ROUNDUP, Wacker

Wacker Chemie hĂ€lt erneute Verluste in diesem Jahr fĂŒr möglich

11.03.2026 - 15:35:30 | dpa.de

MÜNCHEN - Nach hohen Verlusten 2025 drohen Wacker Chemie DE000WCH8881 auch in diesem Jahr rote Zahlen.

(neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Nach hohen Verlusten 2025 drohen Wacker Chemie DE000WCH8881 auch in diesem Jahr rote Zahlen. Der oberbayerische Konzern erwartet 2026 vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ein Ergebnis von 550 bis 700 Millionen Euro, wie Vorstandschef Christian Hartel und Finanzvorstand Tobias Ohler am Mittwoch in MĂŒnchen sagten. Doch ob davon am Ende nach Abzug der Steuern und der ĂŒbrigen Kosten unter dem Strich ein Nettogewinn ĂŒbrig bleiben wird, ist fraglich: "Es ist noch nicht klar, ob wir eine schwarze Null schaffen", sagte Ohler. Vom Mittelpunkt des Ziels fĂŒr den operativen Gewinn reiche es noch nicht ganz. Trotzdem lag die Wacker-Aktie am Nachmittag nach zwischenzeitlich noch stĂ€rkeren Kursgewinnen zuletzt mit fast sieben Prozent im Plus.

Der derzeitige Krieg am Persischen Golf und dessen mögliche Auswirkungen sind in die Prognose noch gar nicht eingerechnet. Wacker war 2025 mit einem Nettoverlust von 805 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Vorstand und Aufsichtsrat wollen deswegen in diesem Jahr keine Dividende zahlen. Die deutschen Standorte einschließlich des großen Stammwerks im oberbayerischen Burghausen sind nach Ohlers Worten "im Verlust". "Die chemische Industrie ist 2025 unter enormen Druck geraten", sagte Hartel.

Auch fĂŒr das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem weiterhin schwierigen GeschĂ€ftsumfeld. "Wir sehen weiterhin keine Trendwende im Markt", sagte Hartel - bezogen nicht nur auf Wacker, sondern auf die Chemieindustrie insgesamt. In Deutschland sind die hohen Energiekosten nach Worten der Manager ein schwerer Nachteil, besonders weil die chinesische Chemieindustrie große ÜberkapazitĂ€ten aufgebaut hat und die Preise chemischer Erzeugnisse auf dem Weltmarkt deshalb fallen.

Erst einmal werde Wacker Chemie schwach ins neue Jahr starten, warnte der Finanzchef. Der Umsatz werde im ersten Quartal deutlich unter dem Vorjahreswert liegen, auch wegen der negativen Wechselkurse. Besser dĂŒrfte es fĂŒr Wacker dann im Jahresvergleich in der zweiten JahreshĂ€lfte laufen. Im Gesamtjahr 2026 soll der Umsatz im niedrigen einstelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahr zulegen.

Chetan Udeshi von JPMorgan kommentierte: "Der Ausblick auf 2026 liegt nahe am Konsens und dĂŒrfte daher fĂŒr eine Outperformance der Aktien sorgen." Er hĂ€lt allerdings einige Besserung der GeschĂ€fte im Jahresverlauf fĂŒr nötig, um die Ziele tatsĂ€chlich zu erreichen. So bleibe ein Fragezeichen, gerade im aktuellen Umfeld.

Umso wichtiger ist es fĂŒr den Vorstandschef, den von dem Unternehmen eingeschlagenen Pfad konsequent weiterzuverfolgen. "Deshalb heißt es fĂŒr uns mit Blick auf alle Maßnahmen: Tempo, Tempo, Tempo", sagte Hartel.

Im Herbst 2025 hatte der Chemiekonzern ein Programm zur Kostensenkung aufgelegt, mit dem er am Ende jĂ€hrlich mehr als 300 Millionen Euro einsparen will. Dazu zĂ€hlt auch ein Abbau von mehr als 1.500 Stellen vor allem in Deutschland. Derzeit verhandelt die Unternehmensspitze mit den hiesigen Arbeitnehmervertretern ĂŒber den Stellenabbau. Weltweit beschĂ€ftigte der Konzern Ende 2025 knapp 16.500 Menschen, davon etwa 10.750 in Deutschland. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Im Zuge der Einsparungen will sich Hartel auch in den Chemiebereichen stĂ€rker auf die margentrĂ€chtigeren SpezialitĂ€ten fokussieren, im Polysilizum-GeschĂ€ft auf den Halbleitermarkt und in der Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen. Mit Blick auf den Industriestandort Deutschland wiederholte Hartel zuletzt seine Forderung: "Wir brauchen vor allem international wettbewerbsfĂ€hige Energiepreise und einen konsequenten BĂŒrokratieabbau."

Der Konzern bekommt unter anderem schon lĂ€nger die Folgen einer trĂ€gen Bauwirtschaft zu spĂŒren. Darunter leidet die Polymer-Sparte des Unternehmens, die Basis- und Zusatzmaterialien fĂŒr Klebstoffe, BodenbelĂ€ge, Farben und Beton herstellt. Und auch die Silikon-Sparte leidet, die vielfĂ€ltige Hochleistungskunststoffe etwa fĂŒr die Autoindustrie, Elektro- und Medizintechnik, aber auch die Bauwirtschaft und die Textilindustrie fertigt. FĂŒr 2026 erwartet Wacker Chemie in beiden Bereichen einen Umsatz auf Vorjahresniveau.

Das GeschÀft mit dem Halbleitergrundstoff Polysilizium zeigte 2025 abermals unterschiedlichen Trends. WÀhrend die Nachfrage nach hochreinem Polysilizium zur Herstellung von Computer-Chips stark blieb, lasteten regulatorische Unsicherheiten in den USA weiter auf dem GeschÀft mit Polysilizium zur Herstellung von Solarpaneelen. Mit einer Àhnlichen Entwicklung rechnet der Vorstand auch im laufenden Jahr. Insgesamt geht er in der Sparte von einem Umsatzplus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich aus.

Das Unternehmen hatte bereits Ende Januar vorlĂ€ufige Daten zum Jahr 2025 vorgelegt. Unter dem Strich stand wegen Abschreibungen sowie wegen Aufwendungen im Zusammenhang fĂŒr das Sparprogramm ein Verlust von 805 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Wacker noch 261 Millionen Euro Gewinn erzielt. Der operative Gewinn war um 43 Prozent auf 427 Millionen Euro eingebrochen. Der Umsatz schrumpfte im vergangenen Jahr derweil um 4 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro.

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