Trump pocht auf Grönland - Nato-Staaten schicken Soldaten
16.01.2026 - 15:19:59 | dpa.deEin Erkundungsteam der Bundeswehr mit 15 Soldaten fĂŒr mögliche MilitĂ€rĂŒbungen war am Nachmittag unterwegs in die Hauptstadt Nuuk, es soll am frĂŒhen Abend dort eintreffen.
Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Als Optionen nannte er AufklĂ€rungsflĂŒge der Marine, die Entsendung deutscher Fregatten zur Ăberwachung des Seeraums oder auch eine Verlegung von Eurofightern.
Auch Paris und London schicken Soldaten
Die am Mittwoch angekĂŒndigte Erkundungsmission mehrerer Nato-VerbĂŒndeter wird von DĂ€nemark angefĂŒhrt. Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, GroĂbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Soldaten.
Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet DĂ€nemarks. US-PrĂ€sident Trump hat wiederholt deutlich gemacht, dass Amerika sich die gröĂtenteils von Eis bedeckte Insel einverleiben will - was die europĂ€ischen Nato-Partner vehement ablehnen. KrisengesprĂ€che zwischen den USA, DĂ€nemark und Grönland hatten ohne greifbare Ergebnisse geendet. Trump argumentiert, Grönland mĂŒsse den USA gehören, damit nicht die Russen und Chinesen zusĂ€tzlich Einfluss in der Region gewinnen.
Die US-Regierung zeigte sich von der Entsendung unbeeindruckt. "Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des PrÀsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben", sagte Trumps Regierungssprecherin Karoline Leavitt.
Mehrheit der Deutschen sieht Nato in Gefahr
Einer Umfrage zufolge glaubt der GroĂteil der Deutschen, dass die Politik des US-PrĂ€sidenten den Fortbestand der Nato gefĂ€hrdet. 78 Prozent der Befragten stimmen dieser EinschĂ€tzung zu, 18 Prozent glauben dies nicht. Das geht aus dem aktuellen ZDF-"Politbarometer" hervor. Der Rest der Befragten antwortete mit "weiĂ nicht".
FĂŒr Aufsehen und Beunruhigung sorgen Trumps ĂuĂerungen vor allem, weil er bislang auch militĂ€rischen Zwang nicht ausschlieĂt, um Kontrolle ĂŒber Grönland zu erlangen. Die Insel ist sechsmal so groĂ wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.
Das Nato-GrĂŒndungsmitglied Italien will keine Soldaten fĂŒr die Erkundungsmission mit anderen europĂ€ischen Partnerstaaten abstellen. Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach im Zusammenhang damit von einem "Witz". Zugleich stellte die rechte Regierung von MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni eine eigene Arktis-Strategie vor.
Im Fall der FĂ€lle mĂŒssten EU-Staaten DĂ€nemark zu Hilfe kommen
Eine Sprecherin der EU-AuĂenbeauftragten Kaja Kallas stellte klar: Im Fall eines gewaltsamen Konflikts um Grönland könnten Deutschland und die anderen EU-Staaten auf Antrag DĂ€nemarks hin Beistand leisten mĂŒssen.
Grönland sei Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs DĂ€nemark und fiele daher grundsĂ€tzlich unter die gegenseitige SolidaritĂ€tsklausel in Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte sie, dass sich die Frage einer Anwendung derzeit nicht stelle. GrundsĂ€tzlich gilt eine militĂ€rische Konfrontation als sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mĂ€chtigsten MilitĂ€rmacht der Welt anlegen wĂŒrde.
Russischer Botschafter wirft Nato Militarisierung der Arktis vor
Der russische Botschafter in DĂ€nemark wirft der Nato angesichts der US-AnsprĂŒche auf Grönland vor, in der Arktis aufrĂŒsten zu wollen. Nato-Staaten, einschlieĂlich DĂ€nemark, nutzten das Schreckgespenst einer russischen oder chinesischen Bedrohung in groĂem Stil, um die Arktis zu militarisieren, sagte Wladimir Barbin der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Das Nato-Mitglied DĂ€nemark verfolge "durch das Hineinziehen der Nato" in die Arktis einen konfrontativen Ansatz.
Russland mit seiner langen NordkĂŒste am Polarmeer betrachtet die Arktis als seine InteressensphĂ€re. Es nutzt verstĂ€rkt die Seewege in der Region und baut seine militĂ€rische PrĂ€senz aus.
Scherz ĂŒber Island in angespannter diplomatischer Lage
In Island gibt es Ărger nach einer angeblich scherzhaften ĂuĂerung des designierten US-Botschafters Billy Long, die Insel im Nordatlantik könne ein US-Bundesstaat werden. Wie mehrere Medien ĂŒbereinstimmend berichteten, bat das AuĂenministerium Islands die dortige US-Botschaft um eine Klarstellung.
Zuvor hatte das Nachrichtenportal "Politico" berichtet, dass der von US-PrĂ€sident Trump als Botschafter nominierte ehemalige republikanische Kongressabgeordnete gewitzelt habe, Island könne der 52. US-Bundesstaat werden - und er selbst dessen Gouverneur. In Island starteten BĂŒrger daraufhin eine Petition, die die AuĂenministerin KatrĂn GunnarsdĂłttir dazu auffordert, Long als Botschafter abzulehnen.
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