Merz hÀlt an der Koalition und am Reformkurs fest
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 16:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Wir wollen mit dieser Koalition erfolgreich sein. Und ich werde alles tun, um das weiter zu ermöglichen", sagte der CDU-Vorsitzende beim Unternehmertag des Handelsverbands BGA in Berlin.
"Wir sind eine gewĂ€hlte Regierung. Wir sind fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlt. Ich bin fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlt. Und ich möchte, dass wir diese vier Jahre nutzen, um das Land aus dieser schwierigen Phase herauszufĂŒhren." Merz betonte, dass die Bundesregierung ihren beschlossenen Reformkurs fortsetzen werde. "Das bittere Wahlergebnis vom 6. September in Sachsen-Anhalt Ă€ndert daran gar nichts."
Spekulationen ĂŒber eine Entlassung von Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) und eine Minderheitsregierung der Union wies der Kanzler zurĂŒck. Davon halte er "relativ wenig". Es seien "Hirngespinste", wenn man glaube, die Reformen quasi im Alleingang durch den Bundestag bringen zu können.
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin am Sonntag kĂŒndigte Merz Entlastungen fĂŒr die Verbraucher bei den hohen Spritpreisen an. "Ich bin der Meinung, dass wir handeln mĂŒssen." Das genaue Instrumentarium stehe noch nicht fest. "Sie können aber davon ausgehen, dass wir sehr bald einen Vorschlag dazu vorlegen werden."
Union stĂŒrzt in Umfragen immer mehr ab
Die CDU hatte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 17,2 Prozent eine schwere Niederlage eingefahren. Vor allem fĂŒr die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern an diesem Sonntag schaut es ebenfalls extrem schlecht aus. Dort liegt die CDU in den Umfragen bei nur 7 Prozent.
Bundesweit rutschte die Union auf ein historisches Umfragetief. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov ermittelte in der Sonntagsfrage fĂŒr CDU und CSU einen Wert von 18 Prozent. Wenn schon am nĂ€chsten Sonntag Bundestagswahl wĂ€re, wĂŒrde die AfD sie mit 29 Prozent gewinnen. Die GrĂŒnen kĂ€men auf 16 Prozent, die SPD auf 13, die Linke auf 10, die FDP auf 5 und das BSW auf 4 Prozent. Zugleich zeigten sich im neuen RTL/ntv-"Trendbarometer" nur noch 10 Prozent der Befragten mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden - drei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche.
Bei den zwei Wahlen an diesem Sonntag geht es daher auch um die politische Zukunft von Merz, der unter einem zunehmenden AutoritĂ€tsverlust in der eigenen Partei leidet. Er hat das ParteiprĂ€sidium fĂŒr den Wahlabend zu einer formellen Sitzung nach Berlin eingeladen, um ĂŒber die Ergebnisse und die Folgen zu beraten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen. Es gibt Spekulationen, dass Merz von den CDU-Landeschefs gestĂŒrzt werden könnte.
Söder erwartet RĂŒckendeckung fĂŒr Merz vom CDU-PrĂ€sidium
CSU-Chef Markus Söder rechnet jedoch fest mit einer breiten RĂŒckendeckung fĂŒr den Kanzler in der PrĂ€sidiumssitzung. Es wĂ€re ein "echtes Problem", wenn Deutschland jetzt schlingere, sagte der bayerische MinisterprĂ€sident nach einer Sitzung des Landeskabinetts in MĂŒnchen. "Und deshalb braucht es jetzt Zusammenhalt, StĂ€rke, Kraft auch, und dafĂŒr bekommt der Bundeskanzler RĂŒckendeckung."
AuĂenminister Johann Wadephul (CDU), der an der Sitzung des Kabinetts teilgenommen hatte, sagte: "Ich bin der festen Ăberzeugung, dass diese Koalition den gemeinsamen Willen hat, diese Phase jetzt durchzustehen und in der Tat die Projekte anzugehen, die von uns gefordert sind, die Reformprojekte, die auf der Agenda stehen und die halt notwendig sind."
Warnung vor Untergang der Union
Bremens CDU-Landesvorsitzender Heiko Strohmann warnte vor der Gefahr eines bundesweiten Absturzes der CDU. Was gerade in der Parteienlandschaft in Ostdeutschland geschehe, könne "auch in Duisburg und in Bremen passieren", sagte er im Deutschlandfunk. An seine Partei und Merz appellierte er, sich mehr in die Menschen in Ostdeutschland hineinzuversetzen und ihre Belange ernst zu nehmen.
Die CDU Deutschland blicke auf den Osten "immer noch mit der Brille von Westdeutschland". Merz sei "eher Symptom als Ursache der Problematik der CDU", sagte der in Rostock aufgewachsene Bremer CDU-Chef. "Wenn wir so weitermachen, sehe ich groĂe Probleme, dass wir irgendwann mal in diesem ganzen gesellschaftlichen Prozess, der ja weltweit lĂ€uft, (...) untergehen, so wie es konservativen Parteien ja auch in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern ja schon gegangen ist."
Brandenburgs stellvertretender CDU-Fraktionschef Frank Bommert forderte "schnelle Lösungen" und betonte: "Da kann man nicht mit irgendwelchen Sonntagsreden kommen." Einen RĂŒcktritt von Merz hĂ€lt er jedoch nicht fĂŒr sinnvoll: "Das befriedet vielleicht auf die Schnelle, aber es löst ja nicht das Problem", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Druck auf Merz vor nÀchsten Wahlen ist hoch
Das schlechte Abschneiden der CDU in Sachsen-Anhalt hat den Druck auf Merz aus seiner Partei erhöht. Nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin wird sich zeigen, ob er sich im Amt halten kann. Der stellvertretende CDU-Chef von Mecklenburg-Vorpommern, Tino Schomann, hatte bereits den RĂŒcktritt des Kanzlers verlangt.
Seit Wochen wird ĂŒber einen möglichen Kanzlertausch spekuliert. Als mögliche Nachfolger von Merz werden der nordrhein-westfĂ€lische MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (CDU) und der bayerische Regierungschef Söder gehandelt.
