Finanzierung/Investitionen, Produktion/Absatz

Zahlreiche Firmenchefs fordern industriefreundlichere EU-Politik

20.02.2024 - 15:01:32

Mehr als 50 hochrangige Unternehmensvertreter und 15 IndustrieverbÀnde fordern eine industriefreundlichere EU-Politik.

In einer ErklĂ€rung von Dienstag sprechen sie sich unter anderem fĂŒr einfachere Staatshilfe, niedrigere Energiekosten und mehr europĂ€ische Bergbauprojekte fĂŒr wichtige Rohstoffe aus. In dem Papier, das auch von Vertretern von Dax DE0008469008-Unternehmen unterschrieben und am Dienstag veröffentlicht wurde, warnen sie zudem eindringlich vor Konkurrenz aus den USA und China. Auch die Industriegewerkschaft IG BCE trĂ€gt die sogenannte Antwerpener ErklĂ€rung mit.

Die US-Wirtschaft profitiere etwa von Staatshilfen ĂŒber den sogenannten Inflation Reduction Act (IRA), zudem erhöhten chinesische ÜberkapazitĂ€ten und zunehmende Exporte nach Europa den Druck auf die europĂ€ische Industrie. "Unsere Unternehmen sind tĂ€glich mit dieser Herausforderung konfrontiert. Standorte werden geschlossen, die Produktion gestoppt, Mitarbeiter entlassen", heißt es. Unterschrieben wurde die ErklĂ€rung unter anderem vom Bayer DE000BAY0017-Vorstandsvorsitzenden Bill Anderson und dem BASF DE000BASF111-Unternehmenschef Martin BrudermĂŒller.

Die ErklĂ€rung wurde fĂŒr ein Treffen von Industrievertretern mit dem belgischen Premierminister Alexander De Croo und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ausgearbeitet. Gemeinsam mit der belgischen EU-RatsprĂ€sidentschaft hatten Unternehmen fĂŒr Dienstag ein Gipfeltreffen der europĂ€ischen Industrie organisiert.

Vehemente Kritik an der Veranstaltung kommt von UmweltverbĂ€nden. "Wir sind entsetzt", heißt es in einem offenen Brief an De Croo. Organisationen wie Greenpeace Belgien und die Aurelia Stiftung warfen den Verfassern etwa vor, die Schuld von Unternehmen an der Klima- und BiodiversitĂ€tskrise nicht anzuerkennen. Diese Krisen stellten eine enorme Gefahr fĂŒr den Planeten dar. Sie seien Ergebnis jahrzehntelanger unverantwortlicher Unternehmensentscheidungen.

Die Unternehmen drĂ€ngen in ihrer ErklĂ€rung auch darauf, dass Staaten Risikoinvestitionen in erneuerbare Energien stĂ€rker absichern. Die nĂ€chste EU-Kommission mĂŒsse neuen Projekten fĂŒr erschwingliche erneuerbare und nukleare Energie Vorrang einrĂ€umen. Im Sommer findet die Europawahl statt, in diesem Zug wird auch eine neue EU-Kommission zusammengestellt.

Ferner plĂ€dieren die Industrievertreter dafĂŒr, dass Freihandelsabkommen oder andere Abkommen die Versorgung der Industrie mit wichtigen Rohstoffen sichern und Zugang zu neuen MĂ€rkten ermöglichen sollen. Jedes neue EU-Gesetz solle vor Verabschiedung darauf ĂŒberprĂŒft werden, inwiefern es die WettbewerbsfĂ€higkeit von EU-Unternehmen beeinflusst. "Ziel ist es, hochwertige ArbeitsplĂ€tze fĂŒr BeschĂ€ftigte in Europa zu erhalten", teilte die IG BCE mit Blick auf die ErklĂ€rung mit.

@ dpa.de | DE0008469008 FINANZIERUNG/INVESTITIONEN