Zeitgenössische Künstler, Videokunst

Mike Steiner – Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art

11.02.2026 - 07:10:05

Mike Steiner prägt als herausragender Zeitgenössischer Künstler mit Malerei, Videokunst und Performances die Kunstszene seit den 1970ern – seine Werke sind heute im Hamburger Bahnhof präsent.

Wie definiert man die Grenzen zwischen bewegtem Bild und Leinwand neu? Mike Steiner, einer der einflussreichsten Zeitgenössischen Künstler, wagte diesen Schritt bereits in den 1970er Jahren. Sein Oeuvre sprengt Gattungsgrenzen, changiert zwischen farbintensiver Malerei, experimenteller Videokunst und Fluxus-inspirierter Performance Art – und fasziniert damit bis heute Kunstliebhaber ebenso wie Museumsbesucher.

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Wer im Dialog mit Mike Steiners Kunst steht, begibt sich auf eine Reise durch die radikalen Umbrüche der Nachkriegsavantgarde. Faszinierend ist das Tempo seiner Entwicklung: Geboren 1941 in Allenstein, aufgewachsen zwischen Kriegserfahrung und Berliner Nachkriegsgesellschaft, debütierte der junge Steiner mit Malerei auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1959. Zu einer Zeit, als abstrakte Malerei in Deutschland noch weitgehend diskreditiert war, setzte er bereits Akzente, die den späteren Kurs seines Lebens vorzeichnen sollten.

Seine frühen Jahre sind geprägt vom Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin, der Autonomie im eigenen Werk und einer Neugier, die ihn nach New York und ins Zentrum der internationalen Kunstszene führte. In Manhattan lernte Mike Steiner entscheidende Figuren des Fluxus und der Performance Art kennen: Allan Kaprow, Robert Motherwell, Lil Picard. Sie inspirierten ihn, tradierte Medien zu hinterfragen. Vergleiche drängen sich auf mit Josef Beuys, dessen soziales und performatives Kunstverständnis ähnlich systemische Grenzen sprengte, sowie mit Marina Abramovi?, deren Performances Steiner – insbesondere in seiner legendären Studiogalerie – entscheidend förderte.

Doch Mike Steiner blieb immer ein Solitär. Die 1970 eröffnete Studiogalerie und das Hotel Steiner nahe dem Ku’damm wurden zur internationalen Drehscheibe. Hier trafen Joseph Beuys, Valie Export, Carolee Schneemann, Ulay und Jochen Gerz auf den Pionier der westdeutschen Videokunst. Steiner fettete die erste Berliner Bastion für Performance-Kunst und Video: Künstler dokumentierten und experimentierten, Berliner Publikum und Medien schauten gebannt zu.

Markenzeichen wurden seine Painted Tapes – künstlerische Fusionen, in denen Videoaufnahmen malerisch überarbeitet oder der Prozess von Malerei selbst als Videokunst inszeniert wurde. Der Prozess stand dabei oft im Zentrum – Kunst als Aktion, als Experiment, als Annäherung an die Grenzen medialer Wahrnehmung. Dergleichen fand sich bei Zeitgenossen wie Nam June Paik oder Bill Viola, doch Steiner verband dabei ästhetische Experimentierfreude mit pointierter Zeitkritik und einer ganz eigenen Berliner Handschrift.

Das Werk von Mike Steiner ist in sich vielfach verschachtelt: Malerei trifft Installation trifft Aktionskunst. Die „Irritation“ (1976) mit Ulay – Unvergessen ist die filmisch festgehaltene Kunst-Aktion, in der das berühmte Spitzweg-Gemälde „Der arme Poet“ aus der Berliner Nationalgalerie temporär entfernt und seine Rückgabe von der Presse inszeniert wurde. Hier schrieb Steiner nicht nur Videogeschichte, sondern öffnete radikal die Schnittstellen von Kunst, Gesellschaftskritik und Medienreflexion. Die Videodokumentationen halten bis heute Performances von Marina Abramovi?, Valie Export und anderen fest und sind unverzichtbares Archiv der globalen Performance Art der 70er Jahre.

Die größte Einzelausstellung Mike Steiners, 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, würdigte diese Vielfalt: Die Ausstellung „Color Works“ schichtete Malerei, Performance, Videos und Fotozyklen übereinander, eine Hommage an einen Künstler, der Medien und Genres nicht als Barrieren, sondern als Möglichkeiten begreift. Seine Sammlung von Videokunst, 1999 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben, gilt heute als eine der wichtigsten Sammlungen Europas – mit Werken u.a. von Ulay, Marina Abramovi?, George Maciunas, Gary Hill und Valie Export.

Weit über die institutionellen Wände hinaus zeigt Steiners Karriere, wie entscheidend das Zusammenspiel aus eigenem Archiv, aktiver Kunstproduktion und Kuratieren der Werke anderer ist. Die Hamburger Bahnhof – Ausstellungen, darunter auch „Live to Tape“ (2011/12), öffnen immer wieder Fenster in Steiners intermediale Denk- und Arbeitsweise – deren Einfluss man etwa auch im Werk von Richard Serra oder Bruce Nauman spüren kann, beide Pioniere intermedialer Kunstpraxis. Was Mike Steiner dabei auszeichnet, ist die konsequente Selbstermächtigung: Er war simultaneously Künstler, Sammler, Kurator und Chronist seiner Epoche.

In seinen letzten Jahren widmete Mike Steiner sich intensiv der abstrakten Malerei – wandte sich texturalen und farbrauschenden Leinwänden zu, experimentierte aber weiterhin genreübergreifend mit Stoffarbeiten und Installation. Die Spätwerke korrespondieren in ihrer Offenheit und Vieldeutigkeit mit den frühen Videoarbeiten: Immer bleibt ein Spielraum für Interpretation, immer ist der Betrachter eingeladen, sich aktiv einzubringen.

Biografisch spiegelt Steiners Lebensweg einen Parcours durch die zentraleuropäische Kunstgeschichte der Nachkriegszeit: Studium und erste Ausstellung in Berlin, transatlantischer Brückenschlag über New York zurück nach Westdeutschland, Organisation von Performances und Kuratieren internationaler Videokunst. Autoren wie Anja Oßwald oder Eugen Blume hoben in Katalogtexten die Experimentierfreude und das „Denken in Werkgruppen“ bei Steiner hervor.

Was bleibt, ist ein künstlerisches Vermächtnis, das Sammler, Museumsleute und Kunsthistoriker beschäftigt. Die Sammlung Steiners – heute im Hamburger Bahnhof aufbewahrt – ist nicht nur eine Zeitkapsel, sondern Motor für weitere Forschung und Inspiration.

Die Beschäftigung mit Mike Steiner lohnt sich mehr denn je: Seine Werke sind Paradebeispiele für spartenübergreifendes Arbeiten, für zeitgenössische Kunnst, die gesellschaftliche Relevanz und ästhetischen Eigensinn vereint. Wer tiefer eintauchen möchte, findet auf der offiziellen Webseite mike-steiner.de – Das umfassende Archiv zu Malerei, Videokunst, Performance und Biografie von Mike Steiner eine Fülle weiterer Informationen, Textmaterial und viele Bildbeispiele, um sich dieser bemerkenswerten Künstlerpersönlichkeit noch differenzierter zu nähern.

@ ad-hoc-news.de

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