzügige Lohnfortzahlungs-System dafür verantwortlich und fordern Reformen.

Aktuelle Gesundheitsreporte bestätigen: Im Jahr 2025 verharrte der durchschnittliche Krankenstand bei 5,4 bis 5,7 Prozent. Das sind rund 19,5 Fehltage pro Arbeitnehmer – ein historischer Höchstwert. Hauptgründe sind Atemwegsinfekte und Rückenleiden, während psychische Erkrankungen wie Burnout weiter zunehmen.

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Wirtschaft schlägt Alarm über Milliarden-Kosten

Die wirtschaftlichen Folgen sind massiv. Allein die direkten Kosten für die Lohnfortzahlung lagen zuletzt bei 82 Milliarden Euro jährlich. Eine Studie des Verbands forschender Arzneimittelhersteller beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden sogar auf bis zu 160 Milliarden Euro.

„Diese Belastung bremst die wirtschaftliche Erholung aus“, warnen Ökonomen und Arbeitgebervertreter. Sie fordern eine grundlegende Debatte über die Ursachen.

Ist das deutsche System zu großzügig?

Im Fokus der Kritik steht das deutsche Modell der Entgeltfortzahlung. Es gilt im internationalen Vergleich als außergewöhnlich kulant: Angestellte erhalten vom ersten Krankheitstag an sechs Wochen lang 100 Prozent ihres Gehalts – und das für jeden neuen Krankheitsfall im Jahr.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sieht hier einen zentralen Fehlanreiz. „Internationale Erfahrungen zeigen einen klaren Zusammenhang: Je besser die finanzielle Absicherung, desto höher die Fehlzeiten“, so Dulger. Seine Forderung: Die volle Lohnfortzahlung sollte auf sechs Wochen pro Jahr begrenzt werden, nicht pro Erkrankung.

Machen Krankschreibungen per Telefon alles schlimmer?

Seit der Corona-Pandemie können sich Arbeitnehmer in vielen Fällen telefonisch krankschreiben lassen. Für Wirtschaftsvertreter ist diese Regelung ein Einfallstor für Missbrauch. Sie fordern die Abschaffung zugunsten verbindlicher Videosprechstunden.

Datenanalysen relativieren diesen Vorwurf jedoch. Forscher fanden keine eindeutigen Belege, dass die telefonische Krankschreibung den Hauptanstieg der Fehlzeiten erklärt. Die Möglichkeit bestand schon vor dem großen Krankenstandssprung 2022.

Die Gefahr: Kranke schleppen sich zur Arbeit

Gewerkschaften wehren sich vehement gegen radikale Kürzungen. Sie warnen vor den Folgen von unbezahlten Karenztagen. „Das würde den Präsentismus massiv erhöhen“, sagt ein DGB-Vertreter. Gemeint ist das Phänomen, dass sich Beschäftigte krank zur Arbeit schleppen – aus Angst vor Einkommensverlust.

Das wäre ein Bumerang: Präsentismus gefährdet die Gesundheit der Betroffenen langfristig, steigert das Ansteckungsrisiko im Betrieb und verursacht am Ende noch höhere Kosten.

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Neue Modelle: Teilzeit krankgeschrieben?

Welche Lösungen gibt es? Ein vielversprechender Ansatz kommt aus Skandinavien: die Teilzeit-Krankschreibung. Dieses flexible Modell erlaubt es, bei leichteren Beschwerden stundenweise zu arbeiten, statt komplett auszufallen. Es fordert die schrittweise Wiedereingliederung.

Gesundheitsexperten sehen die Unternehmen zusätzlich in der Pflicht. Angesichts steigender psychischer Belastungen fordern sie mehr Investitionen in Prävention: in ergonomische Arbeitsplätze, stressreduzierende Abläufe und eine wertschätzende Kultur.

Reform oder Bewahrung des Status quo?

Die Politik steht vor einem Dilemma. Der Kostendruck auf die Wirtschaft wächst, doch der lückenlose Kündigungsschutz im Krankheitsfall ist eine zentrale soziale Errungenschaft. Jede Beschneidung droht, heftige gesellschaftliche Konflikte auszulösen.

Die Debatte ist eröffnet. Sie wird die Agenda von Personalabteilungen und Politik noch lange dominieren.

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