Ergebnisse, Produktion/Absatz

Siltronic will bis 2028 stark wachsen - Vorsichtiger Blick auf 2024

30.11.2023 - 11:15:59 | dpa.de

LONDON - Der Hersteller von Siliziumwafern fĂŒr die Halbleiterindustrie Siltronic DE000WAF3001 will in den kommenden Jahren weiter von Megatrends wie Digitalisierung und ElektromobilitĂ€t profitieren.

(neu: Kursentwicklung)

LONDON (dpa-AFX) - Der Hersteller von Siliziumwafern fĂŒr die Halbleiterindustrie Siltronic DE000WAF3001 will in den kommenden Jahren weiter von Megatrends wie Digitalisierung und ElektromobilitĂ€t profitieren. Umsatz und operative Gewinnmarge sollen bis 2028 krĂ€ftig zulegen, auch dank des neuen Werkes in Singapur. Auf 2024 blickt Siltronic-Chef Michael Heckmeier aber erst einmal vorsichtig. Zumindest das erste Halbjahr werde wohl noch von hohen VorratsbestĂ€nden der Chiphersteller und deren Kunden belastet sein, wie das Unternehmen am Donnerstag in London beim Kapitalmarkttag mitteilte. Die zuletzt stark gelaufene Aktie geriet deutlich unter Druck.

Die insgesamt sehr zyklische Chipbranche leidet schon seit Monaten unter einem Lagerabbau der Kunden. Ein Grund ist die KaufzurĂŒckhaltung der Verbraucher und Unternehmen bei Smartphones, Computern und anderer Elektronik. Zudem hatten viele Chiphersteller und deren Kunden in Zeiten von Lieferkettenproblemen wĂ€hrend der Corona-Pandemie ihre LagerbestĂ€nde mit allem aufgefĂŒllt, was sie bekommen konnten. Diese BestĂ€nde bauen sie erst einmal weiter ab, bevor sie in grĂ¶ĂŸerem Umfang bestellen.

Vor diesem Hintergrund kalkuliert Heckmeier fĂŒr 2023 seit Oktober mit einem Konzernumsatz, der um 15 bis 17 Prozent unter dem Rekordniveau des Vorjahres von gut 1,8 Milliarden Euro liegen dĂŒrfte. Ausgehend vom 2023er-Ziel soll der Umsatz danach bis 2028 aber um ĂŒber 40 Prozent auf mehr als 2,2 Milliarden Euro steigen, wie die Beteiligung von Wacker Chemie DE000WCH8881 weiter mitteilte.

FĂŒr die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) peilt die Siltronic-FĂŒhrung bis 2028 einen hohen 30 Prozent-Wert an. Das wĂ€re eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den fĂŒr 2023 angestrebten 28 bis 30 Prozent.

Aktuell lasten noch hohe Investitionen in kĂŒnftiges Wachstum, vor allem in Singapur, auf der RentabilitĂ€t. Anfang November produzierte Siltronic im neuen Werk die ersten Wafer, aus denen die Kunden Elektronikchips herstellen. Ab Anfang 2024 soll die Produktion dort sukzessive hochgefahren werden. Dank einer stark automatisierten Fertigung peilt der Vorstand dort mittelfristig eine operative Marge von mehr als 50 Prozent an.

Diese hohe RentabilitĂ€t soll beim Erreichen des lĂ€ngerfristigen Konzernmargenziels im hohen 30er-Prozentbereich helfen. Laut Analyst Constantin Hesse vom Investmenthaus Jefferies liegt die mittlere Markterwartung bei 37,5 Prozent. Alles in allem bezeichnet Hesse die Wachstumsziele von Siltronic als solide, wenngleich einige Experten fĂŒr 2028 bereits mit etwas mehr Umsatz rechneten als vom Konzern angepeilt. Gleichwohl untermauern nach Meinung des Experten die Ambitionen des Unternehmens die positiven Trends in puncto Wafer-Nachfrage.

Auf diese blickt Siltronic optimistisch. Denn: FĂŒr die Herstellung eines KI-geeigneten Servers beispielsweise sei die benötigte WaferflĂ€che um bis zu acht Mal grĂ¶ĂŸer als die fĂŒr einen herkömmlichen Server. Bei Elektrofahrzeugen liege die benötigte WaferflĂ€che um 60 bis 100 Prozent höher als bei konventionellen Verbrennerfahrzeugen, hieß es von Siltronic weiter.

An der Börse dominierten am Donnerstag die eher vorsichtigen Worte zur kurzfristigen Marktentwicklung. Die Aktien fielen bis zum spĂ€ten Vormittag um rund sieben Prozent auf 86,20 Euro. Laut einem HĂ€ndler dĂŒrfte der Ausblick auf ein zunĂ€chst eher trĂ€ges GeschĂ€ft im kommenden Jahr belasten, wenngleich die Äußerungen des Konzerns nur bedingt Neues enthielten.

Die Kursgewinne des Vortages sind damit fast dahin. Am Mittwoch hatte eine Kaufempfehlung der Privatbank Berenberg den Siltronic-Kurs mit bis zu 92,90 Euro auf das höchste Niveau seit Juni 2022 getrieben. Seit dem 2023er-Jahrestief im Mai war das ein Plus von fast 60 Prozent.

Berenberg-Analyst Gustav Froberg hĂ€lt eine Trendwende fĂŒr möglich: Das Tief bei der Wafer-Nachfrage sei in Sicht. So schienen sich die PC- und Smartphone-MĂ€rkte zu stabilisieren, und die Preise fĂŒr Speicherchip zögen langsam an. Zudem komme der Abbau zu hoher LagerbestĂ€nde entlang der Wertschöpfungskette voran.

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