ROUNDUPTrumps, Fehde

'Werden uns erinnern'

08.03.2026 - 18:31:25 | dpa.de

Mit erneut spöttisch-kritischen Aussagen zur britischen UnterstĂŒtzung im Iran-Krieg hat US-PrĂ€sident Donald Trump das VerhĂ€ltnis zum einst engsten VerbĂŒndeten weiter belastet.

"Wir brauchen keine Leute, die erst in den Krieg eintreten, nachdem wir ihn bereits gewonnen haben", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Den britischen Premierminister Keir Starmer griff der US-PrÀsident namentlich an - am Sonntagnachmittag telefonierten die beiden.

Inwieweit das GesprĂ€ch, in dem es der britischen Regierung zufolge um die "militĂ€rische Zusammenarbeit" durch die US-Nutzung von StĂŒtzpunkten der Royal Air Force ging, zu einer Aussöhnung beitrug, blieb offen. In seinem Social-Media-Beitrag hatte Trump keinen Zweifel an seiner kritischen Haltung gelassen.

Die laut Medienberichten angedachte Entsendung eines britischen FlugzeugtrÀgers in die Konfliktregion, Trump schrieb von zwei, sei nicht mehr nötig. "Das ist okay, Premierminister Starmer, wir brauchen sie jetzt nicht mehr - aber wir werden uns erinnern", warnte Trump. Wenig spÀter sagte der US-PrÀsident an Bord des PrÀsidentenflugzeugs Air Force One: "Vor zwei Wochen hÀtten wir sie gut gebrauchen können."

Die Briten hatten den US-StreitkrĂ€ften erst mit Verzögerung die Nutzung ihrer StĂŒtzpunkte fĂŒr den Krieg gegen den Iran genehmigt. Das Verteidigungsministerium in London teilte mit, dass es auch jetzt um "spezifische Verteidigungsoperationen" gehe. Auf der britischen Luftwaffenbasis Fairford landeten am Wochenende US-Langstreckenbomber, in der Krisenregion sind britische Kampfjets zur Abwehr von Drohnen und Raketen im Einsatz.

Starmers "ruhige, besonnene Herangehensweise"

An direkten Angriffen auf den Iran will sich Starmers Regierung aber nicht beteiligen - was auch mit der jĂŒngeren Vergangenheit zu tun hat. Die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs trĂ€gt es dem frĂŒheren Labour-Premierminister Tony Blair weiterhin nach, den USA 2003 in den Irak-Krieg gefolgt zu sein. Die Invasion mit all ihren Folgen wird in Großbritannien mittlerweile als Desaster bewertet.

Die Briten bemĂŒhten sich am Morgen nach der Kritik des US-PrĂ€sidenten um Schadensbegrenzung. Der Premierminister werde nicht zu "Rhetorik oder Übertreibungen" greifen und sich auf eine "ruhige, besonnene Entscheidungsfindung" konzentrieren, sagte Außenministerin Yvette Cooper im Sender Sky News. Die Menschen sollten sich auf Inhalte fokussieren, nicht auf Social-Media-BeitrĂ€ge.

Der Stil von Starmers Politik sei anders. "Und ich denke, diese ruhige, besonnene Herangehensweise an diese großen, ernsten internationalen Fragen - ich halte das fĂŒr richtig", sagte die Parteikollegin des Premiers. Das entspreche auch im Allgemeinen eher dem britischen Charakter. Cooper sagte, es gehe darum, "sicherzustellen, dass wir tatsĂ€chlich aus einigen der Dinge lernen, die im Irak schiefgelaufen sind".

Blair gilt mittlerweile als enger VerbĂŒndeter von Trump. Der frĂŒhere Premier spielt eine Rolle im umstrittenen Friedensrat des US-PrĂ€sidenten und in einem Gremium, das die Ziele des Rats im Gazastreifen umsetzen soll. Die "Daily Mail" zitierte Blair am Wochenende mit den Worten, dass Großbritannien die USA seiner Meinung nach von Anfang an hĂ€tte unterstĂŒtzen sollen.

Trumps Rundumschlag gegen VerbĂŒndete

Neben Großbritannien hatte Trump vor einer Woche auch Spanien scharf kritisiert. WĂ€hrend des Treffens mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus echauffierte sich der US-PrĂ€sident darĂŒber, dass die Spanier die Nutzung ihrer StĂŒtzpunkte untersagt hĂ€tten. "Sie waren unfreundlich", sagte Trump, der die deutsche Haltung dagegen ausdrĂŒcklich gelobt hatte.

Ohne Starmers Namen zu nennen, sagte Trump, sie hĂ€tten es eben nicht mit Winston Churchill zu tun. Der legendĂ€re Premierminister hatte die Briten mit ihren Alliierten durch den Zweiten Weltkrieg gefĂŒhrt. Churchill hatte außerdem große Entscheidungsgewalt beim von den USA und Großbritannien initiierten Sturz des demokratisch gewĂ€hlten iranischen MinisterprĂ€sidenten Mohammed Mossadegh 1953.

Wie lange Trumps VerĂ€rgerung ĂŒber Starmer und den britischen Kurs anhĂ€lt, ist kaum vorherzusehen. GrundsĂ€tzlich gilt der US-PrĂ€sident mit schottischer Mutter als großer Verehrer des Vereinigten Königreiches, im vergangenen September ließ er sich bei einem Staatsbesuch bei König Charles III. feiern. Zur Feier von 250 Jahren UnabhĂ€ngigkeit wird der König im Gegenzug in diesem Jahr eigentlich auch in den USA erwartet.

Starmers innenpolitische Probleme

FĂŒr den britischen Premier fallen die verbalen Angriffe des US-PrĂ€sidenten in eine Zeit, in der er ohnehin mit zahlreichen Krisen zu kĂ€mpfen hat. Bei den Kommunalwahlen im Mai droht eine deutliche Niederlage gegen die rechtspopulistische Partei Reform UK von Brexit-VorkĂ€mpfer Nigel Farage. Wegen der Verwicklung des deshalb abberufenen britischen Botschafters in den USA, Peter Mandelson, in den Skandal um SexualstraftĂ€ter Jeffrey Epstein schien ein RĂŒcktritt Starmers Ende vergangenen Jahres zwischenzeitlich kaum noch vermeidbar.

"WĂ€hrend die Oppositionsparteien versuchen, Großbritannien auf der WeltbĂŒhne zu untergraben, konzentriert sich meine Labour-Regierung darauf, die britischen BĂŒrger im In- und Ausland zu schĂŒtzen", schrieb Starmer in einem Gastbeitrag fĂŒr die Zeitung "Sunday Mirror", der vor Trumps neuerlichen Attacken entstanden war.

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