ROUNDUPRai, Tech-Unternehmer

Leiche von Tech-Unternehmer Mike Lynch in gesunkener Jacht gefunden

21.08.2024 - 19:21:46 | dpa.de

Nach dem Untergang der Luxusjacht "Bayesian" vor der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien gibt es praktisch keine Hoffnung auf Überlebende mehr.

Die Leichen von fĂŒnf der sechs Vermissten wurden am Mittwoch in etwa 50 Metern Tiefe von Spezialtauchern im Inneren des Segelboots ausfindig gemacht. Darunter sind nach Informationen des italienischen Senders Rai auch der britische MilliardĂ€r Mike Lynch (59), der mit der Segeltour einen Freispruch vor Gericht feiern wollte, und seine erst 18 Jahre alte Tochter Hannah.

Am Abend wurden noch eine weitere Leiche an Bord des Schiffes vermutet. Als erstes Todesopfer war bereits am Montag der Schiffskoch im Wasser entdeckt worden. Somit sind nun sechs Tote bestĂ€tigt. Zu deren IdentitĂ€t machten die Behörden zunĂ€chst noch keine Angaben. 15 Menschen haben das UnglĂŒck, das sich am Montag nur eine halbe Seemeile - etwa 900 Meter - entfernt vom Ufer ereignet hatte, ĂŒberlebt.

Der genaue Hergang ist noch immer nicht geklÀrt. Der verletzte KapitÀn der "Bayesian" wurde von der italienischen Polizei stundenlang verhört. Die Zeitung "La Repubblica" zitierte ihn mit den Worten: "Wir haben es nicht kommen sehen." Allerdings gibt es auch Zweifel an dieser Darstellung.

Taucher suchen nach Todesopfern

Das gesunkene Schiff ist nach Angaben der Feuerwehr auf dem Meeresgrund zur Seite gekippt, was die Suche nach den Todesopfern erheblich erschwerte. Am Dienstag konnten Spezialtaucher der Feuerwehr zunĂ€chst einige RĂ€ume unterhalb der KommandobrĂŒcke untersuchen, bevor sie dann schließlich im Unterdeck zu den Kabinen der Passagiere gelangten. Dabei kam auch ein Tauchroboter zum Einsatz.

Die 56 Meter lange "Bayesian" war am frĂŒhen Montagmorgen bei einem schweren Unwetter vor dem Hafen von Porticello unweit der Inselhauptstadt Palermo gesunken - angeblich innerhalb von 60 Sekunden. Experten rĂ€tseln immer noch, wie das geschehen konnte. Spekuliert wurde ĂŒber eine offen gelassene Luke wĂ€hrend einer Monsterwelle oder ein falsch eingestelltes Schwert am Rumpf, mit dem der Tiefgang des Schiffes reguliert werden kann.

Luxusjacht erst 2020 grĂŒndlich renoviert

Die 15 Jahre alte Luxusjacht war erst 2020 grĂŒndlich renoviert worden. Das Schiff war mit einem System ausgestattet, das den Tiefgang mehr als halbieren konnte: Unter normalen Segelbedingungen hatte es eine Kieltiefe von annĂ€hernd zehn Metern, wenn das bewegliche Schwert vollstĂ€ndig ausgefahren war. Damit konnten die GegenkrĂ€fte des 75 Meter hohen Mastes ausgeglichen werden. Der Tiefgang konnte jedoch auf etwa vier Meter reduziert werden - beispielsweise, um in einen Hafen zu kommen.

Lynch wird von Boulevardmedien in seiner Heimat gern als "britischer Bill Gates" bezeichnet. Der Tech-Unternehmer hatte die Softwarefirma Autonomy 2011 fĂŒr elf Milliarden US-Dollar (aktuell 9,94 Mrd Euro) an den US-Konzern Hewlett-Packard verkauft - eines der schlimmsten Übernahme-Debakel im Silicon Valley.

Lynch und dem frĂŒheren Finanzmanager Steve Chamberlain, der kĂŒrzlich beim Joggen tödlich von einem Auto erfasst wurde, wurde zur Last gelegt, Hewlett-Packard ĂŒber den finanziellen Zustand des Unternehmens getĂ€uscht zu haben. Ein Geschworenengericht in San Francisco sprach die beiden jedoch frei.

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