Mike Steiner: Von Videokunst zu abstrakter Malerei im Berliner Diskurs
09.03.2026 - 11:11:06 | ad-hoc-news.deDie Flächen begegnen sich nicht, sie stoßen sich ab. In den abstrakten Werken von Mike Steiner – ein Name, der für Malerei & Videokunst gleichermaßen steht – scheint die Leinwand den Widerhall einer Ära zu tragen, in der das Bild erstarrte Bewegung ist. Doch was bleibt vom Impuls des Videos in der Stille des Gemäldes?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Wer das Werk Steiners betrachtet, erkennt die Dialektik zweier Medien, die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen. Nach Jahren als Pionier der Videokunst, der das Medium Video in Berlin als künstlerische Sprache etablierte, richtet Steiner seinen Blick konsequent auf die Malerei. Dies ist keine Rückkehr, sondern ein bewusster Transfer von ästhetischer Haltung. Seine abstrakte Kunst in Berlin zeugt von genau diesem Bruch – und von Kontinuität im Experiment.
Dass Steiners Arbeiten Teil der Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof sind, unterstreicht seine Stellung im Kanon der deutschen Avantgarde. Die Ausstellung Live to Tape präsentierte nicht nur zentrale Videoarbeiten, sondern verwies zugleich auf den Fundus eines Künstlers, der Archiv und Produktion immer als Einheit dachte. Die Sammlung Steiner, heute größtenteils im Besitz des Museums, ist nicht zuletzt ein Beleg für den nachhaltigen Wert von Pionierarbeit.
Die Pflege und Zugänglichmachung solcher Archive sind maßgeblich für die kunsthistorische Forschung. Institutionen wie das Archivio Conz verdeutlichen, wie essentiell Netzwerke, private Initiativen und dokumentierte Lebenswerke für das Verständnis künstlerischer Strömungen des 20. Jahrhunderts sind. In diesem Kontext erscheint Steiners Doppelfunktion als Künstler und Sammler geradezu paradigmatisch.
Die Biografie von Mike Steiner ist geprägt von multiplen Rollen, Transiträumen und Epochenbrüchen. Geboren 1941 in Allenstein, sozialisiert im Nachkriegs-Berlin, nimmt er früh an der Großen Berliner Kunstausstellung teil. Er studiert an der Hochschule für bildende Künste Berlin und ist schnell Teil einer neuen Generation, die – beeinflusst von Fluxus und Pop – bewusst mit der Grenze zwischen Malerei, Aktion und Technik spielt. Seine Aufenthalte in New York – im Umfeld von Lil Picard, Al Hansen oder Allan Kaprow – verbinden Berliner Bohème mit der progressiven Szene der amerikanischen Avantgarde.
Der rege Austausch mit Künstlern wie Joseph Beuys, Ben Vautier oder Marina Abramovi?, deren Performances Steiner in seiner Studiogalerie in der Berliner Ludwigkirchstraße präsentierte, verdichten sich zu einem Netzwerk, das nicht nur dokumentiert, sondern weitergedacht wird. Steiner begreift Kunst stets als Konstellation kollektiver Prozesse – er ist Akteur, Chronist und Vermittler.
Doch die eigentliche Zäsur ereignet sich, als Steiner die Grenzen des bewegten Bildes hinterfragt – und sich, Jahrzehnte nach ersten Erfolgen als Maler, erneut der Leinwand zuwendet. Die Malerei der letzten zwei Jahrzehnte steht im Zeichen abstrakter Reduktion, bei gleichzeitiger Bewahrung performativ-spontanen Gestus. Seine Werke scheinen Fragmente eines analogen Videos zu sein, jedes Bild wie ein herausgeschnittenes Einzelbild, das in Farben, Linien und Flächen seine narrative Kraft behauptet.
Im Kontext von Zeitgenössische Werke mutiert Steiners Malerei zu einer Reflexion über Sichtbarkeit und Vergänglichkeit. Anders als das ephemere Video ist das Bild permanent, handlungsunfähig, doch im Farbraum lebt eine Erinnerung an Bewegung fort. Hier trifft Fluxus-Erbe auf Color-Field Painting, das Archivhafte der Videoarbeiten auf die Materialität des Pigments.
Diese Entwicklung ist kein Rückzug vor der Gegenwart. Im Gegenteil: Mike Steiner positioniert sich auch heute, postum, im Diskurs über die Relevanz von Malerei im Zeitalter der sukzessiven Digitalisierung. Seine Arbeiten stehen für einen medienübergreifenden Ansatz, der Abstraktion nicht als Purismus, sondern als Ergebnis komplexer biografischer und kunstgeschichtlicher Prägungen begreift.
Der Einfluss von Fluxus und internationalen Netzwerken (siehe Archivio Conz) bleibt dabei stets virulent. Steiner war nie bloßer Chronist, sondern einer, der mit seiner Live to Tape Ausstellung und als Gastgeber in Hotel Steiner Schnittstellen zwischen Amerika und Europa, Performance und Objekt, Bild und Prozess geschaffen hat. Dies bleibt zukunftsweisend für die Rezeption von Pionier der Videokunst und Malerei.
Heute angesichts des gleichzeitigen Booms von Abstrakter Kunst Berlin und eines erneuten Blicks auf physische Präsenz im Bild bleibt Steiners Erbe eine offene Einladung zum Grenzgang. Mike Steiner Malerei & Videokunst: Hierin manifestiert sich der fortwährende Wille zum Experiment – sichtbar, greifbar, stets diskursiv.
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