ROUNDUP, Kritische

'Kritische' Rettungsmission im Iran - Trump in ErklÀrungsnot

04.04.2026 - 15:35:30 | dpa.de

LONDON - Nach dem Abschuss eines US-Kampfjets lÀuft im Iran die dramatische Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied.

(Neu: weitere Details)

LONDON (dpa-AFX) - Nach dem Abschuss eines US-Kampfjets lĂ€uft im Iran die dramatische Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied. Das US-MilitĂ€r hat Medienberichten zufolge SpezialkrĂ€fte in den SĂŒden des Landes geschickt - auch um eine Gefangennahme des Waffenoffiziers der abgeschossenen F-15E durch den Iran zu verhindern. Iranische Medien berichten von hohen Geldsummen, die fĂŒr die Ergreifung versprochen worden sein sollen.

Derweil gab es neue Luftangriffe. Der Iran meldete unter anderem den Einschlag eines Geschosses in der NÀhe des Atomkraftwerks Buschehr. In Israel wurden EinschlÀge nach iranischen Raketenangriffen gemeldet.

US-PrĂ€sident Donald Trump Ă€ußerte sich zu der Rettungsmission im Iran bislang nur zurĂŒckhaltend. Auf die Frage der britischen Zeitung "The Independent", was er tun wĂŒrde, falls das vermisste Crew-Mitglied von Iranern gefangengenommen oder verletzt werden sollte, antwortete Trump: "Nun, das kann ich nicht kommentieren, weil - wir hoffen, dass das nicht passieren wird."

Der Pilot des Kampfflugzeugs konnte ĂŒbereinstimmenden Medienberichten zufolge gerettet werden. Zwei an den Rettungsmaßnahmen beteiligte Black-Hawk-Hubschrauber wurden demnach ebenfalls vom Iran getroffen. Teheran reklamierte zudem den Abschuss eines weiteren Kampfflugzeugs in der Region des Persischen Golfs nahe der Straße von Hormus fĂŒr sich.

"Kritische" Rettungsmission der USA

Sollte der Iran das Besatzungsmitglied zuerst finden, wĂ€re das "ein großer Gewinn" fĂŒr Teheran, sagte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, der BBC. Der Iran hĂ€tte dann "ein sehr starkes Druckmittel". Rapp sprach deshalb von einer "kritischen Mission" fĂŒr die US-StreitkrĂ€fte.

Sollte das Crew-Mitglied in Gefangenschaft geraten und sollten Bilder davon veröffentlicht werden, könnte das die ohnehin schon kritische Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit zum Krieg weiter negativ beeinflussen, sagte Rapp, die in der Vergangenheit fĂŒr das US-Außenministerium tĂ€tig war. "Wenn solche Bilder auftauchen wĂŒrden, hĂ€tte das aus amerikanischer Sicht eine enorm verĂ€ndernde Wirkung", sagte sie.

Im Iran wurde von Kopfgeldern in Höhe von bis zu 100.000 US-Dollar berichtet (umgerechnet rund 87.000 Euro) - in den jeweiligen Provinzen ist das im Extremfall das Tausendfache des monatlichen Durchschnittseinkommens. Hamidreza Azizi, Experte fĂŒr iranische Sicherheitsfragen am German Institute for International and Security Affairs, sagte der "New York Times", er sehe zwei mögliche Vorgehensweisen, sollte dem Iran die Ergreifung des Besatzungsmitglieds gelingen.

Falls die Gefangennahme geheim bleibe, könnte der Iran hinter verschlossenen TĂŒren mit den USA verhandeln und ZugestĂ€ndnisse einfordern. Oder der Gefangene könnte öffentlich vor Kameras prĂ€sentiert werden - das hĂ€lt der Experte fĂŒr wahrscheinlicher: "Sie wollen unbedingt dieses Bild eines Sieges vermitteln und zugleich Trump demĂŒtigen."

Die US-Regierung und insbesondere Trump hatten in den vergangenen Wochen des Krieges immer wieder suggeriert, dass US-Flugzeuge im iranischen Luftraum keine Angriffe mehr fĂŒrchten mĂŒssten. Die USA hĂ€tten die Lufthoheit erlangt, hieß es. Die militĂ€rischen FĂ€higkeiten Teherans seien bereits nahezu vernichtet. "Trump sagte, der Iran sei "vernichtet" worden. Dann wurde ein amerikanischer Kampfjet vom Typ F-15E abgeschossen", schrieb der Sender NBC.

Angriffe dauern an

Dass der Iran auch fĂŒnf Wochen nach Beginn des Krieges immer noch angreifen und in der Region SchĂ€den anrichten kann, zeigte sich auch im Verlauf des Samstags. Wegen neuerlichen Raketenangriffen musste sich in Israels KĂŒstenmetropole Tel Aviv zur Mittagszeit sowie am Nachmittag etliche Menschen in SchutzrĂ€ume begeben. Die Polizei meldete mehrere EinschlĂ€ge. Dem israelischen Rettungsdienst Magen David Adom zufolge wurden insgesamt fĂŒnf Menschen verletzt. Israelischen Medien zufolge setzte der Iran bei den Raketenangriffen erneut international weitgehend geĂ€chtete Streumunition ein.

Wieder Einschlag in der NĂ€he von iranischem AKW

Die Internationale Energieagentur (IAEA) teilte unterdessen auf der Plattform X mit, sie sei vom Iran ĂŒber den Angriff auf das Atomkraftwerk Buschehr informiert worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna schlug ein Geschoss nahe dem Grenzzaun des Kraftwerks ein. Als Folge der Explosion und herumfliegender Splitter sei ein Mitarbeiter des Sicherheitspersonals getötet und ein NebengebĂ€ude beschĂ€digt worden. SchĂ€den an den Hauptbereichen des Kraftwerks habe es nicht gegeben, der Betrieb sei nicht beeintrĂ€chtigt.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete zudem unter Berufung auf das Gouverneursamt von Luftangriffen auf die Sonderwirtschaftszone der Petrochemie in Mahschahr. Getroffen wurden demnach die Petrochemieunternehmen Fadschr 1 und 2, Ridschal und Amirkabir. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es Tote und Verletzte gegeben habe. Auch ein fĂŒr Waren und Reisende wichtiger GrenzĂŒbergang zum Irak sei Ziel eines amerikanisch-israelischen Luftangriffs gewesen, berichtete Tasnim. Die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete, bei dem Angriff seien eine Person getötet und fĂŒnf Menschen verletzt werden. Der GrenzĂŒbergang sei gesperrt worden.

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