Microsoft, Anthropic

Microsoft und Anthropic starten KI-Offensive in Excel

28.01.2026 - 17:09:12

Die Tabellenkalkulation wird zum KI-Schlachtfeld: Microsoft erweitert seinen Copilot um einen autonomen Agenten-Modus – und integriert überraschend auch das Konkurrenzmodell Claude von Anthropic. Gleichzeitig macht Anthropic seine eigene Excel-Erweiterung für alle zahlenden Nutzer verfügbar.

Die digitale Arbeitswelt erlebt eine neue Welle der Automatisierung. Innerhalb weniger Tage haben die KI-Vorreiter Anthropic und Microsoft ihre Strategien für das Herzstück der Bürosoftware verschärft: Microsoft Excel. Die Entwicklungen markieren einen Wendepunkt, bei dem KI-Assistenten zu aktiven, teilautonomen Partnern in der Datenanalyse werden.

Am 24. Januar zog Anthropic die erste Fahne hoch. Das Unternehmen machte seine bisher nur großen Unternehmen vorbehaltene „Claude in Excel“-Erweiterung für alle Claude Pro-Abonnenten zugänglich. Die Integration bringt die leistungsstarken KI-Modelle Sonnet und Opus direkt als intelligente Seitenleiste in die Tabellenkalkulation.

Für Finanzanalysten und Datenwissenschaftler bedeutet das einen direkten Leistungsschub. Die KI hilft beim Debuggen komplexer Formeln, erstellt Finanzmodelle aus Geschäftsberichten oder bereinigt große Datensätze. Neue Funktionen wie das Drag & Drop mehrerer Dateien und eine „Auto-Compaction“-Technologie für längere Analysen sollen den Workflow beschleunigen. Eine entscheidende Sicherheitsverbesserung: Das Tool verhindert nun das versehentliche Überschreiben existierender Daten.

Microsoft kontert mit autonomem „Agent Mode“ für Copilot

Nur Tage später, am 27. und 28. Januar, konterte Microsoft mit einem Paukenschlag. Der Konzern rollte den lang erwarteten „Agent Mode“ für Copilot in Excel auf Windows und Mac aus. Dies ist mehr als ein Update – es ist eine Evolution. Der Copilot verwandelt sich von einem reaktiven Chat-Assistenten in einen autonomen Agenten, der direkt im Tabellenblatt arbeitet.

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Nutzer geben nun ergebnisorientierte Befehle wie „Erstelle eine Umsatzprognose für das nächste Quartal“. Der Agent versteht die Absicht, plant die notwendigen Schritte und führt sie direkt aus – ohne bei jedem Klick nach Bestätigung zu fragen. Er kann kaputte Formeln reparieren, unordentliche Daten bereinigen oder ganze Arbeitsmappen aus groben Anweisungen aufbauen. Die Integration einer Websuche mit Quellenangabe ermöglicht zudem Analysen mit Echtzeitdaten.

Überraschende Allianz: Copilot kann jetzt auch mit Claude rechnen

Die größte Überraschung steckte im Detail von Microsofts Ankündigung. Der neue Agent Mode enthält einen „Model Switcher“. Nutzer mit entsprechender Lizenz können wählen, ob ihre Anfrage von OpenAIs GPT 5.2 oder – im direkten Wettbewerb – von Anthropics Claude Opus 4.5 bearbeitet werden soll.

Diese Integration des Konkurrenzmodells ist ein genialer Schachzug. Microsoft erkennt an, dass verschiedene KI-Modelle unterschiedliche Stärken haben. Manche sind besser in strukturierter Logik, andere in kreativerer Aufgabenlösung. Statt Nutzer in eine Technologie zu zwingen, wird Copilot zur KI-Plattform. Der Nutzer gewinnt Flexibilität, Microsoft hält ihn in der eigenen Ökosystem-Welt gefangen.

Analyse: Vom Chatbot zum eingebetteten Arbeitspartner

Die parallelen Ankündigungen zeigen einen klaren Branchentrend. Der Fokus verschiebt sich von generischen KI-Chatoberflächen hin zu tief in Arbeitsabläufe eingebetteten Spezialtools. Der Wettbewerb entscheidet sich nicht mehr nur an der Rohleistung des KI-Modells, sondern an der nahtlosen Integration in bestehende Software.

Microsofts Doppelstrategie – den eigenen Assistenten ausbauen und den des Herausforderers integrieren – ist raffiniert. Sie stärkt das Microsoft-365-Ökosystem als unverzichtbare Plattform, selbst wenn Nutzer die Stärken der Konkurrenz nutzen wollen. Für Anwender, besonders in der Finanzbranche, beginnt eine neue Ära. Die Frage ist nicht mehr, ob man einen KI-Assistenten hat, sondern wie autonom und mächtig er arbeitet.

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