Börse Frankfurt-News: Flut an Neuemissionen (Anleihen)
12.01.2024 - 14:18:25Im groĂen Stil kamen zudem neue Anleihen auf den Markt - von Staaten und von Unternehmen.
12. Januar 2024. 2024 - das Jahr der Zinssenkungen. Davon ist der Markt weiterhin ĂŒberzeugt. Dass die Inflation in den USA im Dezember stĂ€rker als erwartet gestiegen ist, hat daran kaum etwas geĂ€ndert. Die Jahresrate legte von 3,1 Prozent im November auf 3,4 Prozent im Dezember zu, wie gestern bekannt wurde. Prognostiziert worden waren 3,2 Prozent.
"Obwohl die Daten keine offensichtliche UnterstĂŒtzung fĂŒr eine vorgezogene Zinssenkung durch die US-Notenbank boten, hielt sich die Reaktion der MĂ€rkte in Grenzen", beschreibt die Deutsche Bank die Lage. "Nicht einmal der Anstieg der Kernverbraucherpreise auf ĂŒber 3,6 Prozent fĂŒhrte zu einer nennenswerten Korrektur", konstatiert Ulrich Wortberg von der Helaba. Letztlich werde weiterhin damit gerechnet, dass die Leitzinsen in den USA in diesem Jahr um 125 Basispunkte fallen werden.
Lagarde zur Inflation: "Der schwierigste Teil hinter uns"
FĂŒr die Eurozone wird der Commerzbank zufolge dieses Jahr mit Zinssenkungen von rund 140 Basispunkten gerechnet. Die Bank hĂ€lt das aber fĂŒr "ambitioniert". "Auch EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel scheint diese Meinung zu teilen, da sie jĂŒngst darauf hinwies, dass es zu frĂŒh sein, ĂŒber Zinssenkungen nachzudenken", erklĂ€rt Anleiheanalyst Hauke SiemĂen.
EZB-PrÀsidentin Christine Lagarde machte am gestrigen Donnerstag ebenfalls klar, dass es erst bei einer Inflation von 2 Prozent zu Leitzinssenkungen kommen wird. Allerdings liegt ihrer EinschÀtzung nach der "schwierigste Teil hinter uns". Die Renditen zeigen sich im Wochenvergleich kaum verÀndert: ZehnjÀhrige Bundesanleihen rentieren am Freitagmittag mit 2,18 Prozent, vor einer Woche waren es 2,17 Prozent.
GegenĂŒber Anfang des Jahres und dem Tief vom Dezember ergibt sich aber immer noch ein klarer Anstieg. "Der Renditeanstieg seit Ende Dezember ist beachtlich. Das heiĂt: Der Start in das Anleihejahr 2024 ist schwach ausgefallen", erklĂ€rt Tim Oechsner von der Steubing AG.
Es lĂ€uft fĂŒr Katjes und Mutares
Der Handel mit Unternehmensanleihen lĂ€uft ohne groĂe AuffĂ€lligkeiten. "Die UmsĂ€tze sind gut, wie meist im Januar", bemerkt Rainer Petz von Oddo BHF. Beliebt ist laut Arthur Brunner von der ICF Bank die SĂŒdzucker-Hybridanleihe (XS0222524372). "Es wird immer wieder auf eine KĂŒndigung gesetzt, auch wenn das unwahrscheinlich ist."Weiter sehr gut an kommen laut Brunner die 2028 und 2027 fĂ€lligen Anleihen von Katjes International (NO0012888769) und Mutares (NO0012530965). Beide werden mittlerweile ĂŒber 107 Prozent gehandelt, das ergibt immer noch Renditen von 5,2 und 10,4 Prozent. "Mutares hat ein super Jahr hinter sich und ist im November in den SDAX aufgestiegen", bemerkt Brunner. Daniel beobachtet KĂ€ufe und VerkĂ€ufe in der PNE- (DE000A30VJW3) und einer Voestalpine-Anleihe (AT0000A27LQ1).
Neues von Eon, Commerzbank, Schaeffler, VW und Mercedes
Der ersten zwei Wochen des neuen Jahres standen zudem ganz im Zeichen von Neuemissionen. "Es gibt sehr viele neue Anleihen, und die Nachfrage ist gut", erklĂ€rt Petz. "Anleger sind auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten und einem Rendite-Pickup", stellt Oechsner fest. Die Deals seien stark ĂŒberzeichnet, entsprechend schwierig sei die Zuteilung. "Die Nachfrage wird nicht gestillt, daher gibt es NachkĂ€ufe ĂŒber die Börse im SekundĂ€rmarkt."
Schwerpunkt sind laut Oechsner deutsche Namen mit - idealerweise - StĂŒckelung von 1.000 Euro. Im Skontro der Steubing AG sind etwa zwei Eon-Anleihen, die eine mit FĂ€lligkeit 2036 und Kupon von 3,75 Prozent (XS2747600109), die andere mit FĂ€lligkeit 2031 und 3,375 Prozent (XS2747600018). AuĂerdem: eine 2031 fĂ€llige Commerzbank-Anleihe mit 4,625 Prozent (DE000CZ439T8), zwei Schaeffler-Bonds mit FĂ€lligkeit 2029 und 2026 und 4,75 und 4,5 Prozent (DE000A3823S1, DE000A3823R3) und eine Anleihe von VW Leasing, die bis 2028 lĂ€uft und 3,875 Prozent bietet (XS2745725155).Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet darĂŒber hinaus von einer neuen Mercedes-Benz-Anleihe mit Laufzeit bis 2027 und 3 Prozent (DE000A3LSYG8). "Die Nachfrage ist aber gering, der Kupon ist vielen wohl zu niedrig." Ebenfalls kaum Interesse finde die Neuemission von RCI Banque mit 3,875 Prozent bis 2029 (FR001400N3F1).
"Mit höheren Renditen locken"
Bei Staatsanleihen sieht es Àhnlich aus: "Spanien, Italien, Belgien und Irland kamen mit neuen Anleihen auf den Markt", berichtet Brunner. "Die Nachfrage war gut, auch weil asiatische Investoren jetzt eher europÀische als US-amerikanische Staatsanleihen kaufen."
Bloomberg Intelligence zufolge werden in den nĂ€chsten Wochen die USA, GroĂbritannien, die Eurozone und Japan neue Anleihen im Wert von 2,1 Billionen US-Dollar begeben, um ihre HaushaltsplĂ€ne fĂŒr 2024 zu finanzieren ? ein Anstieg von 7 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. "Da die meisten Zentralbanken keine Anleihen mehr aufkaufen, mĂŒssen die Finanzagenturen nun Anleger aus aller Welt umwerben und mit höheren Renditen locken."
Von Anna-Maria Borse, 12. Januar 2024 © Deutsche Börse AG
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

