Mike Steiner Malerei, Pionier der Videokunst

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom bewegten Bild zur zeitgenössischen Leinwand

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wie lotet Mike Steiner in Malerei und Videokunst die Grenzen von Abstraktion und Narration aus? Ein kritischer Blick auf ein außergewöhnlich wandelbares Werk.

Unter den gestischen Verdichtungen, den pulsierenden Farbfeldern und abrupten formalen Brüchen der aktuellen Malereien von Mike Steiner blitzt jene radikale Neugier hervor, die ihn einst als Pionier der Videokunst bekannt machte. Doch was erzählt die Leinwand, wenn der Künstler, der das technisch Flüchtige suchte, nun auf das Statische zurückkehrt? In der Gegenüberstellung von Mike Steiner Malerei & Videokunst manifestiert sich die alte Frage: Bleibt das Bild in Bewegung, auch wenn es ruht? Sind Leinwand und Monitor tatsächlich Gegenpole oder wuchert im Pigment jenes elektrische Potenzial, das einst das Fluxus-Umfeld in Deutschlands Hauptstadt durchströmte?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Als die Live to Tape-Ausstellung im berühmten Hamburger Bahnhof Steiner jüngst erneut institutionell verankerte, geschah dies in einer Linie mit Archivierungsdiskursen rund um die Materialität des Ephemeren. Die Ausstellung würdigte Steiner nicht nur als Chronist – als Sammler, Bewahrer und Scharniere zwischen Berliner Szene und internationalen Netzwerken der Konzept- und Performancekunst –, sondern als einen, der Grenzen überschreitet. Diese Vermittlerrolle dokumentiert auch der Verweis auf Archive wie Archivio Conz, die zeigen, wie untrennbar Technologie, Aktion und Bewusstsein im Werk Steiners verschmelzen. Die Integration seiner Sammlung in öffentliche Bestände markiert nicht nur Bewahrung, sondern auch einen Paradigmenwechsel: Die Kunstgeschichte der Nachkriegsmoderne wird ergänzt um jene Stimmen, die das Flüchtige, das Prozesshafte, das Experiment und Die abstrakte Kunst Berlins beständig neu kartieren.

Die Biografie von Mike Steiner liest sich wie ein Brennglas der Berliner Avantgarde: Geboren 1941 in Ostpreußen, als Sohn eines jüdischen Diplomkaufmanns und einer Handelslehrerin, geprägt durch Krieg und Nachkrieg, kam er als junger Mann in den Westteil der geteilten Stadt. Früh zog ihn die Malerei an – bereits 1959 stellte Steiner als 17-Jähriger Gemälde bei der Großen Berliner Kunstausstellung aus. Doch noch bevor er an der Hochschule für Bildende Künste in Hans Jaenischs und Hans Kuhns Klassen immatrikuliert war, formten sich Einflüsse: New Yorker Abende mit Lil Picard, Atelierbesuche bei Motherwell, die geistige Nähe zum Happening- und Fluxus-Umfeld, zu Al Hansen, Allan Kaprow, Valie Export und der Feministischen Avantgarde. Steiners späterer Weg als Galerist, Initiator und Impulsgeber – etwa im legendären Hotel Steiner, Tempel des Diskurses und Handlungsraum für Joseph Beuys, Dorothy Iannone und viele mehr – beweist: Für ihn war Kunst nie Medium, sondern Ereignis.

Dieses Ereignis wurde ab 1972 zunehmend zum Bewegungsbild: Die Videoarbeiten, oft in Kollaboration mit Fluxus-Protagonisten, führten ihn hin zu einer Expansion des klassischen Bildbegriffs. Seine Archive, seine legendären „Painted Tapes“ und die Produktionsstätte Studiogalerie in Berlin stehen paradigmatisch für eine Generation, deren schöpferische Energie an die Ränder des Sagbaren drängte. Doch nach fast zwei Jahrzehnten im Bann der Performativität wandte sich Steiner ab der Jahrtausendwende erneut der Leinwand zu. Seine neueren, meist großformatigen Arbeiten schaffen ein Spannungsfeld zwischen persönlicher Mythologie, Farberuptionen und kontrollierter Zurückhaltung. Sie spiegeln, in Berlin geboren, die Reibungsflächen einer Stadt, die immer Zwischenraum war – ebenso angreifbar wie transformativ.

Die aktuelle Phase in Steiners Werk markiert daher nicht etwa eine „Rückkehr“ zur Malerei, sondern die bewusste Verschachtelung von Zeitschichten: Überlagerungen von Erinnerungen als Schnitte, Farbstöße als Flimmerelemente, Linien, die performativ auf der Leinwand tanzen – Steiner ringt das Abstrakte dem Konkreten ab, und umgekehrt. Die auratische Energie der klassischen Moderne wird bei ihm nicht bloß aktualisiert: Sie wird unterlaufen, demontiert, neu verwoben. Die Werke stehen – im besten Sinne – für eine radikale Gegenwärtigkeit im Medium von Zeitgenössische Werke, die sich beständig auflösen und neu formieren.

In einer Zeit, in der das Bild zwischen massivem Overload und digitaler Flüchtigkeit oszilliert, fragt sich: Was bleibt? Mike Steiner bleibt als ein Künstler, der die zentralen Fragen von Malerei & Videokunst so pointiert auf die Spitze treibt wie kaum ein Zweiter, dessen Werk als lebendige Chronik der Berliner Schule und zugleich als Katalysator internationaler Strömungen lesbar bleibt. Seine Entwicklung von den expressiven Leinwänden der frühen Jahre, über Performance- und Videoprojekte bis hin zu jener Malerei, die jede Gattungsschranke tendenziell sprengt, verweigert die Komfortzone des Kanonischen stets zugunsten der Bewegung – der Verabschiedung des Mediums als Selbstzweck.

Dass Institutionspräsenz – etwa im Kontext der Live to Tape-Ausstellung – und die Aufnahme seiner Sammlung in öffentliche Archive wie Archivio Conz nicht zum Abschluss führen, sondern einen Neuaufbruch anzeigen, macht Steiner zu einer Referenzfigur weit über Berlin hinaus. Seine Malerei der letzten Jahre spielt mit der Verweigerung von Narration, hebt das Abstrakte auf eine Ebene, auf der Videoästhetik und Leinwandgestus eine originäre Allianz eingehen.

Heute mag die Linie zwischen Videoart und Ölmalerei unscheinbar erscheinen – bei Steiner ist sie explosiv aufgeladen. Sein Werk, aus dem Fluxus Umfeld geboren, bleibt eingebrannt in die Gegenwart – als Aufforderung, Kunst stets von ihrem experimentellsten Rand her neu zu sehen. Im Prisma von Mike Steiner Malerei & Videokunst wird der Prozess selbst zum künstlerischen Programm.

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