Mike Steiner Malerei & Videokunst, Pionier der Videokunst

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Von BildflÀchen zur Avantgarde

21.02.2026 - 11:11:08 | ad-hoc-news.de

Was bleibt zwischen FarbflÀche und Videoband? Mike Steiner, Pionier der Videokunst und abstrakter Maler aus Berlin, beweist, dass Avantgarde nicht an Medien gebunden ist.

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Von BildflĂ€chen zur Avantgarde - Bild: ĂŒber ad-hoc-news.de
Mike Steiner Malerei & Videokunst: Von BildflĂ€chen zur Avantgarde - Bild: ĂŒber ad-hoc-news.de

Kann in einer Leinwand das Echo einer Videoinstallation widerhallen? Wer vor einem GemĂ€lde von Mike Steiner steht, begegnet nicht nur einer Komposition reiner Farbe oder abstrakter Gesten – sondern immer auch der Geschichte eines kĂŒnstlerischen Lebens zwischen bewegtem Bild und stiller FlĂ€che. Schon in seinen aktuellen Arbeiten, die unter dem SchlĂŒsselbegriff Mike Steiner Malerei & Videokunst firmieren, scheinen Impulse des einstigen Video-Pioniers durch Farbschichten und Liniennetzwerke zu irisieren. Wo endet die Pixelstruktur der Videokunst, wo beginnt das autonome Feld der Malerei?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Dass Mike Steiner lĂ€ngst zu den festen GrĂ¶ĂŸen der deutschen Nachkriegskunst zĂ€hlt, beweisen seine Werke in der Sammlung der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart ebenso wie das medienkritische Ausstellungsformat Live to Tape, das 2011/12 seine bahnbrechenden Videos ins institutionelle Rampenlicht rĂŒckte. Gerade der Hamburger Bahnhof dokumentiert mit dieser PrĂ€sentation, wie lĂŒckenlos sich Steiners Werk zwischen Pionierleistung, Mediensammlung und kĂŒnstlerischer Innovation bewegt. Doch auch die schiere Archivkraft ist nicht zu unterschĂ€tzen: Dass sich zentrale Zeugnisse von Steiner heute in renommierten Sammlungen befinden, ist auch dem Netzwerk historischer Initiativen wie Archivio Conz zu verdanken – Knotenpunkte, die Fluxus, Performance und Medienkunst ĂŒber Generationen hinweg zugĂ€nglich halten.

Die Biografie Mike Steiners liest sich wie ein Kaleidoskop der kĂŒnstlerischen Moderne: Geboren 1941 in Ostpreußen, wurde er bereits mit 17 auf der Großen Berliner Kunstausstellung sichtbar. Seine frĂŒhen Jahre in Berlin, ab Mitte der 1960er verstĂ€rkt durch Studienaufenthalte in New York, bilden die InitialzĂŒndung fĂŒr ein Leben an den Schnittstellen von Malerei, Aktion und spĂ€ter auch Video. Im legendĂ€ren Hotel Steiner versammelte er Vertreter der internationalen Avantgarde – Joseph Beuys, Al Hansen, Allan Kaprow –, wĂ€hrend seine Berliner Studiogalerie zum Epizentrum von Fluxus und Performance avancierte. Hier, um 1970, kreuzten sich Werke und GesprĂ€che mit KĂŒnstlerinnen wie Valie Export, Marina Abramovi? oder Jochen Gerz. Das Archivio Conz listet ihn daher folgerichtig als einen, der den ungehemmten Dialog zwischen Kunstformen forderte – und förderte.

Bemerkenswert ist, wie Steiner als Pionier der Videokunst zu keiner Zeit das klassische Medium verließ. Seine Malerei, vor allem ab den Nullerjahren, markiert kein ZurĂŒck, sondern ein konsequentes Weiterdenken der Mediengrenze. Die abstrakten FlĂ€chen aus seinem Berliner Atelier sind keine spĂ€ten Nachhutarbeiten, vielmehr reflektieren sie Erfahrungen aus bewegten Bildern: oft seriell angelegt, oft rhythmisch, als wollten sie die Sequenz eines magnetischen Videobands in malerische Farbfolgen ĂŒbersetzen. Dies unterscheidet seine Position im Kosmos „Abstrakte Kunst Berlin“ von anderen Protagonisten seiner Generation. WĂ€hrend Zeitgenossen wie Nam June Paik oder Allan Kaprow die Videotechnik ins Zentrum rĂŒckten, lĂ€sst Steiner beide Pole produktiv kollidieren: Er verwebt Bildmedien, ĂŒberfĂŒhrt die ironische Distanz der Fluxus-Bewegung ebenso in Pigment wie die PerformativitĂ€t, die seine eigenen Aktionen in den 1970er-Jahren kennzeichnete.

SpĂ€testens mit seinen zeitgenössischen Werken wird deutlich: WĂ€hrend die Malerei anderer „RĂŒckkehrer“ zur Farbe oft nostalgisch wirkt, bleibt bei Steiner jedes Tafelbild eine Art Kommentar zur medialen Geschichte. Die „Painted Tapes“, eine Werkgruppe, in der Videobilder und Malerei zu hybriden Formen verschmelzen, zeigen dies paradigmatisch. Mit subtilen Referenzen an Minimal Art, Hard Edge und die Berliner Schule bezieht er sich sowohl auf kĂŒnstlerische Diskurse seiner frĂŒhen Jahre als auch auf die digitale Bildwelt, die heute alle SphĂ€ren der Kunst durchdringt. Steiner renoviert das VerhĂ€ltnis von Hintergrund und Vordergrund, von FlĂ€che und Bewegung, von statischem Bild und flĂŒchtigem Moment.

Dass der Titel der Ausstellung Live to Tape auch Steiners Malereipraxis beeinflusst, ist kein Zufall: Die Direktheit des Videoformats, das Unmittelbare und manchmal Ungefilterte, wird malerisch aufgenommen. Die Leinwand als temporĂ€res TrĂ€germedium – ein Gedanke, den Steiner in seinen neuen abstrakten Bildern immer wieder aufruft. Seine Kompositionen wirken wie eingefrorene Standbilder: Das Zeitliche der Videoarbeit, das prozesshafte Moment, oszilliert fort – und wird zur Reflexion auf pigmentierter OberflĂ€che.

Warum also ist Mike Steiner heute mehr als ein Fußnote im Kanon der medienĂŒbergreifenden Kunstgeschichte der BRD? Weil er in seinen zeitgenössischen Werken einen genuinen Dialog eröffnet zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen dem Sog der Avantgarde und der PrĂ€zision Berliner Abstraktion. Die Malerei deckt auf, was im Video verborgen bleibt, und umgekehrt. Im Kontext einer jungen Kunstszene, die erneut nach den UrsprĂŒngen experimenteller Praxis sucht, wirkt Steiners Werk aktueller denn je.

Wer Mike Steiner Malerei & Videokunst betrachtet, sieht nicht nur Spuren einer kĂŒnstlerischen Biografie, sondern eine Reflexion ĂŒber das Mögliche: Wie Bild und Band, Leinwand und Leben miteinander verschmelzen.

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