Ergebnisse, Produktion/Absatz

Siemens steigert Gewinn trotz Bremsspuren in China

08.02.2024 - 14:15:32

MÜNCHEN - Der Technologiekonzern Siemens DE0007236101 trotzt dem schwĂ€cheren wirtschaftlichen Umfeld.

(neu: Aktienkurs aktualisiert, Hauptversammlung)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Technologiekonzern Siemens DE0007236101 trotzt dem schwĂ€cheren wirtschaftlichen Umfeld. Der Hersteller verzeichnete im ersten GeschĂ€ftsquartal Umsatz- und ErgebniszuwĂ€chse. Anhaltende Bremsspuren im GeschĂ€ft mit der Industrieautomation, insbesondere in China, konnten die MĂŒnchner in anderen Bereichen ausgleichen. Überraschend stark entwickelte sich das NeugeschĂ€ft - dank mehrerer GroßauftrĂ€ge im ZuggeschĂ€ft Mobility. Siemens sitzt damit weiter auf einem Rekordauftragsbestand. Die Jahresprognose wurde bestĂ€tigt.

"Siemens hat erneut ein starkes Quartal abgeliefert und sein profitables Wachstum fortgesetzt", kommentierte Konzernchef Roland Busch am Donnerstag die Zahlen. Im GeschĂ€ft mit der Industrieautomation bauten die Kunden ihre LagerbestĂ€nde weiter ab. Insbesondere in China seien diese immer noch erhöht. "Dennoch - und ebenso erwartet - verbesserte sich die Nachfrage sequenziell nach dem Tief im Vorquartal", so Busch, der davon ausgeht, dass sich der Trend in den kommenden Quartalen fortsetzen dĂŒrfte.

Die im Dax DE0008469008 notierte Aktie verlor zum Auftakt zunÀchst mehr als zwei Prozent, bevor sie im Handelsverlauf aufholen konnte und ein Rekordhoch erreichte. Am Nachmittag lag das Papier zuletzt mit rund 1,3 Prozent im Plus.

Simon Toennessen vom Analysehaus Jefferies lobte die AuftragseingĂ€nge. Auch im DigitalisierungsgeschĂ€ft seien diese etwas besser ausgefallen als erwartet. Insgesamt sei das erste GeschĂ€ftsquartal solide ausgefallen. RBC-Analyst Mark Fielding stellte zudem die robuste Entwicklung im GeschĂ€ft mit smarter Infrastruktur heraus. Philip Buller von der Privatbank Berenberg attestierte dem Konzern ein durchwachsenes, aber insgesamt solides erstes GeschĂ€ftsquartal. Die Pessimisten dĂŒrften auf eine eher mĂ€ĂŸige Entwicklung im GeschĂ€ftsbereich Digital Industries verweisen.

Im ersten GeschĂ€ftsquartal (Ende Dezember) stiegen die Erlöse um zwei Prozent auf 18,4 Milliarden Euro, wie das Unternehmen vor der am gleichen Tag stattfindenden Hauptversammlung in MĂŒnchen mitgeteilt hatte. Auf vergleichbarer Basis lag das Plus bei sechs Prozent, dabei sind WĂ€hrungs- und Portfolioeffekte herausgerechnet. Eine schwĂ€chere Entwicklung in der Sparte Digital Industries (DI), die neben der Industrieautomation noch das SoftwaregeschĂ€ft enthĂ€lt, konnte durch ZuwĂ€chse in den Bereichen Intelligente Infrastruktur und Mobility ausgeglichen werden.

Der Auftragseingang legte auf vergleichbarer Basis um zwei Prozent auf 22,3 Milliarden zu und fiel damit deutlich besser aus als vom Markt erwartet. Dabei profitierte Siemens von GroßauftrĂ€gen im ZuggeschĂ€ft. Damit sitzt Siemens nun auf einem Rekordauftragsbestand von 113 Milliarden Euro.

Das NeugeschĂ€ft von DI ging hingegen um ein Drittel zurĂŒck - konnte jedoch im Vergleich zum Vorquartal wieder zulegen. Siemens hatte in den vergangenen zwei GeschĂ€ftsjahren allgemein stark von hohen Bestellungen in den digitalen GeschĂ€ften profitiert, nachdem Kunden aus Furcht vor LieferengpĂ€ssen AuftrĂ€ge vorgezogen hatten. Dies normalisiert sich nun.

DarĂŒber hinaus belaste das eher trĂ€ge wirtschaftliche Umfeld den Auftragseingang, wie Finanzchef Ralf Thomas in einer Telefonkonferenz sagte. Diese Entwicklung zeige sich am deutlichsten in China. Thomas erwartet, dass sich der anhaltende Abbau der LagerbestĂ€nde der Kunden bis in die zweite HĂ€lfte des GeschĂ€ftsjahres 2024 hinziehen könnte. Nichtsdestotrotz hofft Thomas auf eine Belebung der Nachfrage in China im zweiten Halbjahr.

Das Ergebnis der IndustriegeschÀfte, das die operative Entwicklung abbildet, stieg um drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro und zeigte sich damit etwas besser als von Analysten prognostiziert. Nach Steuern erzielte Siemens einen Ergebnisanstieg um gut die HÀlfte auf rund 2,5 Milliarden Euro.

Dabei profitierte Siemens auch von einem Gewinn aus der Übertragung eines Anteils von acht Prozent an dem Energietechnikkonzern Siemens Energy DE000ENER6Y0 an den eigenen Pensionsfonds. Die verbleibende Beteiligung von 17,1 Prozent wird der Konzern kĂŒnftig nur noch als finanziellen Vermögenswert berichten und nicht mehr in der Gewinn- und Verlustrechnung. Die Beteiligung hatte in den vergangenen Jahren fĂŒr erhebliche Schwankungen des Nettoergebnisses gesorgt.

Den Ausblick fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2023/24 bestĂ€tigte Siemens und geht von einem weiteren Umsatz- und Gewinnplus aus. Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von vier bis acht Prozent. Damit wĂŒrde sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr aber abschwĂ€chen, als Siemens die Erlöse vergleichbar um elf Prozent auf 77,8 Milliarden Euro gesteigert hatte. Das Ergebnis je Aktie vor bestimmten Kaufpreiseffekten nach Übernahmen erwartet Siemens bei 10,40 bis 11,00 Euro. Im abgelaufenen Jahr war der entsprechende Gewinn auf 9,93 Euro angezogen. Die Beteiligung an Siemens Energy ist dabei bereits herausgerechnet.

Keine Neuigkeiten gab es zur Zukunft des GeschĂ€fts mit Motoren und Großantrieben, von dem sich Siemens trennen will. Die Tochter Innomotics mit ĂŒber 15 000 Mitarbeitern ist inzwischen weitestgehend eigenstĂ€ndig. Siemens prĂŒfe hier weiter alle Optionen, sagte Busch. Diese beinhalten sowohl einen Verkauf als auch einen möglichen Börsengang. Thomas berichtete von einem "großen Interesse" von verschiedenen Marktteilnehmern und hĂ€lt einen Börsengang trotz eines derzeit schwierigen Umfeldes fĂŒr möglich.

Einige AktionĂ€re stießen sich auf der Hauptversammlung an dem anhaltenden Konglomeratsabschlag und forderten - wie etwa Sabrina Reeh von der Fondsgesellschaft DWS - die weitere Fokussierung. Damit verbindet Reeh etwa die Senkung der Beteiligung an der Medizintechniktochter Healthineers. "Auch das bereits vollstĂ€ndig eigenstĂ€ndige ZuggeschĂ€ft sollte auf dem PrĂŒfstand stehen, da es aus unserer Sicht nicht zu einem Technologiekonzern passt", sagte sie. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW) hat vor allem das ZuggeschĂ€ft im Visier: "Ich glaube, dass Healthineers gut zu Siemens passt, bei Mobility bin ich mir nicht so sicher."

"Wir glauben, dass beide GeschĂ€fte gut zur technologischen Ausrichtung von Siemens passen", sagte Konzernchef Busch dazu. Healthineers und Siemens etwa adressierten teilweise die gleichen Kundengruppen. "Wir beabsichtigen, bei Healthineers langfristiger MehrheitsaktionĂ€r zu bleiben." Bereits wĂ€hrend der Telefonkonferenz hatte Busch zurĂŒckhaltend auf die nicht neuen WĂŒnsche der Investoren reagiert. Es gebe Synergien, und es sei vorteilhaft, Technologie auf breiter Basis zu skalieren, sagte er. "Alle unsere GeschĂ€fte spielen in der Champions League." An dem Vorhaben, die Beteiligung an Siemens Energy zu senken, hĂ€lt er hingegen fest.

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