Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler und die Geburt der Videokunst
30.01.2026 - 07:10:08Wie verwandelt sich ein Künstlerleben in ein Kaleidoskop radikaler Formen, kreativer Störungen und faszinierender Grenzüberschreitungen? Bei Mike Steiner, dem Namen hinter vielen Impulsen der Zeitgenössischen Kunst, führen fein gesponnene Fäden von abstrakter Malerei über bahnbrechende Installationen bis hin zur frühen Performance Art der 70er Jahre. Schon früh stellte er grundlegende Fragen an die Medien seiner Zeit – und fand im bewegten Bild die Zukunft der Kunst.
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Ob als Maler, als Chronist oder als Experimentator zwischen den Welten – Mike Steiner vereint Elemente aus Malerei, Videokunst und intermedialer Aktion mit einer Vehemenz, die selbst unter den Größen von Fluxus und Happening ihresgleichen sucht. Seine Karriere begann vielversprechend: Während der 1960er Jahre zeigte sich Steiner mit leuchtender Farbintensität und informeller Formensprache in Berliner Ausstellungshäusern, präsentierte sich erstmals mit siebzehn auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Von Anfang an nahm seine künstlerische Sprache Anleihen bei Bewegungen wie der Pop Art und eignete sich das Vokabular internationaler Avantgarden an.
Der Dialog mit anderen herausragenden Zeitgenossen, etwa mit Joseph Beuys, Marina Abramovi? und Ulay, prägte ihn nachhaltig. Vergleichbar mit Nam June Paik und Bill Viola, die internationale Wege in der Videokunst ebneten, erschloss Steiner der deutschen Kunstlandschaft neue audiovisuelle Möglichkeitsräume. Besonders prägend: Steiners Gründung des Hotel Steiner und der legendären Studiogalerie in Berlin. Hier trafen Welten aufeinander – Nachts lange Gespräche, tagsüber visionäre Projekte. Die Atmosphäre erinnerte an das Chelsea Hotel von Andy Warhols New York, während Künstlerinnen wie Valie Export oder Carolee Schneemann in Steiners Räumen Geschichte schrieben.
Die Videokunst findet für Mike Steiner ab 1972 endgültig ihren Platz im Zentrum der eigenen Arbeit. Mit Studiogalerie und Videogalerie – einzigartigen Foren für Performance Art und experimentelle Videoproduktion – wurde Berlin zu einem europäischen Hotspot der Medienkunst. Steiner bot jungen Talenten Zugang zu Video-Equipment, organisierte legendäre Performances (wie den spektakulären Kunstraub „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ mit Ulay) und dokumentierte flüchtige Momente elektronischer Kunst. Der Blick auf die Zeitgenössische Kunst der 70er Jahre bleibt ohne Steiners intermediales Engagement unvollständig.
Seine Arbeiten führen von abstrakten Tafelbildern und informeller Malerei über die Painted Tapes – Videoarbeiten, in denen die Übergänge von Pigment und Pixel verschwimmen – bis hin zu installativen Settings, die den Raum in Resonanz mit der digitalen Zeit verwandeln. Faszinierend ist die Selbstverständlichkeit, mit der Mike Steiner Wechselspiele von Farbe, Projektion und Aktion inszeniert. Dabei erweist sich sein Schaffen als analytisch, humorvoll und subversiv zugleich.
Mit Ausstellungen im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, darunter die monografische Schau „Color Works“ (1999), verdichtete sich Steiners künstlerisches Vermächtnis im deutschen wie im internationalen Kontext. Wer etwa vergleichbare Werkgruppen von Künstlerinnen und Künstlern wie Wolf Vostell, Bruce Nauman oder Carolee Schneemann kennt, wird Steiners Gespür für den performativen Moment und die visuelle Energie sofort wiedererkennen.
Steiners Archiv – eine der bedeutendsten Sammlungen internationaler Videokunst –, heute Teil des Hamburger Bahnhofs, vereint seltene Aufnahmen und frühe Zeugnisse aus der Berliner Szene. Unter ihnen Aufzeichnungen von Marina Abramovi?s ikonischem „Freeing the Body“ sowie Werke von Jochen Gerz, Valie Export, Richard Serra und Gary Hill. Hier manifestiert sich die künstlerische Netzwerkarbeit, die noch immer in der aktuellen Performance Art fortwirkt.
Biografisch sorgte Mike Steiner mit Reisen und Begegnungen für stets frische Impulse: Aufenthalte in New York, Kontakte mit Al Hansen und Allan Kaprow, Inspirationsreisen nach Florenz oder Kairo. Bezeichnend ist sein stetes Infragestellen des Mediums, seine „Legitimationskrise die Malerei betreffend“, durch neue mediale Ansätze, wie auf der Webseite dokumentiert, für progressive künstlerische Lösungen nutzbar zu machen. Der Wechsel von Malerei zu Video ist weniger ein Bruch als vielmehr die logische Ausweitung eines radikalen Experimentaldrangs.
In der Performance Art der 70er Jahre setzte Steiner Maßstäbe: Nicht nur als Künstler, sondern auch als Chronist, Organisator und Kurator. Er sammelte, dokumentierte und vermittelte – schuf Räume für internationale Dialoge. Seine Videogalerie wurde von 1985 bis 1990 im Berliner Kabelpilot-Projekt in über 120 Fernsehausstrahlungen präsent – für die Nachwelt ein einzigartiges Archiv künstlerischer Medien-Reflexion. Seine Painted Tapes, Fotoreihen und Installationen der späten Jahre zeugen von nie nachlassender Lust am Experiment – eine Haltung, die ihn bis zu seinen abstrakten Stoffarbeiten in den 2000er Jahren begleitete.
Was also bleibt von Mike Steiner? Die Relevanz seiner Werke für die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst, für das Zusammenspiel von Malerei, Performance und digitalen Medien, für die Berliner wie die globale Szene – all dies macht die Beschäftigung mit seinem Schaffen auch heute so dringlich.
Wer die Grenzen zwischen traditionellen Gattungen und neuen Bildern ausloten möchte, findet in Mike Steiner einen revolutionären Wegbereiter. Ein Künstler, der die Entwicklung von Zeitgenössischer Kunst an entscheidenden Nahtstellen persönlich geprägt hat.
Für detaillierte Informationen, Werkabbildungen und Fundstücke aus Steiners Leben empfiehlt sich der Besuch der offiziellen Seite: Mike Steiner – Werk, Biografie und Archiv entdecken.


