Monte dei Paschi: Siena blockt Intesa-Deal am 23. Juli
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 21:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Übernahmepoker um die Banca Monte Dei Paschi Siena (MPS) erreicht eine neue Eskalationsstufe. Während die Großbank Intesa Sanpaolo ihre Pläne für eine Übernahme vorantreibt, formiert sich in Siena massiver politischer Widerstand. Die Stadtverwaltung von Siena hat am 23. Juli 2026 offizielle Schreiben an das italienische Wirtschafts- und Finanzministerium (MEF), die Wettbewerbsbehörde AGCM sowie die Börsenaufsicht Consob gerichtet. Ziel dieser Initiative unter der Leitung von Bürgermeisterin Nicoletta Fabio ist eine umfassende Prüfung der geplanten Transaktion unter dem Aspekt der „Golden Power“-Regelungen, des lokalen Wettbewerbs und des Schutzes der Aktionäre.
Intesas Milliardenangebot und der Rückhalt der Investoren
Das Übernahmeangebot von Intesa Sanpaolo, das einen Tausch von 1,6 eigenen Aktien plus einer Barzahlung von 1,00 Euro je MPS-Aktie vorsieht, wird am Markt intensiv bewertet. Die Offerte beinhaltet eine Prämie von rund 30 Prozent und zielt darauf ab, jährliche Synergien in Höhe von 2,9 Milliarden Euro zu realisieren. Medienberichten zufolge haben große institutionelle Investoren wie BlackRock, Vanguard und die Norges Bank bereits positive Signale bezüglich des Vorhabens ausgesendet.
Da institutionelle Anleger etwa 60 Prozent der Anteile an Monte dei Paschi halten, hängt der Erfolg der Offerte maßgeblich von deren endgültiger Entscheidung ab. Für den 10. September 2026 hat Intesa bereits eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die für die Übernahme notwendige Kapitalerhöhung genehmigen zu lassen. Parallel dazu wird berichtet, dass der Versicherer Unipol bereitstehen könnte, im Zuge der Transaktion MPS-Filialen zu übernehmen, wofür eine Rekapitalisierung von bis zu 2,5 Milliarden Euro im Raum steht.
Strategische Alternativen und die Rolle von Banco BPM
Das Management von Monte dei Paschi unterzieht die Situation derzeit einer kritischen Prüfung. Bereits am 16. Juli 2023 kam der Verwaltungsrat zusammen, um gemeinsam mit den Beratern von UBS und Bank of America (BofA) strategische Optionen zu sondieren. Dabei kristallisiert sich eine mögliche Fusion mit Banco BPM als bevorzugte Verteidigungsstrategie heraus. Ein solcher Zusammenschluss wird vom MPS-Management favorisiert, da er die territorialen Bindungen der Bank besser wahren könnte als eine Integration in den Intesa-Konzern.
Allerdings gibt es erhebliche Hürden für diesen Plan. Credit Agricole, mit einem Anteil von fast 30 Prozent der größte Aktionär von Banco BPM, gilt als skeptisch gegenüber einem solchen Geschäft. Währenddessen hat UniCredit-CEO Andrea Orcel am 23. Juli klargestellt, dass seine Bank keine M&A-Aktivitäten in Italien anstrebt und stattdessen auf organisches Wachstum setzt. Orcel dementierte zudem ausdrücklich Verhandlungen mit Delfin über eine Beteiligung an Monte dei Paschi.
Marktbeurteilung und charttechnische Marken
An der Börse reagierte das Papier zuletzt volatil auf die Nachrichtenlage. Der aktuelle Kurs von 11,38 € entspricht einem Rückgang von 2,32 % gegenüber dem Vortag, womit die Aktie jedoch seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von 24,47 % aufweist. Marktbeobachter sehen eine entscheidende charttechnische Hürde bei der Marke von 11,60 Euro. Ein nachhaltiges Überwinden dieses Widerstands könnte den Weg für Kursziele bei 12,50 Euro und im weiteren Verlauf 14,00 Euro ebnen.
Analysten von Barclays wiesen zudem darauf hin, dass eine Veräußerung von Teilen der Beteiligung an Generali für MPS strategisch sinnvoll sein könnte. Auf der Unterseite fungiert die Marke von 11,00 Euro als erste Unterstützung, gefolgt von tieferen Supportzonen bei 10,40 Euro und 9,80 Euro. Das politische Vorgehen der Stadt Siena, die sich einstimmig für die Prüfung der Wettbewerbsauswirkungen im lokalen Kreditmarkt ausgesprochen hat, unterstreicht die Komplexität des Verfahrens über rein finanzielle Aspekte hinaus.
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