Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei, Videokunst und Performance
29.01.2026 - 07:10:05Der Name Mike Steiner steht wie wenige andere für radikale Erneuerung in der Szene der zeitgenössischen Künstler. Wer je faszinierende Fragen nach den Wahrheiten von Bild und Bewegung stellte, landet unweigerlich bei Steiners Werk – wo enden die Möglichkeiten der klassischen Malerei, und wo beginnt die Kraft von Performance Art und Videokunst? Mit feinem Gespür und breitem Œuvre verwischte Mike Steiner seit den 1970er Jahren systematisch die Grenzen zwischen Malerei, Aktion und neuen Medien. Sein Schaffen ist ein Mosaik aus Bildern, bewegten Szenen und installativen Erlebnissen – stets unverkennbar und einnehmend.
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Schon früh zeichneten sich elementare Interessen ab: Mike Steiner, 1941 im ostpreußischen Allenstein geboren, begeisterte sich in seiner Schulzeit für das Medium Film und malte erste Stillleben. Bereits mit 17 Jahren stellte er auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus – eine frühe Anerkennung seines Talents. Später, während und nach dem Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin, wurde die Auseinandersetzung mit Abstrakter Malerei für Steiner genauso wichtig wie das Experimentieren mit neuen Ausdrucksformen.
Die 1960er brachten Reisen in die Vereinigten Staaten, Stipendien und Begegnungen mit den Größen der internationalen Avantgarde. Wertvolle Kontakte etwa zu Lil Picard, Allan Kaprow oder Al Hansen – Protagonisten aus Fluxus und Happening – prägten Steiners Wahrnehmung und die Erweiterung seiner künstlerischen Sprache. Diese Offenheit für verschiedene Medien und den Austausch mit anderen Künstlern wurde über die Jahre zum Motor seiner Arbeit. Einen unverkennbaren, experimentellen Ansatz teilt Steiner mit Zeitgenossen wie Marina Abramovi?, Joseph Beuys, Nam June Paik oder Bill Viola – allesamt Wegbereiter und Grenzgänger der zeitgenössischen Kunst.
Markante Parallelen zu Abramovi? oder Paik zeigen sich in Steiners radikalem Umgang mit Performance und Video: In den 1970ern zweifelte er zunehmend an der Malerei als alleinigem Ausdrucksmittel. Immer wieder suchte er nach neuen Formaten. Wegweisend war sein Schritt in die Videokunst – zunächst inspiriert von Kaprow und den florentinischen Video-Studios der Zeit, bald aber auf eigenem Terrain. Steiner verstand es, das Flüchtige der Performance dauerhaft zu machen, indem er es auf Video bannte. Legendär ist seine Rolle bei der Dokumentation von Aktionen wie Marina Abramovi?s "Freeing the Body" (1976) oder künstlerischen Grenzgängen mit Ulay (Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst, 1976). Durch sein künstlerisches und organisatorisches Engagement wurde Berlin zum Epizentrum der Performance Art der 70er Jahre.
Ebenso bahnbrechend: die Gründung von Hotel Steiner, das in den 70ern als Berliner Pendant zum Chelsea-Hotel (bekannt durch Andy Warhol) fungierte, gefolgt von der Studiogalerie – eine Produktionsstätte für Videokunst und ein Treffpunkt für internationale Avantgardisten. Neben seinen eigenen Arbeiten hat Mike Steiner in dieser Rolle Künstlerinnen wie Valie Export, Carolee Schneemann und Jochen Gerz gefördert.
Steiner gab den Impuls, der in Berlin dringend gefehlt hatte. Während in Köln der Kunstverein neue Formen der Videokunst förderte, war in Berlin der Durchbruch erst durch die Studiogalerie möglich. Die Galerie bot alles – von Aktionsraum für Fluxus und Happening bis hin zur hochmodernen Ausstattung für Videoproduktion. Besonders die Kooperation mit internationalen Künstlern – von Allan Kaprow und Ben Vautier zu Vertretern des Wiener Aktionismus – machte die Räume zur Keimzelle des Neuen. Dieses Zusammenwirken auf Augenhöhe war es, was Mike Steiner auszeichnete.
1979 zog die Studiogalerie ins legendär gewordene Hotel Steiner. Höhepunkt dieses Umzugs: das "Hotel Room Event" – ein 36-Stunden-Performance-Marathon, organisiert gemeinsam mit Ben Vautier. Es waren Sternstunden der intermedialen Kunst, festgehalten auf Video und längst Teil der Berliner Kunstgeschichte.
Technisch immer am Puls der Zeit, schuf Mike Steiner in den 1980er Jahren die Serie der "Painted Tapes", in der Video, Malerei und Musik eine seltene Verbindung eingehen. So dokumentierte er die Tour von Tangerine Dream durch Australien nicht nur mit der Kamera, sondern schuf daraus Musikvideos, die als malerisch-elektronische Weiterentwicklung seiner Kunst gelten. Werke wie "Mojave Plan" oder "Penumbras 3" – ausgezeichnet auf internationalen Videofestivals – zeigen Steiner als Avantgardisten im besten Sinne.
Doch Steiners Engagement reicht noch weiter: Sammeln, Bewahren und Vermitteln wurden zunehmend Teil seines Selbstverständnisses. Bereits ab 1974 begann Mike Steiner, Videobänder internationaler Künstler zu erwerben. Daraus erwuchs eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Videokunst der Bundesrepublik. Die Sammlung umfasst Arbeiten von Ulay, Marina Abramovi?, Valie Export, Jochen Gerz, Richard Serra, Bill Viola, George Maciunas, Gary Hill, Nam June Paik und vielen mehr.
Das Jahr 1999 markierte einen Höhepunkt: Die große Einzelausstellung "Mike Steiner – Color Works" im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart, würdigte Steiners Beitrag zur Videokunst und Malerei. Die Sammlung, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vermacht, wurde zum Grundstock für die Auseinandersetzung mit Video als künstlerischem Medium in Deutschland. Weitere Ausstellungen wie "Live to Tape" (2011/12) zeigten das fulminante Spektrum von Steiners Wirken als Künstler, Sammler und Chronist seiner Zeit.
In den 2000er Jahren kehrte Mike Steiner zur Malerei zurück, widmete sich verstärkt der Abstraktion und schuf ebenso Stoffarbeiten. Die Jahre im Atelier, nach einem schweren Schlaganfall, waren geprägt von Reflexion, Rückbesinnung und dem Mut zur Reduktion. Der Bogen, den Steiner spannt, reicht so von der informellen und abstrakten Malerei seit den 60ern über pionierhafte Videokunst der 70er und 80er Jahre bis hin zu Installationen und vielfältigen Vermittlungsprojekten.
Faszinierend ist bei Mike Steiner nicht nur die experimentelle Vielschichtigkeit seines Werkes, sondern auch seine Fähigkeit, das Flüchtige und das Dauerhafte, das Separate und das Verbindende immer wieder neu auszubalancieren. Im Vergleich etwa zu Joseph Beuys, Nam June Paik oder Bill Viola zeigt sich in Steiners Archiv ein ganz eigener Zugriff: Das prozessorientierte Sammeln, Dokumentieren und Vermitteln wird zum künstlerischen Akt an sich – ein Lebenswerk in Bewegung, stets neugierig und offen.
Warum lohnt sich auch heute eine Auseinandersetzung mit den Werken von Mike Steiner? Weil sie die Fragen der Gegenwart nicht nur vorwegnehmen, sondern immer noch produktiv stellen – nach Identität, Medium und gesellschaftlichem Resonanzraum der Kunst. Wer sich intensiver mit Steiner beschäftigen möchte, sollte unbedingt die offizielle Webseite www.mike-steiner.de – Biografie, Werke und Ausstellungen im Überblick besuchen. Hier sind Archiv und Nachlass, Werkgruppen und Hintergründe für Entdecker offen.
Mike Steiner bleibt damit eines: ein Schlüssel zur Vitalität der zeitgenössischen Kunst. Seine Impulse setzen immer neue Energien frei, sei es in Malerei, Videokunst oder installativen Setzungen. Ein Werk, das überdauert – beweglich und inspirierend zugleich.


