Mercedes-Benz Aktie: 30 Prozent Minus seit Januar
28.06.2026 - 01:52:08 | boerse-global.de
Mercedes-Benz verschärft den Sparkurs in Deutschland — und die Aktie steht bereits auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr. Mehr arbeiten, weniger Gehalt, Verlagerungen ins Ausland: Der Konzern zieht die Daumenschrauben an, während die Kapitalmarktgeduld schwindet.
Sonderzahlung verschoben, Kosten im Fokus
Der Kern der neuen Maßnahmen ist eine Absenkung der Arbeitskosten. Mercedes-Benz informierte die Belegschaft am Freitag per Vorstandsschreiben: Beschäftigte sollen künftig mehr arbeiten, ohne entsprechende Lohnerhöhung. Einzelne Produkte und Verwaltungsfunktionen sollen ins Ausland verlagert werden.
Besonders konkret ist die Verschiebung einer Sonderzahlung. Der sogenannte Transformationsbaustein — ursprünglich für Juli geplant — soll erst 2027 fließen. Er beträgt 18,4 Prozent des monatlichen Entgelts. Betroffen sind rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland.
Für die Börse ist das Signal wichtiger als die einzelne Zahlung. Mercedes-Benz geht beim deutschen Kostenblock nun offensiver vor.
Betriebsrat stemmt sich dagegen
Die Arbeitnehmerseite reagierte scharf. Der Betriebsrat erklärte, die Herausforderungen des Unternehmens lägen nicht bei den Beschäftigten — dennoch sollten diese die Last tragen. Damit bekommt der Sparkurs eine tarifpolitische Dimension, die die Umsetzung verzögern oder verteuern kann.
Kostensenkungen können mittelfristig die Margen stützen. Konflikte mit der Arbeitnehmerseite können das aber konterkarieren. Bei einem Konzern mit industrieller Präsenz dieser Größe ist das keine Randnotiz.
Enger Spielraum, schwacher Chart
Der operative Druck kommt nicht überraschend. Im ersten Quartal erzielte Mercedes-Benz Cars ein bereinigtes EBIT von 933 Millionen Euro — bei einer Umsatzrendite von 4,1 Prozent. Die bestätigte Zielspanne für das Gesamtjahr liegt bei 3 bis 5 Prozent.
Das ist eng. Personal- und Standortkosten haben bei solchen Margen ein besonders hohes Gewicht für das Ergebnis.
Der Chart spiegelt die Skepsis. Die Aktie schloss am Freitag bei 43,27 Euro — nur 0,62 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom selben Tag. Seit Jahresanfang beträgt das Minus knapp 30 Prozent. Der RSI von 29,2 zeigt eine überverkaufte Lage, aber der Abwärtstrend ist intakt.
Ob die verschärften Sparmaßnahmen als glaubwürdiger Beitrag zur Margenstabilisierung gewertet werden, entscheidet sich in den kommenden Wochen — spätestens wenn die nächsten Quartalszahlen zeigen, ob Kostenkontrolle und Ergebnisziele tatsächlich zusammenpassen.
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