Midijob, Stabile

Midijob: Stabile Brücke in der hitzigen Reformdebatte

30.01.2026 - 05:15:12

Die Midijob-Regelung bietet weiterhin finanzielle Entlastung und volle Rentenansprüche, während Sozialverbände und Gewerkschaften eine grundlegende Reform des Niedriglohnsektors fordern.

Die Midijob-Regelung bis 2.000 Euro entlastet Beschäftigte weiter, während die Debatte um Minijobs und Teilzeit eskalert. Sozialverbände und Gewerkschaften fordern eine grundlegende Neuordnung des Niedriglohnsektors.

Berlin. Während die politische Diskussion über Teilzeit und Minijobs in Deutschland immer schärfer wird, bietet der bestehende Midijob weiterhin Stabilität. Für Arbeitnehmer mit einem Einkommen bis 2.000 Euro im Monat bleibt er eine wichtige Entlastung. Gleichzeitig sichern sie sich volle Rentenansprüche. Diese Brückenfunktion steht nun im Zentrum einer grundsätzlichen Reformdebatte.

So funktioniert die Entlastung im Übergangsbereich

Die Midijob-Regelung soll den Sprung aus einem Minijob in eine voll sozialversicherungspflichtige Stelle finanziell abfedern. Beschäftigte zahlen dabei reduzierte Beiträge, die mit steigendem Gehalt progressiv anwachsen. Bei der Obergrenze von 2.000 Euro erreichen sie den regulären Satz. Der Clou: Trotz der geringeren Abgaben werden Rentenansprüche auf Basis des vollen Bruttoeinkommens erworben.

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Zum 1. Januar 2026 wurden die Grenzen neu justiert. Grund war die Anhebung des Mindestlohns auf 13,90 Euro. Die neue Geringfügigkeitsgrenze liegt nun bei 603 Euro. Ein Midijob beginnt folglich ab 603,01 Euro. Die Obergrenze von 2.000 Euro blieb unverändert. Innerhalb dieses Korridors profitieren Arbeitnehmer von der gleitenden Beitragsberechnung.

Volle Rente trotz reduzierter Beiträge

Der entscheidende Vorteil liegt in der Altersvorsorge. Die Regelung verhindert, dass Beschäftigung im Niedriglohnbereich zu dauerhaften Renteneinbußen führt. Damit entschärft sie die sogenannte „Minijob-Falle“. Bei dieser lohnt sich eine geringe Arbeitszeiterweiterung netto oft kaum, weil schlagartig volle Beiträge fällig werden. Im Midijob hingegen zahlt sich Mehrarbeit langfristig aus. Auch Ansprüche in Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sind vollständig gegeben.

Politik debattiert grundlegende Systemreform

Trotz der bewährten Midijob-Regelung gerät das gesamte System flexibler Beschäftigung unter Druck. Der Sozialverband VdK kritisierte diese Woche die Debatte über eine Einschränkung des Teilzeitrechts als verfehlt. Stattdessen müssten strukturelle Probleme wie fehlende Kinderbetreuung gelöst werden. Minijobs sollten konsequent in sozialversicherungspflichtige Jobs umgewandelt werden.

Einen Tag zuvor forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) einen gestärkten Sozialstaat. Die aktuelle Debatte mache den Sozialstaat selbst zum Problem, so die Kritik. Diese Forderungen erhalten Rückenwind von der OECD. Die Organisation riet Deutschland kürzlich zu einer Reform des Ehegattensplittings und einer Beschränkung von Minijobs. Ziel ist es, Fehlanreize abzubauen, die besonders Frauen in die Teilzeitfalle treiben.

Wird die Brücke überflüssig?

Der Midijob fungiert als Puffer zwischen Minijob und Vollversicherung. Die aktuelle Debatte zielt jedoch auf das Fundament des Systems. Kritiker sehen in der großen Zahl an Minijobs prekäre Beschäftigung, die langfristig benachteiligt. Der politische Druck wächst. Sogar innerhalb der CDU gibt es Vorschläge, die meisten Minijobs schrittweise umzuwandeln.

Die Zukunft des Midijobs hängt an einer grundsätzlichen Frage: Behält Deutschland das dreigliedrige System aus Minijob, Midijob und Regelbeschäftigung bei? Oder rückt ein Modell in den Vordergrund, das von der ersten Arbeitsstunde an durchgehend sozial absichert? Die jüngsten Wortmeldungen deuten auf wachsende Dynamik für eine umfassende Strukturreform hin.

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