Ergebnisse, Produktion/Absatz

1&1-Probleme belasten United Internet stark - Kursrutsch bei Aktien

14.02.2025 - 14:46:14

MONTABAUR - Der tagelange Netzausfall seiner Tochter 1&1 DE0005545503 und der verzögerte Umzug vieler Kunden auf das neue Netz belasten United Internet DE0005089031 schwer.

(neu: Analysten im vorletzten und letzten Absatz)

MONTABAUR (dpa-AFX) - Der tagelange Netzausfall seiner Tochter 1&1 DE0005545503 und der verzögerte Umzug vieler Kunden auf das neue Netz belasten United Internet DE0005089031 schwer. Umsatz und Ergebnis seien dadurch ungeplant belastet, teilten beide Unternehmen am Donnerstagabend in Montabaur mit. Zudem musste 1&1 nach eigenen Angaben mehr Geld fĂŒr den Aufbau des eigenen Handynetzes ausgeben als geplant. Das alles wirft Zweifel bei Analysten auf, ob es tatsĂ€chlich ein viertes Netz in Deutschland geben wird. Die Aktienkurse beider Unternehmen gerieten am Freitag unter Druck.

Die United-Internet-Aktie rutschte um sieben Prozent ab. Das 1&1-Papier notierte sechs Prozent niedriger. Der Kurs der United-Internet-Tochter Ionos DE000A3E00M1 bewegte sich kaum.

Im Mai hatte ein fehlerhaftes Software-Update das 1&1-Mobilfunknetz tagelang lahmgelegt und dem Konzern Tausende SonderkĂŒndigungen eingebrockt. Konzernchef Ralph Dommermuth schĂ€tzte die Zahl der KĂŒndigungen infolge des Ausfalls auf 50.000. Zudem preschte der Konkurrent Telefonica Deutschland ES0178430E18 (O2) mit besonders guten Angeboten vor, zuletzt verzeichnete das Unternehmen netto ein Plus von gut 200.000 VertrĂ€gen. Unter diesem Druck leidet auch der britische Vodafone-Konzern GB00BH4HKS39.

Wegen des anhaltend harten Wettbewerbs stutzte der 1&1-Vorstand im Herbst dann sein Wachstumsziel: Nach Abzug von KĂŒndigungen rechnete er seither noch mit 100.000 bis 200.000 neuen Vertragskunden im Gesamtjahr. Zuvor hatten noch an beiden Enden der Spanne jeweils 100.000 Kunden mehr auf dem Zettel gestanden. Auf Basis vorlĂ€ufiger Zahlen entschieden sich rund 130.000 Neukunden fĂŒr 1&1-Produkte.

Auf Konzernebene stieg der Umsatz des vergangenen Jahres unterdessen um knapp zwei Prozent auf 6,3 Milliarden Euro - damit hatten sowohl das Management als auch Analysten im Mittel gerechnet. Das moderate Wachstum erklÀrte sich United Internet damit, dass der Konzern weniger EndgerÀte wie Smartphones und Tablets verkaufte.

Im TagesgeschĂ€ft lief es hingegen nicht so wie erhofft: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stagnierte bei knapp 1,3 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Erwartungen von Vorstand und Branchenkennern. Nach Darstellung von 1&1 verzögert sich der Umzug von Kunden auf das eigene Netz zudem, weil ein Ausbaupartner nicht genug Komponenten vorrĂ€tig hatte. Erst ab Oktober sei die Migration von Bestandskunden "wieder umfangreich aufgenommen" worden, sodass geplante Kosteneinsparungen grĂ¶ĂŸtenteils nicht möglich waren.

1&1 will fĂŒr das fehlerhafte Update und die Verzögerungen beim Kundenumzug von seinem Partner entschĂ€digt werden. Branchenkreisen zufolge handelt es sich dabei um den japanischen Rakuten-Konzern JP3967200001. Verhandlungen ĂŒber entsprechende EntschĂ€digungszahlungen seien bislang nicht abgeschlossen. Bis zur geplanten Vorlage der endgĂŒltigen GeschĂ€ftszahlen fĂŒr das vergangene Jahr am 27. MĂ€rz dĂŒrften sich die Parteien nicht einigen, hieß es. Insidern zufolge geht es um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Deutsche-Bank-Analyst Keval Khiroya verwies darauf, dass 1&1 aufgrund der zunehmenden KomplexitĂ€t beim Netzaufbau und des aggressiven Preiskampfs die PlĂ€ne zum Aufbau eines eigenen Netzes ĂŒberdenken könnte. Eine Kehrtwende - etwa hin zu einem Modell als Großhandelspartner, einer Konsolidierung oder einem Gemeinschaftsunternehmen - hĂ€tte wohl erhebliches Potenzial fĂŒr den derzeitigen Aktienkurs. Der Mix aus Ausbaukomplikationen, Problemen bei der Kundenmigration und dem verschĂ€rften Wettbewerb dĂŒrfte bei Investoren Fragen darĂŒber aufwerfen, inwiefern die Kosten fĂŒr den Netzaufbau und die damit erhofften ErtrĂ€ge gerechtfertigt sind, schrieb Goldman-Sachs-Analyst Andrew Lee. Nach dem Schulterschluss mit Vodafone dĂŒrfte ein Szenario ohne eigenes Netz "erhebliche Rendite- und Kurssteigerungen" ermöglichen. UBS-Branchenkenner Polo Tang ist in seinem Urteil da ganz klar: Er erachtet den Netzaufbau klar als "unnötig".

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