Zeitgenössische Künstler, Videokunst

Mike Steiner – Zeitgenössische Künstler zwischen Videokunst, Performance und Malerei

07.02.2026 - 07:10:04

Mike Steiner gilt als einer der spannendsten Zeitgenössischen Künstler – seine innovativen Wege zwischen Malerei, Videokunst und Performance haben das Gesicht der Gegenwartskunst geprägt.

Was macht die Faszination der Zeitgenössischen Künstler wie Mike Steiner aus? Es ist vermutlich die Grenzüberschreitung – jener visionäre Drang, in seinen Arbeiten Malerei, Performance und Videokunst immer wieder neu zu verschmelzen, der Steiner zu einem Schrittmacher der deutschen Gegenwartskunst werden ließ. Bereits früh verschrieb er sich einer Ästhetik des Experiments, die das Erforschen von Mediengrenzen wie das bewusste Überschreiten tradierter Kunstformen suchte. Wie, so stellt sich bei seinem Oeuvre immer wieder die Frage, lässt sich die Magie des „Live-Moments“ in die Dauerhaftigkeit eines Kunstwerks übersetzen?

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Bereits zu Beginn seiner Karriere, als ihm in den 1960er Jahren die ersten Einzelausstellungen in Berlin und Wolfsburg eröffneten, setzte Mike Steiner auf ungewöhnliche Impulse. Er lernte bei einschlägigen Lehrern wie Hans Jaenisch und Hans Kuhn an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin, wurde bereits mit 17 auf der Großen Berliner Kunstausstellung gefeiert und trieb sich später mit Protagonisten der Fluxus-Bewegung in New York herum – ein Kontext, wie man ihn bei berühmten Zeitgenossen etwa in Nam June Paik oder Marina Abramovi? findet. Dass Mike Steiner, ähnlich wie Joseph Beuys oder Allan Kaprow, das Experiment suchte statt den sicheren Kanon, prägte sein gesamtes künstlerisches Selbstverständnis.

Die Wege der Kunst sind bei Steiner stets auch Wege der Kommunikation. Im legendären Hotel Steiner und der Studiogalerie schuf er in den 70er Jahren Treffpunkte, die wie das Chelsea Hotel von Andy Warhol oder das Café Voltaire der Dadaisten Künstler zwischen Ost und West vernetzten. Hier fanden etwa Joseph Beuys, Valie Export oder Ulay ein Berlin, das offen war für radikales Neues. Besonders in den Performances und in der Videokunst kristallisierte sich Steiners Gespür für die Dynamik von Zeit und Raum.

Schon früh wuchs sein Zweifel an der Malerei als einzigem Ausdrucksmittel: Seine Zeit in den USA, das Eintauchen in die avantgardistischen Strömungen der Pop Art und des Experimentalfilms in Manhattan, beeinflussten die stilistische Vielfalt und Vielschichtigkeit seines Werks. Der Austausch mit Akteuren wie Lil Picard, Robert Motherwell oder Allan Kaprow machte ihn empfänglich für hybride Formen. Zurück in Berlin entstand mit Studio Art/Tapes/22 in Florenz seine erste eigene Videoarbeit – ein durchaus gewagtes Feld für einen deutschen Künstler jener Zeit. Im Gefolge von Pionieren wie Bill Viola, Gary Hill oder Richard Serra trug Mike Steiner dazu bei, Videokunst in Deutschland zu etablieren.

Besonders markant erwies sich seine experimentelle Werkphase ab den 1970er Jahren: Die Studiogalerie wurde zum unabhängigen Experimentierraum für Video, Happening und Performance Art. Hier dokumentierte, produzierte und förderte er bereits frühe Avantgarde-Bewegungen – etwa mit Marina Abramovi?s berühmter Performance „Freeing the Body“ (1976), die er mit der Kamera einfing und so performative Kunst für die Nachwelt rettete. Auch die spektakuläre Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay, in der das berühmte Spitzweg-Gemälde kurzzeitig entwendet wurde, steht exemplarisch für die Grenzüberschreitung, die Zeitgenössische Kunst auszeichnet.

Daneben führte Mike Steiner ein Doppelleben als enthusiastischer Sammler: 1974 erwarb er sein erstes Videotape und baute seither eine Sammlung auf, die heute als Schlüsselarchiv internationaler Videokunst gilt. Mit seinem Format „Videogalerie“ brachte er von 1985 bis 1990 in über 120 Fernsehsendungen Videokunst ins Wohnzimmer – in Anlehnung an die Fernsehgalerie von Gerry Schum und mit einer Experimentierlust, die immer auch Vermittlung war. Namen wie Nam June Paik, Carolee Schneemann, Jochen Gerz und Bill Viola finden sich ebenso in seiner Sammlung wie Werke von Ulay oder Valie Export.

Sein Leben in Berlin blieb eng mit der pulsierenden Szene nationaler wie internationaler Gegenwartskunst verbunden. Als Künstler, Förderer und Kurator stand Mike Steiner im Austausch mit Persönlichkeiten wie Georg Baselitz, Karl Horst Hödicke und anderen Vertretern der Neuen Wilden. Dass seine Sammlung 1999 dem Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart übergeben und mit einer großformatigen Einzelausstellung „COLOR WORKS 1995-1998“ gefeiert wurde, belegt seinen Rang im Kanon Zeitgenössischer Künstler.

Doch Steiner blieb nicht nur Sammler oder Förderer. Sein eigenes künstlerisches Werk ist von einer enormen Bandbreite geprägt. Von frühen informellen Malereien und popkulturellen Bezügen entwickelte er sich zum experimentellen Videokünstler, unternahm Exkurse in Fotografie, Copy Art und Installationen, kombinierte Minimal Art und Hard Edge – um sich ab 2000 wieder verstärkt der abstrakten Malerei zuzuwenden. Faszinierend ist hierfür sein Werkkomplex der „Painted Tapes“, in denen er Videobilder mit malerischer Geste verbindet, oder seine Arbeit „Das Testbild als Readymade“ aus den 80er Jahren, die Technischen Motiven einen fast ikonischen Status verleiht.

Kurios und aufschlussreich: Selbst als Initiator internationaler Performances und als Mentor für Nachwuchskünstler war Mike Steiner stets offen für Wandel, mehr noch, für radikalen Neubeginn. Reisen nach Ägypten, Australien oder in die USA inspirierten Fotowerke und Dokumentarvideos, in denen er nicht nur das Medium, sondern auch seinen eigenen Zugang zur Kunst immer wieder reflektierte. Dafür wurde er international auf Festivals, Symposien und in Kunsthäusern gefeiert – auch als Juror des prestigereichen Berliner Künstlerprogramms (BKP).

Verbindet man all diese Lebenslinien, entsteht das Bild eines Künstlers, der Zeitgenössische Kunst als ständiges Experiment, als offenes Gespräch auffasst. Seine Performances, Tapes, Installationen und Malereien dokumentieren nicht nur kunstgeschichtliche Wandlungsprozesse, sondern auch das Unbedingte seines eigenen Forscherdrangs. Mike Steiner ist damit auf einer Ebene zu sehen wie andere vielschichtige Künstler-Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: etwa Valie Export, Ulay, Joseph Beuys oder Nam June Paik.

Auch nach seinem Tod 2012 bleibt das Werk von Mike Steiner lebendig – stets neu interpretierbar, stets offen für überraschende Blickwinkel. Die Vielzahl seiner Werkserien, seine konzeptionelle Stärke sowie sein künstlerisches und organisatorisches Engagement machen ihn zu einer Schlüsselfigur im Kosmos der Zeitgenössischen Künstler. Wer heute einen tiefen Einblick in sein Schaffen gewinnen möchte, dem sei ein Blick in sein digital zugängliches Archiv und die Ausstellungssammlung im Hamburger Bahnhof empfohlen. Mehr Inspiration und Hintergrund bietet die informative offizielle Webseite von Mike Steiner:

Mehr zu Mike Steiner entdecken: Biografie, Werkgruppen und Ausstellungen auf mike-steiner.de

Mike Steiner steht beispielhaft dafür, wie Zeitgenössische Künstler mit Mut, Weitsicht und Experimentierfreude Künste, Medien und Generationen verbinden. Seine Werke laden zur aktiven Auseinandersetzung mit der Frage ein, wie sehr uns künstlerische Avantgarde auch heute noch inspirieren kann.

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