ROUNDUP, Initiative

Initiative prangert MissstÀnde in landwirtschaftlicher Saisonarbeit

27.03.2024 - 12:14:12

Landwirtschaftliche Saisonarbeiter werden nach EinschÀtzung einer gewerkschaftlichen Initiative in Deutschland weiterhin zu teils illegalen Bedingungen beschÀftigt.

Betroffene schilderten der "Initiative Faire Landarbeit" FĂ€lle, in denen ihnen der Mindestlohn vorenthalten oder ihre Arbeitszeit ĂŒber die gesetzlich erlaubte Grenze hinaus ausgeweitet wurde. In ihrem am Mittwoch vorgestellten "Saisonbericht 2023" erzĂ€hlt die von Gewerkschaften und Kirchen getragene Organisation zudem von kurzfristigen Entlassungen bei Akkordunterschreitung und ĂŒberhöhten Unterbringungskosten, die den Erntehelfern berechnet worden seien.

Die fĂŒr Landwirtschaft zustĂ€ndige IG Bauen Agrar Umwelt stört sich gemeinsam mit den Schwestergewerkschaften aus Polen, Bulgarien und RumĂ€nien an der fehlenden sozialen Absicherung insbesondere der kurzfristig BeschĂ€ftigten. FĂŒr IG-BAU-Vize Harald Schaum ist es "inakzeptabel und nicht nachvollziehbar, dass wir in Deutschland auf die Arbeitskraft ihrer Landsleute setzen, aber kurzfristig BeschĂ€ftigten, die teilweise ĂŒber Jahrzehnte auf unseren Feldern schuften, nicht nur den vollen Krankenversicherungsschutz verweigern, sondern auch RentenansprĂŒche."

Jobs mit bis zu 70 Arbeitstagen Dauer können sozialversicherungsfrei gestellt werden, illegale KettenvertrÀge seien keine Seltenheit, so die Gewerkschaften. Billige Gruppentarife zur privaten Krankenversicherung böten keinen ausreichenden Gesundheitsschutz bei der harten Arbeit auf den Feldern.

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel wandte sich gegen die Kontrollpraxis des Zolls, dass den BeschĂ€ftigten die Unterkunftskosten vom Mindestlohn abgezogen werden dĂŒrfen. Wie am Bau mĂŒssten die Arbeitgeber die Kosten fĂŒr GruppenunterkĂŒnfte tragen.

Die Initiative hat fĂŒr ihren sechsten Saisonbericht Kontakte zu mehr als 3000 SaisonkrĂ€ften ausgewertet. In der Mehrzahl kamen die Menschen aus den EU-Staaten RumĂ€nien und Polen. Nicht in allen Betrieben gebe es Probleme: Positiv wurden der zunehmende Einsatz digitaler Arbeitszeiterfassung und Verbesserungen bei UnterkĂŒnften festgestellt. Die Landwirte hĂ€tten bei reduzierter AnbauflĂ€che auch weniger Probleme gehabt, geeignete KrĂ€fte zu finden.

Die Zahl der kurzfristig BeschĂ€ftigten sinke, weil die Arbeiter ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume sozialversicherungspflichtig angestellt wĂŒrden. Über das gesamte Jahr verrichteten sie eine Vielzahl von Jobs in der Tierhaltung, in Baumschulen oder in der Pferdewirtschaft. Nach Zahlen der Bundesagentur fĂŒr Arbeit waren Ende Mai 2023 rund 50 000 Erntehelfer kurzfristig angestellt und mehr als 60 000 ArbeitskrĂ€fte aus Osteuropa langfristig in der Landwirtschaft beschĂ€ftigt. Über das Gesamtjahr geht die Initiative von rund 275 000 Menschen in der Saisonarbeit aus.

@ dpa.de