Der Spritpreis treibt den Tanktourismus an
12.03.2026 - 15:08:13 | dpa.de(neu: Details)
MĂNCHEN/BONN/BRĂSSEL (dpa-AFX) - Die Spritpreise in Deutschland sind zuletzt noch schneller als in den NachbarlĂ€ndern gestiegen und treiben den Tanktourismus an. Diesel und Superbenzin sind jenseits der Grenzen teilweise um mehr als 50 Cent billiger zu haben als im deutschen Durchschnitt, wie Zahlen der EU-Kommission mit Stand Montag zeigen. Ein Ăberblick.
Deutschland beim Preisanstieg ganz vorne
"Deutschland ist beim Preisanstieg Spitzenreiter", sagt der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso und kritisiert: "Dass die Preisanstiege in Deutschland deutlich stĂ€rker ausfallen als im europĂ€ischen Durchschnitt, ist ein Hinweis darauf, dass wir strukturelle Probleme im Mineralölmarkt anpacken mĂŒssen."
Duso bezieht sich auf Preise ohne Steuern und Abgaben, doch auch der Blick auf die tatsÀchlich an der Tankstelle bezahlten Preise sieht eine ungleiche Entwicklung zwischen Deutschland und seinen EU-Nachbarn. Zur Schweiz liegen keine sauber vergleichbaren Daten vor.
WĂ€hrend Diesel den EU-Daten zufolge in Deutschland vom 23. Februar bis 9. MĂ€rz um 43 Cent pro Liter teurer wurde, ging es in den NachbarlĂ€ndern nur um 22 bis 38 Cent pro Liter nach oben. Bei Superbenzin stieg der Literpreis in Deutschland in den zwei betrachteten Wochen um 25 Cent. In den NachbarlĂ€ndern - mit Ausnahme Ăsterreichs - um 11 bis 13 Cent. In Ăsterreich waren es knapp 20.
Preisunterschiede wachsen
Die Entwicklung macht an den meisten Grenzen Tanktourismus attraktiver. Abgesehen von den Niederlanden und DĂ€nemark waren Superbenzin und Diesel schon vor Kriegsbeginn in den NachbarlĂ€ndern gĂŒnstiger. Das Sparpotenzial ist nun noch weiter gestiegen. Am höchsten war es am 9. MĂ€rz den Daten der EU-Kommission zufolge an der tschechischen und polnischen Grenze sowie zu Luxemburg mit Preisunterschieden von teils mehr als 50 Cent pro Liter.
Ăsterreich
Der sĂŒdöstliche Nachbar ist ein Tanktourismus-Klassiker. Schon lange ist Sprit dort gĂŒnstiger und in den beobachteten zwei Wochen stieg der Unterschied bei Benzin von 32 auf 37 Cent, bei Diesel von 19 auf knapp 27. Ob das als Beleg taugt, dass die dortige Spritpreis-Regelung, nur eine Preiserhöhung pro Tag zuzulassen den Anstieg bremst ist eine andere Frage. In Ăsterreich ging es zwar langsamer nach oben als in Deutschland, aber schneller als in den meisten anderen NachbarlĂ€ndern.
Tschechien
Tschechien gehört zu den LÀndern mit dem höchsten Preisunterschied zu Deutschland. Bei Benzin und Diesel waren es zuletzt mehr als 50 Cent, vor allem wegen niedrigerer Steuern und Abgaben. Die Preise sind dort ebenfalls gestiegen, wenn auch langsamer als in Deutschland.
Im unmittelbaren Grenzgebiet blĂŒht derzeit der Tanktourismus aus Deutschland. Tschechische Medien berichten allerdings, dass der deutsche Zoll Tanktouristen verstĂ€rkt an GrenzĂŒbergĂ€ngen kontrolliere.
Polen
Polen gehört mit einem Preisunterschied von mehr als 50 Cent bei Benzin und mehr als 40 Cent bei Diesel ebenfalls zur Spitzengruppe, was auch dort traditionell zu Tanktourismus fĂŒhrt. Ursache sind vor allem niedrigere Steuern. Doch auch dort klagen die Autofahrer ĂŒber steigende Preise fĂŒr Benzin und Diesel an den Tankstellen, und die Menschen in Polen verdienen deutlich weniger als in Deutschland.
Belgien
Auch dort tankt es sich billiger: Benzin ist mehr als 40, Diesel mehr als 30 Cent gĂŒnstiger als in Deutschland und so kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Schlangen an Tankstellen nahe der deutschen Grenze, wie Belgiens Polizei auf dpa-Anfrage mitteilte. Es gebe auch kleinere bis mittlere VerkehrsunfĂ€lle und Streitigkeiten, teilte ein belgischer Polizeisprecher mit. Sogar eine Körperverletzung nahm die Polizei auf.
In Belgien wird fĂŒr Benzin, Diesel und andere Erdölprodukte an jedem Werktag ein Höchstpreis festgelegt, den die Anbieter laut belgischem Wirtschaftsministerium oft unterbieten. Der Mechanismus zur Höchstpreisbestimmung existiert seit 1974 und ist eine Folge der Ălkrise.
Luxemburg
Die Spritpreise in Luxemburg sind niedriger als in vielen anderen LĂ€ndern. Bei Benzin waren es am Montag rund 50, bei Diesel rund 30 Cent Unterschied zu Deutschland. Das fĂŒhrt zu erheblichem Tanktourismus, teilweise mit Schlangen an den Tankstellen mit vielen deutschen Kennzeichen.
In Luxemburg legt das Wirtschaftsministerium Höchstpreise fĂŒr Benzin, Diesel und Heizöl fest. Normalerweise werden die Preise etwa zweimal monatlich verĂ€ndert - allerdings sind bei besonderen Marktschwankungen hĂ€ufigere Neufestsetzungen ĂŒblich.
Frankreich
Die Regierung hat dort mit Kontrollen von Tankstellen und den von ihnen verlangten Preisen auf die Entwicklung reagiert. Bei fĂŒnf Prozent der kontrollierten Tankstellen wurden Sanktionen verhĂ€ngt.
Bisher sind die Preise fĂŒr Benzin und Diesel in Frankreich um 12 bis 13 Cent weniger gestiegen als in Deutschland. Die Kraftstoffe sind damit rund 20 Cent billiger als hierzulande.
DĂ€nemark
Die Preise in DĂ€nemark sind Ă€hnlich wie in Deutschland, Tanktourismus spielt daher keine Rolle. Im Land gibt es keine Spritpreisbremse oder Ă€hnliche staatliche Werkzeuge. Ganz im Gegenteil wurden die ohnehin schon hohen Abgaben auf Kraftstoffe in den vergangenen Jahren weiter angehoben. So liegt die CO2- und Energieabgabe fĂŒr einen Liter Benzin derzeit bei umgerechnet gut 70 Cent, die fĂŒr einen Liter Diesel bei etwa 56 Cent.
Niederlande
Den Daten der EU-Kommission zufolge ist Sprit dort von allen EU-Nachbarn Deutschlands am teuersten. Wenn es Tanktourismus gibt, flieĂt er dort in die andere Richtung. Der Preisanstieg seit Kriegsbeginn fiel in den Niederlanden allerdings niedriger aus.
Tanktourismus lohnt sich nicht immer
Allerdings kann es gerade in Grenzregionen zu Abweichungen der Spritpreise kommen und Verbraucher sollten genau ĂŒberlegen, ob sich eine lĂ€ngere Fahrt lohnt. Neben Zeitaufwand und Umweltbelastung sollte man dabei nicht auĂer Acht lassen, dass die Fahrt nicht nur den verbrauchten Sprit kostet, sondern auch zu Kosten wie Wertverlust und VerschleiĂ fĂŒhrt, die höher liegen können als die Ersparnis durch den gĂŒnstigeren Sprit.
Nicht zu viel mitnehmen
Wer zu viel Sprit einfĂŒhrt, kann auch Probleme mit dem Zoll bekommen. Wie die "Rheinische Post" unter Berufung auf die Gewerkschaft der Polizei berichtet, wird an den Grenzen vermehrt kontrolliert. "Immer öfter erwischen wir dabei Autofahrer, die mehr als die erlaubte Freimenge verbrauchsteuerpflichtiger Treibstoffe im Kofferraum haben", sagte der GdP-Vorsitzende Andreas RoĂkopf der Zeitung. "Wir warnen ausdrĂŒcklich davor, groĂe und damit nicht mehr zulĂ€ssige Mengen in Zusatzkanistern mitzufĂŒhren." ZusĂ€tzlich zum Tankinhalt dĂŒrfen maximal 20 Liter Kraftstoff in einem fest verschlossenen Reservekanister ĂŒber die Grenze nach Deutschland mitgenommen werden./ruc,/DP/nas
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